Aufsatz 
Über Schulgeist und einiges damit Verwandte / Johann Valentin Klein
Entstehung
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Schon iſt oben angedeutet: der Zeitgeiſt will, fortſchreitend, das Nene; aber nicht Er ſchafft es, ſondern das Neue hilft, ihm ſich abrin⸗ gend, ihn neu gründen. Darum kann, wer auch nur Neues nicht immer das Beſſere und Beſte! bringt, ſeine Aufopferung als ein poſi⸗ tives Fortbewegen, von welchem die Kriegskunde ſagt, daß es ſchon ein Schritt zum Siege ſey, freudig fühlen. Aber die Fabii Cunctatores, die auf der klug gewählten Höhe einem verderblich vorüberrauſchenden Zeit⸗ ſtrome mit ihrer Jugendſchaar ſich entſtegenſtemmen ſollen und wollen, ha⸗ ben ſchwereres Lebensſpiel; ſie wirken negativ, durch Bewahren, und müſ⸗ ſen zuletzt doch in die Streitebne, wenn ſie, nicht Neues, ſondern nur neu gründen wollen. Es hat alſo, wer berufen iſt über dem Schulgeiſte un⸗ mittelbar zu walten, beyde Seiten menſchlicher Kraft und Thätigkeit, das Lenken und Hemmen, ganz vorzüglich nöthig, und wenige haben, wie er, die Berufs⸗Aufgabe, raſtlos und rück, und vor⸗wärts zu den erſchie⸗ nenen und urbildlichen Dingen den Blick zu wenden, um deren in der gegen⸗ wärtigen Jugend neu aufdämmernde Geſetze und Erſcheinungen zu leiten, zu erhalten, zu pflegen. Die Räthſel des Daſeyns, durch jede nächſte Auflöſung, wie das abgelöſte Haupt der Hydra, verhundertfältigt, ſoll er durch fromme Nährung des Gefühles und des Bewußtſeyns zu lichten und zu heiligen ſuchen. Darum iſt ſein Beruf ſchwer, hauptſächlich in einem Zeitalter und Lande, wo überall Neues und Altes in Schriften und Leben in den ungewöhnlichſten Gegenſatz treten, und wo, bey rührigem Beſtre⸗ ben, jede in der Jugendbildung entſtehende Einſeitigkeit durch mancherley Neben⸗ und Gegen⸗Anſtalten auszugleichen, bald der Umfang, bald die Tiefe der Bildung Gefahr laufen: dieſe, durch zu breite Ausdehnung in Realien und Fertigkeiten, die da beytragen, zerſplitterte, oberflächliche Staats⸗ und Welt⸗Bürger vorzubilden; jene, durch faſt alleinige Nährung formaler Bildungsgrundſätze, die da beytragen, Uebungen für unabweis⸗ liche Bedürfniſſe des geſelligen Lebens zurückzudämmen. 8ſ