Aufsatz 
Bemerkungen über einen wichtigen Gegenstand des Unterrichts in Gymnasien / Friedrich Gottlieb Welcker
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Endlich wollen wir noch bemerken, daß das Muſter des antiken Schul⸗ unterrichts die Vorliebe zu dem Poetiſchen fuͤr den Gebrauch der Jugend⸗ bildung rechtfertigt. Nehmen wir zuerſt die unſern Sitten verwandtere Art des ſpaͤtern und gelehrten Roms. Die kectuͤre in der Schule fing da mit Homer und Virgil an*); aus ihnen ſollte das Moraliſche und Beredte gelernt, unterdeſſen durch die Erhabenheit des heroiſchen Gedichts der Geiſt erhoben und belebt und durch große Muſter gutartig gewoͤhnt werden. Auch die Tragoͤdien und lyriſchen Gedichte, beſonders ausgewaͤhlte poetiſche Erzäh⸗ lungen, nicht ganze Werke, ſollten naͤhren in den erſten Stufen; ein Proſat⸗ ker wird nicht erwaͤhnt. So auch B. II, 14:den Grammatikern haben wir poetiſche Erzaͤhlungen zugetheilt; bei dem Rhetor ſey der Anfang der Ge⸗ ſchichte. So im Anfang des z. Buchs:Von den Grammatikern wied der Vortrag der Dichter gefodert. Dem Uuterſchied von Grammatiker und Rhe⸗ tor entſpricht einigermaßen unſre Abtheilung in Schul⸗ und akademiſchen Unterricht.Der Redner ſelbſt aber(II, 8.) d. i. der Gelehrte, ſoll alle Arten der Rede lernen. Der Eine zwar hat mehr Anlage zum Gedicht, der andre mehr Neigung zur Geſchichte, der dritte zum Recht, und ſie ſollen ſie verfolgen; aber auch die bei ihnen untergeordneten Antagen ſollen, alſo auch die poetiſchen, durch Kunſt verſtaͤrkt und erſezt, manche Schuͤler freilich auch aufs Land geſchickt werden. Unter dem Grammatiker(II, 1.) beſchaͤftig⸗ ten ſie ſich am meiſten mit der Literatur, unter dem Rhetor herrſchten die praktiſchen,(aber nun blos rhetoriſchen) Uebungen ſo vor, daß darin die Hauptverſchiedenheit von unſern Inſtituten beſteht.*4)Herr Göß in der Schrift:

-) Qrinct. 1..* **) Von demſelben großen Meiſter des Unterrichts zeichnen wir, weil ſie fuͤr unſre Meii. nungen ſehr wichtig ſind, noch folgende Bemerkungen aus:(1, 14) Stylus lectione

requieſcit, et ipſina leetionis tacdinm viribus levatur.(X, 1), Nam neque folida 4 atque robuſta fuerit nnquam eloquentia, nif multo ſtylo vires acceperit et citra

jectionis exemplum labor ille, carens auctore, flait.(I, 12) Nam et dociliora funt ingenia prinsquam obduruernnt. Alagis fcias, f Tuem jam rohnftam zali- 1 tuere lteris coeperis, nom ſine caufa diciaeH e05, qui in fua quidque arte

pume faciant.(II, 4) IIla mihi in pueris natara minimum fpel dederit, in dua

mgenium judicio Praclumitxr. Materiam efe Primum volo vel abundantiorem alge