Aufsatz 
Einige Beiträge zur Geschichte des academischen Pädagogs zu Giessen / Eduard Geist
Entstehung
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Paedagogicorum zu Tradition gedachten Paedagogii in specie zu befehligen geruben wöllten, hiernebens E. F. G. unterthänig Dank ſagend, daß, nachdem Sie ein vornehmes und anſehnliches Collegium mit großen Unkoſten zu lectionibus publicis gnädig ausfertigen laſſen, nichts deſto weniger auch jetzo gedachtes Paedagogium zu Unterweiſung der ſtudierenden Knaben, Alles zu Dero bei aller Poſterität unſterblichen Preis und Ruhm gnädig verordnen und verwidmen wöllen, ſo wir auch nebſt unſerem Gebet zu Gott mit unſern unterthänigen Dienſten gebührendem Fleiß unterthänig nach Möglichkeit zu verſchulden, auch damit E. F. G. wohl aufgerichteten Univerſität indeß weit und breit erſchollene Celebrität, ſoviel an uns iſt, verbleiben und erhalten werden möchte, uns bearbeiten wöllen, E. F. G. dem Allmächtigen zu Schutz und Schirm, gedeihlichen, friedfertigen Regiment, fürſtlichen Wohlſtand, auch beharrlicher guter Geſundheit, dann aber uns zu fürſtväterlichen Gnaden unterthänig befehlende. Datum Gießen anno 1617

den 18. September. u=

E. F. G. Senn unterthänig pflichtſchuldig gehorſame 4 Rector, Decanus und Professores.

Jo. Gissenius.

Hierauf erfolgte nachſtehendes Antwortſchreiben an den Rector: 3

Der Durchlauchtig Hochgeborne, unſer gnädiger Fürſt und Herr, Landgraff Ludwig zu Heſſen u. ſ. w. hat mir in Gnaden anbefohlen, daß zu meiner Wiederheimkunft in hochgedacht Ihro F. G. Namen ich das neu gebaute Paedagogium der löblichen Univerſität tradiren und zuſtellen ſollte. Demnach aber meine Heimkunft ſich noch ein Paar Tage verweilen möchte, ſo habe dem Herrn Reclori Solches zu dem Ende notificiren wöllen, damit Sie mit wirklicher Einziehung bis auf ſchierſtkünftigen Donnerstag einhalten, und will alsdann ich ſolche Tradition, gönnets Gott, anbefohlenermaaßen verrichten. Welches dem Herrn Magniſico mit Empfehlung göttlicher Obhut, auch Erbietung meiner bereitwilligen Dienſten ohnverhalten wollen. Dalum Homburg an der Höh den 22. Sep⸗

tember 1617. 1 Des Herrn Rectors

dienſtbefliſſener N. von Otthera, Kanzler.

Aus Vorſtehendem dürfte hervorgehen, daß für das Padagog wirklich ein neues Gebäude in der neuen Gaſſe oder den neuen Bäuen errichtet wurde, daß demnach die auch von Nebel a. a. O. erwähnte Meinung, daß ein bereits vorhandenes, früher den Antonitern gehöriges Gebäude zum Pädagog eingerichtet worden, unrichtig ſei. Dieſe Meinung ſcheint ſich beſonders auf den Umſtand, daß an dem Fenſter neben dem Eingang des Gebäudes ſich ein eiſernes Antoniterkreuz befinde, verbunden mit der Nachricht von dem Vorhandenſein eines Antoniterhofes zu Gießen, zu gründen. Allein das Antoniterkreuz findet ſich auch im Wappen der Univerſität und des Pädagogs, und über den Ort, wo der Antoniterhof geſtanden, fehlt es an aller Nachricht. Ob eines der von der Univerſität in dem oben mitgetheilten Berichte erwähnten Locale in den neuen Bäuen zum Bauplatz auserſehen, ob namentlich der von ihr vorgeſchlagene, früher dem Riedeſel von Bellersheim gehörige Platz, von dem es freilich ungewiß iſt, ob er in den neuen Bäuen lag, dazu beſtimmt wurde, habe ich bis jetzt nicht ausmitteln können. Das iſt jedoch nicht zu bezweifeln, daß das im Jahr 1617 errichtete Gebäude daſſelbe iſt, deſſen ſich die Anſtalt bis zur Mitte des vorigen Jahres bediente, da ſpäter wohl häufig von Erweiterungen und Reparaturen, aber nirgends von einem Neubau die Rede iſt. Wahrſcheinlich wurde der Bau im Sommer 1617 wegen des dringenden Bedürfniſſes ſehr beſchleunigt und war noch nicht ganz vollendet, als das Pädagog im Herbſt dieſes Jahres hinein verlegt wurde, blieb auch wohl während der acht Jahre, in denen ſich das Pädagog zunächſt darin befand, in dieſem Zuſtande. Denn als nach Verlegung der Univerſität und des Paädagogs nach Marburg mit der Stadt Verhandlungen wegen Errichtung der neuen Stadtſchule gepflogen wurden, waren noch bedeutende Koſten erforderlich, um das Haus entweder zu Lehrerwohnungen oder zu Lehrzimmern herzurichten; auch berichten die Commiſſarien ausdrücklich an den Landgrafen, daß das Haus inwendig