1
—
und freudiges Streben darin begriffen iſt. Schon darum, weil die Alten, die ihrer ganzen Natur und Geſchichte, ihrer Religion, ihren Verfaſſungen und natuͤrlichen Verhaͤltniſſen nach poetiſcher waren, als wir, ſo daß klaſ⸗ ſiſche Bildung ohne poetlſche ſich gar nicht denken laͤßt, den Geiſt der Ju⸗ gendbildung leiten ſollen und weil wir nichts beſſeres thun koͤnnen, als den auf unſere nordiſche Anlage geimpften Zweig ihrer Bildung denn auch friſch und voll herauszutreiben, muͤßten wir an die Poeſie unſern Begriff und unſte Praxis von der Ingendbildung beſonders anpaſſen. Wir halten anch vor⸗ züglich an der antiken Poeſte feſt, weil ſie mit der Wirklichkeit inniger ver⸗ bunden und von ihr durchdrungen iſt, uns ein treues, nur verklaͤttes Bild
der menſchlichen Empfindungen, Thaͤtigkeiten und Schickſale glebt, und da⸗
her eine Schule des kebens genannt werden kann. Die romantiſche Poeſte, die dem Herzen und der Phantaſte einen edlen Schwung und reizenden Genußß giebt, koͤnnte in zu fruͤher Jugend von der noch nicht einmal ganz begriffenen Wirklichkeit und ihren Arbeiten und Pflichten abziehen und das an Stoff zu arme Weſen in den aͤtheriſchen Raͤumen mit kurzer Befriedigung umher trei⸗ ben. Viellelcht gehoͤrt ſie gerade ſo ſehr dem reiferen Alter an, wte der rei⸗
feren Zeit. Die jugendlichere Welt, in der die Wirklichkeit ſelbſt in roman⸗
tiſchen Zauberfarben ſpielte, durfte, wie die Juͤnglinge, ſich nicht hoch über die Wirklichkeit verſteigen, noch Geiſt und Empfindung mit Traum und Dich⸗ tung ſchwaͤrmeriſch naͤhren, um froh und ruhig zu werden; die aͤltere Zeit ſchlen, wenn ſie zu glelcher Befriedigung kommen ſollte, ohne einer ſo jun⸗ geu und ſtarken Sinnlichkeit zu genießen, ein unbeſchränkteres, ideales Ge⸗ biet zu beduͤrfen. Nur iſt zu erwägen, ob die eigentliche romantiſche Poeſte nicht in ſo fern allerdings in den Kreis der Bildung hereinzuziehen ſey, als der modernen Erzlehung die große Huͤlfe der Muſtk entſteht*), durch jene aber den muſtkaliſchen verwandte Stimmungen erzeugt werden koͤnnen. Doch müßte man ſuchen, ſich dem Charakter der Doriſchen und Phrygiſchen Ton⸗ art mehr, als den weicheren, zu naͤhern.
— Schmerz⸗
3
*) Ganz iſolirt iſt das Schriftchen: Gedanken üͤber den Ein ſluß der Mußt auf die Bil. dung eines Volks und über deren Einführung in den Däniſchen Staaten von J. A. P. Schulz, Känigl. Kapellmeiſter 1790,


