Aufsatz 
Über Schulgeist und einiges damit Verwandte / Johann Valentin Klein
Entstehung
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Iſt es nun wahr, daß die eine Hauptwurzel der Pädagogik, die Ethik, noch immer aller wiſſenſchaftlichen Stütze und Form entbehrt;*) iſt es wahr, daß auch der denkendſte und geſchickteſte Ju⸗ gendlenker ſich geſtehen muß, er habe, bey anhaltendem und glücklichem Beſtreben, Bewußtſeyn und Einheit in alle Theile ſeines Lehr⸗ und Er⸗ ziehungs⸗Planes zu bringen, nicht ſelten mehr einer unbewußten Ueberliefe⸗ rung und Gewohnheit folgen müſſen, als ſyſtematiſcher Einſicht; iſt es ferner wahr, was Göthe ſagt:**)Der aus der Kindheit aufblickende Menſch findet die Natur nicht etwa rein und nackt um ſich her; denn die göttliche Kraft ſeiner Vorfahren hat eine zweyte Welt in die Welt er⸗ ſchaffen. Aufgenöthigte Angewöhnungen, herkömmliche Gebräuche, be⸗ liebte Sitten, ehrwürdige Ueberlieferungen, ſchätzbare Denkmale, er⸗ ſprießliche Geſetze, und ſo mannigfache herrliche Kunſterzengniſſe umzin⸗ geln den Menſchen dergeſtalt, daß er nie zu unterſcheiden weiß, was ur⸗ ſprünglich und was abgeleitet iſt. Er bedient ſich der Welt, wie er ſie findet und hat dazu ein vollkommnes Recht; iſt dieß alles dergeſtalt wahr, daß jeder Zweifel an nothwendiger und mächtiger Einwirkung der Gewohnheit und Ueberlieferung im Felde der Erziehung ſchwindet, ſo iſt gewiß zu wünſchen, daß beyde die möglichſt allſeitigen und reinſten für alle künftige Fortpflanzong und weitere Entwicklung werden und bleiben mögen. Das Beſtreben darnach hat hier und da in mancherley Zweigen der Wiſſen⸗ ſchaft und Kunſt Pflanz und Muſter⸗Schulen erzeugt, und ſie mögen, von dieſer Seite betrachtet, alle auf ihrem eigenthümlichen Werthe und

Nutzen beruhen. Doch wird wohl niemand leugnen, daß der bleibenden For:

*) Moͤge Fr. Schleiermacher das poſitiv geben, was er negativ um⸗ graͤnzte!

**½) Kunſt und Alterth. in Rhein⸗ und Main⸗ Gegenden, rtes Heft S. 178.

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