ihres Wiſſens und Empfindens. Ihrer Lebendigkeit widerſpricht alles, was nicht ins innere deben eingreift, alles paſſive Lernen, alles geduldige Ein⸗ ſammeln, das nicht eigenes Thun foͤrdert. Uebungen, welche den Gebrauch eigner Kraͤfte erheiſchen und uͤben, ſind im Geiſte der Vorbilder, die wir ja mehr noch in ihren weſentlichen inneren Zuͤgen, als in oben liegenden Ein⸗ zelheiten nachahmen muͤſſen.—
Ihrer Natur nach wollen und koͤnnen die Kinder fruͤh erfinden, einrich⸗ ken, bilden und das Leben der Erwachſenen nachahmen; ſie nehmen ſich gern etwas großes und ganzes vor, bauen Theater fuͤr Puppen, oder ſpielen ſelbſt Scenen nach, und entwerfen, wenn man ſie nach ihrer kaune zeichnen laͤßt, Hanze Figuren, ja ganze Geſchichten, ehe ſie noch das Einzelne fertig und richtig zeichnen koͤnnen. Sollte man in der Schule, oder in den Gedanken und Phantaſieen der Kinder, nicht auch ſchon eine aͤhnliche Selbſtthaͤtigkeit erwarten und beſchaͤftigen? Koͤnnen ſie im Spiel Koͤnige machen und Krieg fuͤhren, ſo werden ſte vielleicht auch bald Geſchichten erfinden, worin Plan, Charakter, Entſchluß und keben iſt, ſo wie dem heroiſchen Zeitalter ein er⸗ zaͤhlendes auf dem Fuße nachfolgt. Die Thaten der Knaben, d. i. ihre Spiele, wobei ſie meiſt allein ſind, laſſen wir kindiſch ſeyn; an ihren ganz eignen
Dichtungen und Darſtellungen, natuͤrlich kindiſchen, muͤßte der Lehrer Theil nehmen; er verſchmaͤht es und laͤßt ſie nie, als wo es unbedeutend iſt, kin⸗ diſch in ihrem eignen Sinn gewaͤhren, ſondern haͤlt ſie bei den Elementar⸗ kenntniſſen eines fremden, meiſt todten Wiſſens feſt. Das Kindiſche ſelbſt anzunehmen, um nuztiche Renntniſſe darunter zu verſtecken, laͤßt das eigene keben der Kinder gehemmt und darf nicht mit der Schonung der Individua⸗ Uität einer Kindes ſeele verwechſelt werden. Man bemerkt an Nindern, denen feingebildete Eltern mit großer Liebe unaufhoͤrlich Stoff für Thaͤtigkeit und Spiel geſtatten und zufuͤhren, und Erzäͤhlung und Geſpraͤch möglichſt frei und natuͤrlich laſſen, eine auffallende Entwicklung der Faͤhigkeiten, oft bei wenigen der ordinären Kenntniſſe. Waͤre nun nicht ein Schritt weiter zu ihun, ſollte man ihnen nicht fruͤh behuͤlflich ſeyn, daß ſie ſich auch in der
jchule frei, aber angeſtrengter und zweckmaͤßiger mit Gedanken und Vor⸗ ſtellungen beſchaͤftigten?*) Doch
*) Arndt in den Fragmenten uͤber Menſchenbildung 1, a4s erzählt von einer„ordentlichen


