Aufsatz 
Einige Beiträge zur Geschichte des academischen Pädagogs zu Giessen / Eduard Geist
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

posteaquam illustrissimus ac celsissimus princeps Ludovicus V. cet. dominus noster clementissimus pia erga ecclesiam sollicitudine, sincerae religionis propagandae studio et singulari erga litteras propensione in urbe et propugnaculo suo Gissensi illustre Gymnasium instituisset, praeter lectiones publicas Paedagogeum etiam trilingue, in quo tenuiores ad audiendas publicas scholas praepararentur, aperiri voluit.

Das Local, in welchem die Vorleſungen gehalten wurden, war Anfangs das Rathhaus, und zwar war der größere Saal für die Vorleſungen des Gymnasü academici beſtimmt, der kleinere für das Pädagog; auch die Disputationen wurden auf dem Rathhaus gehalten, wie bei einigen ausdrücklich angezeigt wird, in majori auditorio curiae.

Die zur Stiftung und Unterhaltung des neuen Gymnaſiums beſtimmten Fonds beſtanden aus einer anſehnlichen von den Landſtänden verwilligten Summe, aus freiwilligen von einzelnen Städten dargebrachten Geſchenken, ferner aus den Einkünften der früher der Univerſität Marburg gehörigen, jetzt heſſen⸗darmſtädtiſchen Vogteien Gießen, Alsfeld und Grünberg, endlich aus einigen aus darmſtädtiſchem Antheil geſtifteten Stipendien, welche ebenfalls von Marburg auf Gießen übertragen wurden; hierzu kam 1615 ein Capital von mehr als 70000 Gulden, welches Georg I. dem Grafen zu Leiningen⸗Weſterburg geliehen hatte und Ludwig der jüngere in dem genannten Jahre der Univerſität ſchenkte.

Beſondere Statuten wurden zu Anfang für die neue Anſtalt nicht entworfen, ſondern die der Univerſität Marburg in der Stiftungsurkunde auch als gültig für das Gießer Gymnaſium erklärt. Dieſe Statuten wurden im Jahr 1629, als Univerſität und Pädagog wieder blos in Marburg waren, für beide Anſtalten erneuert und blieben auch ſpaͤter, als dieſelben wieder nach Gießen zurückverlegt worden waren, in Gültigkeit. Dieſelben handeln in 14 Titulis, nämlich vom 77. bis zum 90., umſtändlich de Paedagogio; die letzte Redaction derſelben iſt zwar, wie eben bemerkt, vom Jahr 1629, allein es läßt ſich ziemlich gewiß annehmen, daß die Beſtimmungen derſelben ſchon gleich bei Errichtung des Pädagogs im Weſentlichen beobachtet wurden. Tit. 77 lautet ſo: Quum ad Academiam bene constituendam apprime opus sit, ut inferiorum etiam et trivialium scholarum, praecipue autem paedagogiorum, in quibus a studiosa juventute optimarum artium fundamenta jaciuntur, accurata habeatur ratio, ne istis neglectis cum ipsa Academia male agatur, leges paedagogii nostri Marpurgensis huic corpori statutorum academicorum omnino adjiciendas duximus. In schola autem recte constituenda duo potissimum sunt attendenda, quibus niti ejusdem fundamenta debent: doctrina primum, quae animum informat, deinde disciplina, quae mores regit: ea quoque inter se ita sunt conjuncta, ut alterum sine altero esse nec possit nec debeat. Ad utrumque igitur quod attinet, et quid in utroque qumum a praeceptoribus, tum a discipulis hujus etiam paedagogii Marpurgensis fieri debeat, quodque cujusque futurum sit offcium, summatim et breviter proponetur. Tit. 78. de oflciis paedagogiarchae et Praeceptoribus communibus. Hier heißt es unter Anderm: paedagogiarcha et praeceptores nisi alacres, cum suavitate quadam graves ac viri boni ac docti fuerint et ita suo munere fungantur, quasi non hominibus sed Deo serviant, actum erit de discipulis aut certe non optime cum illis agetur: fiet enim, ut toto triennio non Dlus discant, quam alioquin uno anno discere potuissent. Auch die weiter daſelbſt ausgeſprochnen Grundſiätze ſind ſowohl hinſichtlich der Form als des Inhalts vortrefflich; und ich bedauere daher, daß der Raum eine vollſtändige Mittheilung derſelben hier nicht geſtattet. Tit. 79. de ofliciis paedagogiarchae. Er beginnt: paedagogiarcha sua industria et diligentia collegis suis praclucebit et, quando opus erit, ofſici sui eos admonebit. Der Padagogiarch ſoll bisweilen den Lectionen der übrigen Lehrer beiwohnen, die Hausordnung im Schulgebäude beaufſichtigen, wo ihm Veränderungen nöthig ſcheinen, mit dem Rector, Kanzler und Decan der philoſophiſchen Facultät darüber berathen; bei Vacanzen im Lehrerperſonal hat er innerhalb 14 Tagen dem Landgrafen Vorſchläge wegen der Wiederbeſetzung zu machen; bei der Inſeription neuer Schüler empfängt er einen Viertelreichsthaler für ſich und ebenſoviel für den Rector; jeden Monat ſoll er ein tentamen der Schüler anſtellen. Ti. 80. de praeceptorum classicorum officio in specie. Es ſollen deren fünf an der Zahl und dieſelben auf einer Academie promovirte Magiſter ſein. Zur Uebung im Lateinſprechen ſollen ſie jährlich einmal eine von ihnen vorher erklärte lateiniſche Comödie die Schüler aufführen laſſen; zur Beſtreitung der Koſten ſoll der Univerſitätsöconomus jedesmal 10 Gulden bezahlen; ſie ſollen die Knaben auf anſtändige Weiſe in die Kirche

. 1*