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ziehen ſchienen, und wie viele Stellen koͤnnten die meiſten neuern Staaten entbehren, wenn die Faͤhigkeiten im Ganzen erhoͤht wuͤrden! Was aber die große Zahl derer betrifft, die der Kunſt und Wiſſenſchaft ihr ganzes Leben zu widmen nicht berufen ſind, ſo werden dieſe eben ſo wenig durch die Suͤ⸗ ßigkeiten der Poeſie, als durch andre Vergnuͤgen, zu ihren Geſchaͤften ver⸗ ſtimmt, noch darin gehemmt, ſondera vielmehr ermuntert und geſtaͤrkt wer⸗ den. In Anſehung der Zeit uͤbrigens, die ſie rauben, ſind die kleinen poeti⸗ ſchen Freuden, die manches in Nebenſtunden Geleſene gewaͤhren mag, nicht in Anſchlag zu bringen. Der geweckte Sinn des Schönen wird allerdings auch unſchaͤzbare einzelne Genuͤſſe gewaͤhren. Aber weit wichtiger noch iſt der in das ganze keben einfließende Geiſt der Poeſie. Richtig und tief fuͤh⸗ len, klar anſchauen, den Ereigniſſen, die uns angehen, Geſtalt abſehen und Geſtalt geben, das Gemeine verachten, fuͤr das Treffliche gluͤhen, das Große, Schöoͤne, Heitre, Nalve, das Tiefluſtige und Scherzhafte, wodurch die ver⸗ ſtockten Schleuſſen unſers Weſens wieder geoͤffnet werden, empfinden, die wahre Freiheit gewinnen, die den Staaten ſo erſprieslich, als ſtlaviſcher Sinn und ſein mechaniſches Thun verderblich iſt, die die Verſaſſung ehrt und erhaͤlt und die Pflicht zur Luſt macht. Eifer und Selbſtthätigkeit ſtaͤhlen, au Muſter des Edelſinns, der Selbſtbeherrſchung, der Vaterlandsliebe, des muthvollen Duldens, der Geiſtesleichtigkeit ſein Herz anſchließen, Heiterkelt und Laune einathmen, durch den ruhig großen Stil der beſten Kunſtwerke Groͤße und Ruhe lieb gewinnen, gegen die Stoͤrungen und Verdrieslichkelten des Lebens eine ſchuzende Aegide erwerben, dieß ſiad Fruͤchte derſelben. Die Poeſie giebt einen hoͤhern Begrif, als das gewoͤhnliche Geſchaͤft, ohne uns demſelben zu entziehen, ſo wie uns die Religion dem irdiſchen keben dadurch nicht entreißßt, daß ſie unſerm Blick ein Ueberirdiſches aufſchließt und uns in die Myſterien des Unendlichen aufnimmt. Selbſt die niederen Geiſteskraͤfte werden, indem das geoͤffnete Verſtaͤndnis des Hoͤheren und die Freude daran maͤchtig fortziehen, mehr als bei mechaniſchem, unluſtigem kernen ge⸗ üͤbt und geſtärkt werden. Die Talente ſezen wir nicht großer voraus, a ſie ſich gewöhnlich darbieten. Elne gewiſſe poetiſche Anlage haben faſt alle Menſchen, denns das keben und Verderben dieſe Bluͤthe nicht abgeſtrelft hat ·
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