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noch ſehr wüſt ſei, und der Stallung, des Hofes und der Keller entbehre. Als die neue Stadtſchule nach kurzem Beſtehen wieder aufgehoben wurde, erließ der Landgraf an den Haupt⸗ und Amtmann zu Gießen folgenden Befehl: 1
Veſter, Rath und lieber Getreuer! Wenn dasjenige Haus in der neuen Gaß, ſo wir zu der vor dritthalb Jahren angeordneten, jetzund aber wieder abgeſtellten Schul gnädig deſtinirt gehabt, nunmehr wiederum entledigt wird und zurückfällt: ſo iſt hiermit unſer gnädiger Befehl, daß du mit Zuziehung unſers Rentmeiſters zu Gießen daſſelbe feil bieten und ſo hoch und gut du kannſt, jedoch mit Vorbehalt unſerer gnädigen Ratification verkaufen, auch uns davon wieder berichten ſollſt. Verſehens uns u. ſ. w. Datum Darmſtadt am 9. October 1629.—
Aus dieſem Schreiben ergiebt ſich, daß das Haus nicht als Eigenthum der Univerſität betrachtet wurde. Ob der Verkauf wirklich zu Stande kam, darüber findet ſich nichts; es iſt jedoch nicht wahrſcheinlich, da gleich nach erfolgter Rückverlegung der Univerſität und des Pädagogs nach Gießen im Jahr 1650 das Gebäude der letztern Anſtalt wieder zugewieſen wurde. In einem Berichte der Univerſität von 1659 wird erwähnt, daß das Haus früher als Münze benutzt worden ſei. Dieß muß, wenn die Angabe, von der ich bis jetzt ſonſt nirgends eine Spur habe finden können, richtig iſt, während des 30jährigen Kriegs zwiſchen 1629 und 1648, in welcher Zeit der Landgraf ſich viel in Gießen aufhielt, Statt gefunden haben. Der erwähnte Bericht der Univerſität von 1659 trug auf eine bedeutende Reparatur an, die auch wirklich vorgenommen wurde. Im Jahr 1670 erlangte der Pädagogiarch Rudrauff nicht ohne große Mühe und vielen Widerſpruch, daß zwiſchen dem Pädagog und Dr. Haberkorn's Haus, wo noch ein ſchmaler Raum war, für den Paädagogiarchen ein Haus gebaut wurde.„Dieß wurde jedoch,“ wie es in den vorliegenden Papieren heißt,„für die Pädagogiarchen eine Quelle bedeutender Unannehmlichkeiten, indem manche der übrigen Profeſſoren ſie deshalb als allzuſehr bevorzugt betrachteten, ihnen dieſe ſchöne und freie Wohnung mißgönnten und deshalb die Anſtalt und deren Lehrer vielfach befeindeten.“ 1673 erhielt Rudrauff die Erlaubniß zu einem ſchwarzen Brett am Pädagog,„worauf die Relegation halsſtarriger böſer Knaben bekannt gemacht werden ſollte.“ Dieß ſchwarze Brett ſcheint jedoch auch zu andern Bekanntmachungen, namentlich zur Ankündigung von Schulfeierlichkeiten, benutzt worden zu ſein; ſo z. B. am 11. Januar 1720 bei Gelegenheit der in Bezug auf die Geburt des Prinzen Ludwig veran⸗ ſtalteten Feier, am 17. Februar 1738 bei dem Regierungsjubiläum des Landgrafen Ernſt Ludwig u. ſ. w. In neuerer Zeit iſt daſſelbe nicht mehr vorhanden geweſen. Die neueſte, ſehr bedeutende Hauptreparatur in dem Pädagoggebäude fand 1830 Statt. Seit 1835 wurde auch die Pädagogiarchenwohnung, da dieſelbe von dem Pädagogiarchen nicht mehr bewohnt wurde und die Zahl der Claſſen verdoppelt worden war, zu Schullocalen benutt. Im Jahr 1828 wurde dem Pädagog ein Saal in dem Colleggebäude, das ſogenannte philoſophiſche Auctiorium, für ſeine Schulfeierlichkeiten eingeräumt und dieſelben auch bis zur Niederreißung des Gebäudes darin gehalten. 1 3 Mit welchen Feierlichkeiten die Einweihung des Pädagoggebäudes Statt gefunden, darüber findet ſich keine Nachricht; überhaupt fehlt es an allen ſpeciellen Notizen über das Pädagog aus dieſer erſten Zeit. Die Frequenz deſſelben ſcheint im Anfang groß geweſen zu ſein; denn laut einem alten Rectoratsprotocolle wurden 1608 55 neue
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paedagogici inſcribirt, 1609 50, 1610 37, 1612 35, 1614 19. Von den übrigen Jahren findet ſich keine Nachricht; es iſt jedoch wahrſcheinlich, daß die Zahl mehr ab⸗ als zugenommen habe; wenigſtens beſtand 1625 bei Verlegung der Univerſität nach Marburg das ganze Pädagog aus nicht mehr als 80 Schülern.
Die Univerſität ſtand in dieſer erſten Zeit in einer ſehr glänzenden Blüthe, wie ſie ihr ſpäter mit Ausnahme der Gegenwart wohl nicht wieder zu Theil geworden iſt; ſie ſtritt mit den berühmteſten deutſchen Academieen um den Vorrang; ihr Hauptglanzpunct war die theologiſche Facultät, die ſich beſonders durch ihren brennenden Eifer für die
reine lutheriſche Lehre bei allen Univerſitäten in das größte Anſehen ſetzte. Man bielt die Gießer Theologen überall
für die glücklichſten Verfechter des Lutherthums, ſchätzte ihre Schriften, die ſie in großer Menge herausgaben, ſehr
hoch und zog ſie in den wichtigſten Angelegenheiten zu Rath. Sie ſtritten beſonders gegen die Calviniſten und
Kryptocalviniſten, und wo ſich ein Irrlehrer hervorthat, wurde er durch ihre gründlichen Streitſchriften bekämpft,
von welchen in der Zeit von 1607 bis 1620 ſieben ſtarke Bände erſchienen. In allen Facultäten wurden zahlreiche 2.


