wird ſich felbſt kennen lernen, wenn ſie auf die einzig moͤgliche Weiſe zu et⸗ nigem Gefuͤhl des Beſten geleitet wird, und gegen Reimereien und matte ſo⸗ genannte Gedichte wird wahrlich die Kritik und der Ekel ſelbſt der Gering⸗ ſten erwachen. Voͤllige Unerfahrenheit iſt allein Schuld daran, wenn jemand den Nachbar mit poetiſchen Nichtigkeiten plagt. Dieſer Kizel der Neuheit verliert ſich durch die Jugenduͤbungen. Wer gute Galerieen kennt, wird we⸗ nigſtens ſein eigen Bildchen nicht fuͤr ein Kunſtwerk halten und zur Aus⸗ ſtellung draͤngen, ſondern ſeinen Dilettantismus nur fortſezen, weil er von der Kunſt, nicht weil er von ſeiner Eitelkeit nicht laſſen kann. Der poeti⸗
ſche Schwindel wagt ſich nicht dahin, wo man nach gruͤndlicher Kenntnis der
Werke ſtrebt und innige Liebe zu den wenigen Meiſterſtuͤcken hegt. Auch iſt ja die Jugend ſo leicht lenkbar, und wenn Einzelne vielleicht verſchiedne aͤſthe⸗ tiſche Zeitalter in kurzen Zettraͤumen durchlaufen ſollten, ſo geht das unmerk⸗
lich und oft heilſam voruͤber; denn jedes bildet eine Seite aus. Das iſt
eben ſo unſchaͤzbar, daß ſie noch an keinen Geſchmack eigenſinnig verwoͤhnt, daß ſie ſo empfaͤnglich und regſam ſind, und in einer vernommenen Tonart ſo leicht anſchlagen. Die ganze Gattung des Jugendlichen*) kann man ja wohl ihre Weile dauern laſſen, wenn man ſie auch zuweilen unangenehm em⸗ pfinden ſollte. An ſich aber würde die Verbreitung eines anſpruchloſen poe⸗
Nur die Affectation, die üble und einfoͤrmige Manier, die Gemeinheit ſind unausſtehlich. In Sudlaͤndern machen faſt alle gebildete Perſonen Gedichte und ſchmuͤcken damit ihren geſellſchaftlichen Kreis. Deutſche Kunſtkennenis und Schulfleiß duͤrften den Poeſieen des gröͤßeren Kreiſes bald mehr Bedeu⸗
Gartenblume dort wild waͤchſt, faſt von ſelbſt entſtehen.
Wir koͤnnen hier nicht verfolgen, welchen Einfluß reines aͤſthetiſches Ge
fuͤhl auf die Bildung verſchiedener Claſſen von Gelehrten beſonders haben knne, noch, wie noͤthig die fleiſſige Uebung der Selbſtthäͤtigkelt und Compoſitton auch darum auf Schulen ſey, weil die Zoͤglinge der Untverſikäten im Alge⸗ meinen leider faſt nur das Fremde zu ſchreiben angewieſen werden. es
*)„ e⸗nes kongin 9.15
tiſchen Talents die Geſellſchaft nicht anders, als verſchoͤnen und erheltern.
tung geben, als die Jtaliaͤniſchen z. B. haben, die, wie manche nordiſche


