Aufsatz 
Bemerkungen über einen wichtigen Gegenstand des Unterrichts in Gymnasien / Friedrich Gottlieb Welcker
Entstehung
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ber geſchaͤrft worden iſt, zuruͤckbleiben, ſo muͤſſen wir an deren ⸗Stelle die Deutſchen aufnehmen, die fuͤr das Allgemeine der Bildung weit erſpriesli⸗ cher ſind, als jene, wodurch faſt nur das ſpecielle Verſtehen Roͤmiſcher Dich⸗ ter befoͤrdert wurde.*)

Es herrſcht hier und da das Vorurtbeil, die Geſchmacksbildung ſey we⸗

. nigſtens eine Art von Luxus im Staate, ſie thue Einzelnen manchmal wohl

und ſchade im Ganzen den Geſchaͤften. Wenn eine Sache ohne Umſicht und voͤllige Klarheit betrieben wird, ſo kann ſte freilich, je wichtiger ſie iſt, um ſo mehr Laͤcherllchkeit und Nachtheil erzeugen. Geſezt es wuͤrde auf unver⸗

ſtäͤndige Weiſe Tapferkeit und Seelengroͤße, an die wir bei der Erziehung

meiſt vor Kleinigkeiten nicht denken koͤnnen, die aber zum Gluͤck ſich daran nicht kehren und von ſich ſelbſt noch aufbluͤhen, gepredigt und ohne alle Form und Verhaͤltnis in der Jugend nicht wirklich, ſondern nur ein Wahn und

Duͤnkel davon erweckt, ſo moͤchten manche die Vernunft des Zwecks bald mit

den Folgen einer uͤblen Bewerkſtelligung widerlegen wollen. So mit der Poe⸗ ſte auch. Wir wollen zugeben, daß einzelne hervorragende Kopfe, wenn die Talente fruͤh hervorgelockt wuͤrden und die ſchoͤne frele Jugendzeit hindurch wucherten, den Brodſtudien und dem Geſchaͤftsleben ganz wuͤrden entzogen werden. Wer dieß als Nachtheil betrachtet, mit dem werden wir uns frei⸗ lich niemals verſtaͤndigen, ſo wenig als mit denen, welche die Bequemlich⸗ keit eines ordinaͤren Forrkommens dem oft auſſerlich gedraͤngten Studium und wiſſenſchaftlichen oder Kunſt⸗keben vorzlehen. Die edlen Geiſter, de⸗

nen Deurſchland ſeinen literaͤriſchen Ruhm verdankt, ſind großentheils in ih⸗

ter Jugend, mancherlei Abrathungen zu Troz, durch den Nebel einer unbe⸗

ſtimmten aͤuſſeren Lage hindurch gedrungen, den gewoͤhnlich die Sonne eines

glücklichen Gelingens, wenn auch erſt gegen den Mittag des Lebens zer⸗

ſtreut, Solche Maͤnner erſezen ſelbſt der buͤrgerlichen Welt durch den Geiſt, den ſie verbreiten, vielfach wleder, was ſie ihr durch ihr Studium zu ent⸗

ziehen

1*) Leſſing war auf der Fuͤrſtenſchule zu Meiſſen, wo die Lateiniſche Poeſie zu den ofn.

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ciis perfectia, die Deutſche zu den imperfectis gehoͤrte; er aber trieb mehr die Deut. lche und beſang in Deutſchen Verſen die Keſſelsdorſer Schlacht.(Leſſings Leben von ſeinem Bruder.) Klopſtock fing den Meſſias auf der Schulpforte an zu dichten,