Aufsatz 
Einige Beiträge zur Geschichte des academischen Pädagogs zu Giessen / Eduard Geist
Entstehung
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Nach Errichtung der Univerſität ſtand zwar dieſe in keiner ſo ganz genauen Verbindung mehr mit dem Pädagog, als vorher, wo beide ein Gymnaſium zuſammen ausmachten und in einem Local vereinigt waren. Doch blieb das Pädagog auch ferner der Univerſität einverleibt und hatte gemeinſchaftliche Einkünfte mit ihr. Das Lehrlocal des Pädagogs blieb noch geraume Zeit auf dem Rathhauſe, nachdem die Univerſität von demſelben entfernt war. Im Jahr 1615 aber beſchwerte ſich der Stadtrath darüber bei dem Landgrafen,was maaßen ſie in die zehen Jahre lang mit Geduld das Pädagogium und noch auf gemeiner Stadt Rathhaͤus gehabt und gehalten, auch gern und williglich ferner haben und halten wollten. Weil aber, wie kündlichen, ſolches Haus zu gemeiner Stadt Verrichtungen, fünderlichen zu Hochzeiten und andern gar gering, indem nicht allein die Paedagogici und Jugend, ſondern auch die Bürgerſchaft merklichen hierin in Gefahr ſtehen müſſen, denn die Jugend ihre studia in Hochzeiten gern verlaſſen, auch in fürfallenden Sachen der Bürgersmann das Seinige nicht verrichten könne, über das Alles nun zum 4n mal das Rathhaus und ſünderlichen jüngſthin den 25/ Novembris bald merklichen mit großem Schaden und Gefahr bürgerlicher Privilegien und Güter in Brand gerathen: ſo gelange hierdurch an Serenissimum ihre unterthänige und hochfleheliche Bitt, die gnädige Anordnung thun zu laſſen, damit das Paedagogium vom Rathhaus anderswohin beſſerer Gelegenheit nach möge transferirt werden. Hierauf erhielten ſie die Vertröſtung, daß im Frühling auf Mittel ſolle gedacht werden, das Pädagog an einen andern Ort zu bringen. Zu Anfang des folgenden Jahres 1616 wiederholte die Stadt ihre Bitte und fügte zur Unterſtützung derſelben noch folgende Gründe bei, daß ſie entſchloſſen, mit dem Eintritt des Frühlings eine neue ſteinerne Kuche auf dem Rathhaus aufzubauen, um darin zu Hochzeiten, Doctoraten, Magiſtraten und andern fürfallenden Ehrenſachen zu kochen, damit die Ohngeſtalt des Küchenaufbaues auf dem Markt möge abgeſchafft werden. Weil aber dazu die Stiegen im Rathhaus verſetzt und zwei Stuben müßten angewendet werden, ſo bliebe neben den Zimmern, die ſie benöthigt, kein Raum vor das Pädagogium übrig. Dabei ſchlugen ſie der Stadt Weinſchenkhaus im kalten Loch,welches ſie ehedem vor 1600 Gulden erkauft und in billigem, wohl⸗ feilerem Werth dem Fürſten übergeben wollten, zum Paͤdagoggebäude vor. Am 29. März 1616 ergieng ein fürſt⸗ licher Befehl an die Univerſität, das vorgeſchlagene Haus zu beſichtigen. Dieſe berichtete am 27. April, daß ſolches zwar im Uebrigen paſſend, aber ſehr baufällig und nur mit großen Koſten zum Pädagog herzurichten ſei; es wird hinzugefügt, daß man ſich erhaltenem Befehl gemaͤß auch nach andern Plätzen umgeſehen habe, aber Johann Hart⸗ mann's neuen Bau, wie auch Johann Sauer's Platz nicht fern davon, beide in der neuen Gaſſe gelegen, nicht für geeignet halte; darauf heißt es weiter, daßRiedeſells von Bellersheim ſeeligen Plaß und Scheuern, welche E. F. G. Rentmeiſter allhier anitzo im Gebrauch hat, aber Georg Ebert Riedeſell von Bellersheim vor ſein Lehen anſprechen ſoll, und hiebevor, als das Collegium angeordnet, auch im Vorſchlag geweſen, wegen ziemlichen Raums, auch am Waſſer gelegen, darſelbſten an einer alten Mauer vorhandenen Steinen, und daß man dazu von der Kirche, vom Markt und der Neuſtadt her ſeine Zugänge haben kann, zur Aufrichtung eines Pädagogbaues und Pädagogiarchen⸗ wohnung daran nicht undienlich wäre. Nun fehlt es an allen weitern Nachrichten bis zum Herbſt 1617, wo das neue Padagoggebaͤude in der neuen Gaſſe bereits fertig da ſtand, wie ſich aus folgendem Schreiben der Univerſität an den Landgrafen ergiebt: G

Welchergeſtalt bei E. F. G. nächſthin Burgermeiſter und Nath allhier wegen Abſchaffung des Paedagogi vom Rathhaus unterthänig nachgeſucht und gebeten, auch dieſelbige hierauf die Erbauung eines Paedagogi gnädig ver⸗ ordnet*), ſolches werden E. F. G. gnädig zu entſinnen wiſſen. Wenn es denn, gnädiger Herr und Fürſt, an dem, daß nach nächſtgehaltenem examine paedagogico erſtgedachte Burgermeiſter und Rath im Rathhauſe zu bauen ange⸗ fangen, und alſo an gedachtem Ort nach geendigten ferüs und Wiederkunft der Knaben die paedagogica institutio ferners nicht kann continuiret werden, unterdeſſen aber das neue Paedégogium, wenigſtens die Loßamenter, ſo zur institutione gehörig, möchte verfertiget werden: als habens E. F. G. wir hiermit unterthänig melden und Deroſelben gnädigen Belieben und Verordnung anheimſtellen ſollen, ob Sie etwa jemand gegen erſt bemeldte Wiederkunft der

*) Die betreffende Verfügung des Landgrafen findet ſich nicht unter den mir vorliegenden Papieren.