Aufsatz 
Einige Beiträge zur Geschichte des academischen Pädagogs zu Giessen / Eduard Geist
Entstehung
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führen; zu Hochzeiten und Gaſtmählern, wodurch ſie die Lectionen verſäumen, ſollen ſie ohne Vorwiſſen des Pädagogiarchen nicht gehen und in dieſem Falle einer den andern vertreten. Tit. 81. de ofſicio praeceptorum in proponendis et corrigendis latini graecique stili ut et carminum exerciliis. Tit. 82. de examinibus et censura. Tit. 83. de lectionibus paedagogiarchae. Iit. 84 88. de lectionibus primi, secundt, tertii, quarti, quimi prae- ceptoris. Tit. 89. de officio paedagogicorum. Die Lectionen begannen, wie man daraus erſieht, im Winter um 6 ¾, im Sommer um 5% Uhr, wo dann zuerſt die gemeinſchaftlichen preces Statt fanden*). Die den Schülern gegebenen Vorſchriften entſprechen im Weſentlichen den noch gültigen Geſetzen und ſcheinen die Grundlage derſelben zu ſein; Manches in denſelben würde freilich jetzt nicht mehr durchführbar ſein und iſt auch wohl in früherer Zeit nicht ſtreng durchgeführt worden; z. B. die Beſtimmung, daß die Schüler nicht blos in der Schule, ſondern auch zu Hauſe blos lateiniſch reden, und die, welche ſich einer andern Sprache bedienen, ſtreng beſtraft werden ſollen. Auch findet ſich auffallender Weiſe die moraliſch höchſt verwerfliche Beſtimmung, daß die Lehrer heimlich Aufpaſſer beſtellen ſollen, die ſich in die Zuſammenkünfte der Schüler einſchleichen und das dort Wahrgenommene den Lehrern hinter⸗ bringen. Dieſe Aufpaſſer werden Corycaei*) genannt. Es findet ſich jedoch, zur Ehre unſter Anſtalt ſei es geſagt, nirgends eine Spur, daß dieſe Beſtimmung befolgt worden wäre. Tit. 90. Syllabus lectionum. Es erſcheinen hier nach der Marburger Einrichtung vier Claſſen; in Gießen waren deren nur drei*). Am Sonntag Mittag verſammeln ſich die Schüler im Schullocal, wo ſie über die Morgenpredigt gefragt und dann in den Nachmittagsgottesdienſt geführt werden. Die Lehrſtunden ſind im Winter Morgens von 6 ¾ bis 10 Uhr, im Sommer von 5%¾ bis 9 Uhr, Nachmittags von 12 bis 3, Mittwochs nur von 12 bis 1 Uhr. Die Hauptlehrgegenſtände ſind Logik, lateiniſche Etymologie und Syntar, griechiſche Grammatik, lateiniſche und griechiſche Exercitia, lateiniſche Gedichte, Muſik, Rhetorik, Redeübungen, Arithmetik(nur eine Stunde in der erſten Claſſe); in allen Claſſen ſind eingeführt Colloquid Helvici; von Schriftſtellern werden nur geleſen Virgil, Cicero's Reden und das griechiſche neue Teſtament. Von Pedellen des Pädagogs iſt in dieſen Statuten nirgends die Rede; dagegen wird in den der oben erwähnten Stiftungsurkunde von 1605 beigefügten Statuten in dem Abſchnitt de officio pedellorum auch der pedelli classici gedacht und beſtimmt, daß ſie das Feuer in den Lehrzimmern unterhalten und andere in denſelben nothwendige Geſchäfte beſorgen ſollen. Dieſe pedelli classici ſcheinen jedoch früher niemals beſonders angeſtellte Diener, ſondern unmer ärmere Schüler geweſen zu ſein, welche für ibre Dienſtleiſtungen freie Wohnung im Schulgebände erhielten. Zum Pädagogiarchen wurde jedesmal ein Profeſſor der philoſophiſchen Facultät auf Lebenszeit von dem Fürſten ernannt, doch konnte derſelbe, wenn er, wie öfters geſchah, aus der philoſophiſchen in die theologiſche Facultät über⸗ gieng, jenes Amt beibehalten. Ob dieß auf einer bloſen Obſervanz oder auf einer geſetzlichen Beſtimmung beruhte, iſt mir unbekannt; in den Statuten wenigſtens finde ich hierüber nichts. Den praeceptores classici ſcheint geſtattet geweſen zu ſein, neben ihrem Lehramt auch noch andere Aemter zu bekleiden; denn mehrere derſelben waren auch Profeſſoren oder Stipendiaten⸗Majoren bei der Univerſität, Stadt⸗ oder Burgpfarrer, und einer von ihnen, M. Heinrich Medieus, der 1620 vom Pädagog abgieng und Stadtſchreiber zu Gießen wurde, ſcheint dieſes Amt auch ſchon früher neben ſeiner Lehrſtelle am Pädagog verſehen zu haben, da er, wie mir Herr Geheimer Rath Nebel mittheilt, bereits in einem Kaufbriefe von 1615 als Stadtſchreiber vorkommt. Die erſten Lehrer an dem neu errichteten Gymmasium academicum waren in der theologiſchen Facultät: Dr. Win⸗ ckelmann, zugleich Rector magnificus und Dr. Mentzer¹); in der philoſophiſchen Facultät: der auch von Marburg gekommene. Dieterich, Profeſſor der praktiſchen Philoſophie und erſter Pädagogiarch, M. Finck, Profeſſor der

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9 Daher iſt wohl das noch übliche, aus andern Gründen beibehaltene Läuten eine Viertelſtunde vor dem Anfang der eigentlichen Lectionen entſtanden. *) Ueber die Entſtehung dieſes Namens geben die griechiſchen Wörterbücher unter dem Worte Keswas und Kufowaros Auskunft. 2) Eine vierte wurde erſt im Jahr 1803 errichtet. *) Der ebenfalls von Marburg gekommene Dr. Leuchter wurde Hofprediger zu Darmſtadt.