damit ſie bie Schoͤnhelt der Koͤrper und die Meiſterſtuͤcke daburch berſtehen
lernten, nicht etwa um ſich vor Betrug in Ankaͤufen zu verwahren. Thun
wir mehr, oder iſt es minder nuͤhlich, wenn wir ſie ſich in Gattungen der Poeſie verſuchen laſſen? Athener brauchten dieß nicht, weil das ganze Volk, das in den glaͤnzendſten Verſammlungen der Erde wahren Dichtern lauſchte und huldigte, eine Schule der Dichterkenntnis und Dichterliebe fuͤr ſie, und
die Alleinherrſchaft des Proſaiſchen von ihnen weit entfernt war.
Es iſt kaum zu berechnen, wie viel das Verſtaͤndnis der Dichter durch die Vertraulichkeit mit den Formen, und wieviel das Gefuͤhl fuͤr unfre Sprache durch die Uebung der Verſe gewinnt. Nur in der Mutterſprache wird uns die Wirkung des Rhythmus ganz anſchaulich, weil wir das Unrhptmiſche leicht daneben halten koͤnnen, und muſikaliſcher Wohlklang und jede Zierde der Sprache faͤllt uns in ihr zuerſt und beſtimmt und leicht auf. Wir muͤſ⸗ ſen aber das Ohr kuͤnſtlich für die aͤuſſern Schoͤnheiten der Sprache bilden, da die Ratur und Geſellſchaft uns nicht ſo große Feinheit des Sinnes dafuͤr gegeben, wie wir z. B. bei den Alten vorausſezen muſſen(nach manchen auf⸗ fallenden Anekdoten und nach ihren theoretiſchen Behandlungen der Rede⸗ känſte,) und da unſre Sprache durch viel unebnes und rauhes uns gegen ihre felnere Anlage und Ausbildung verhaͤrten koͤnnte.
So wenig die Freude am Schoͤnen die kuſt zur Arbeit aufhebt, ſo we⸗ nig der Sinn fuͤr das Ideale und Wunderbare dle deutliche Erkenntnis der Wieklichkeit zu hemmen vermag, die fruͤhe genug mit der magiſchen Taͤu⸗ ſchung des jugendlichen Alters und der poetiſchen Anſichten in die Schrau⸗ ken trit, und ſo wenig die Kunſt, alles lebendig, in Zuſammenhang, Hand⸗ kung und Geſtalt zu erblicken und mit regem Geiſt elgenthuͤmlich zu betrach⸗ ten, die Schaͤrfe des zerlegenden und in todten Beſtandthellen durchforſchen⸗
en Verſtandes ausſchließt, eben ſo wenig moͤchte aus der angedeuteten bei⸗ kung der Jugend eine widerliche Poeterei erwachſen. Die Mittelmaͤßigkeit — 3 1. wird
1 4. 15 Mhige⸗ ſrende Productionen gleicher Art ganz zu verſtehen und darin mehr, als ge⸗ — niſſe untergeordnere Tugenden aufzufaſſen.—„Wie köͤnnte, ſagt derſelbe, einer uber
niber urtheilen, der nie eine poetiſche Stimmung in ſich empfunden, nie den klein⸗ en Yerſuch in der Dichtkunſt gemacht haͤtte 1 I1.u c


