Um den angegebenen Zweck leichter und vollftaͤndiger zu erreichen, muͤß⸗ ten die auf der Schule zu leſenden Schriftſteller mit der groͤßten Sorgfalt gewaͤhlt werden. Manche ſpaͤtere und ſolche, die nur Maͤnnern und Ge⸗ lehrten ganz intereſſant ſeyn koͤnnen, muͤßten ausgeſtoßen und beſonders von Anfang mehr Dichter geleſen werden. Dieſe ſind nur dann ſchwerer zu ver⸗ ſtehen, wenn man fodert, daß ſie nicht nach ihrem reinen Effect und ihrer Lieblichkeit im Ganzen, ſondern nach den grammatiſchen Figuren und einzel⸗ nen Sprachabweichungen anatomiſch verſtanden und Mythologie und epiſcher Inhalt nicht aus ihnen gelernt, ſondern in ihnen dafuͤr Beleg und Ver⸗ gleichsſtellen geſucht werden ſollen. Die hiſtoriſchen, zum Theil ſehr trock⸗ nen Buͤcher hielt man gewoͤhnlich fuͤr den Anfang gut wegen ihrer durchgaͤn⸗ gigen Begrelflichkeit und dachte nicht, daß ſie bei vielen auf immer den Ge⸗ ſchmack am Alterthum verderben koͤnnten. Selbſt Charakterzuͤge, beſonders aus dem Leben der Weiſen, und hiſtoriſche Großthaten, die in der Kindheit unterhalten, obgleich noch nicht ihre ganze Bedeutung und ſtille Wuͤrde ge⸗ faßt werden kann, wuͤrden oft zweckmaͤßiger aufgeſpart, weil ſich an den ſchwaͤcheren erſten Begrif das Gedaͤchtnis leicht ſo gewohnt, daß uns uͤber⸗ raſchend große Eindruͤcke, die wir ſpaͤterhin erhalten koͤnnten, verkuͤmmert werden nnd uns nachher wahre Originalttaͤten leicht wie Gewoͤhnlichkeiten vorkommen. Die Phantaſie iſt immer neu und beweglich, erweitert und aäͤn⸗ dert ihr Bild von ſelbſt, aber der Begrif faßt Kleinurtheile ſo gut als Vor⸗ urtheile auf. Die Poeten liegen den Knaben naͤher und von den Proſalkern wieder die alleraͤlteſten, worin die Poeſie noch ein Beſtandtheil iſt. buther ſagt:„Unter der liedlichen Geſtalt der Fabeln, gleichwie in elner Mumme⸗ rei oder Spiel, lernt die Jugend deſto lieber und behaͤlt deſto feſter feine kehre und Warnung.“*) Fabeln, mythologiſche leichte Stellen und ſo hald und viel als moͤglich Homer und alle, welche am reinſten und ſchoͤnſten Grie⸗ dhiſche Mythologie und Heldenzeit darſtellen, dieſen reinen Addruck einfacher Koßer Menſchheit und dieſe Quelle der Poeſte, werden nur wenige unange⸗
—. jogen
1*) Werke, Jena, Th. 5. G. 269. Die Behauptung, daß das Mythiſche im Knabenalter chen ſolle, iſt von Arndt, Fragmente üͤber Menſchenbildung(ſ. befonders 1 15. 249. 11, ,59.„79.), und andern 2usgeſuhrt worden.


