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Geſtalt und Gehalt, innig an einandergekettet und einander entſpre⸗ chend, behaupten oft abwechſelnd ein eigenthümliches, vorherrſchendes Scheinleben, ſo daß Leerheit in die Form, oder gemeinſame Formloſigkeit zum Weſen zu dringen ſcheint. Immer wird die wirkliche Menſchheit zwi⸗ ſchen beyden ſchwanken; doch am wenigſten die ſelinen Geiſter, die überall, wo das Rechte und Heilige entweiht, oder das Schlechte und Unheilige ver⸗ göttert ſteht, als ſtarke Vermittler, ſogar mit Opferung des Daſeyns auf: treten. Sie bringen und verbreiten einen neuen Geiſt, und das Mittel zu dieſer Verbreitung iſt vorzugsweiſe der von ihnen zunächſt erzielte Schul⸗ Geiſt; denn immer ſind es Zöglinge, Schüler, in welchen das höhere Licht
ſich vielſeitig bricht und rückſtrahlt..
Daß in ſolchem Zuſammenhange vom Schulgeiſte in höchſter und edel! ſter Bedeutung des Wortes die Rede ſey, ergiebt ſich von ſelbſt. Warum aber da, wo er überhaupt erwähnt wird, ſolches ſeltner in dieſer Bezie⸗ hung und Bedeutung geſchehe, warum vielmehr faſt jedeszeit dem Worte etwas Gemißbilligtes anhafte? darf man fregen.— Meiſt ſpricht der Zeit⸗ geiſt, in ſeiner beſtehenden Art und Weiſe durch Schulgeiſt gefähr⸗ det, den Tadel aus über ein einſeitig auch von ihm ausgegangenes, ein⸗
ſeitig ſich gegen ihn überſtellendes, in ſich ſelbſt beynahe abgeſchloſſenes
Geiſtesbild; und er hat ein Recht zum Tadel, in wie weit er jenes ſchief
einſeitig, oder für das Gedeihen der Menſchheit widrig abgeſchloſſen in ſeinem Beſtehen, oder in ſeinen Folgen entdeckt. Jeder Schöpfer eines
neuen Schulgeiſtes nehmlich muß, im Zeitgeiſte begriffen, ihm irgend worin huldigen, und ſo durch ſich ſelbſt bekräftigen das Meiſterrecht des Geſammt⸗ herrſchers gegen den Jünger und theilweiſe Zögling, den Schulgeiſt; ein Recht das ſich letzterer nur erwirbt, wenn er, ſelbſtthätig fortgeſchritten auf der geflügelten Bahn zu den Sinnen und Gemüthern der Menſchen, ſich. zum vorherrſchenden Gliede eines neuen Zeitgeiſtes erhoben hat. Und ſelbſt
dann


