Aufsatz 
Über Roose's Charakter als Mensch und Verdienste als Lehrer / Wilhelm Ludwig Zimmermann
Entstehung
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philologiſchen Schriften ſind rein von jenem Kleinigkeitsgeiſt der Wort⸗ kritik, womit ſo mancher finſtre Geiſt um lichte Stellen ſchwebt, und hierdurch gleichwohl eigentlichen Kritikern ſich anzureihen waͤhnt! Er hinterließ mehrere Aufſaͤtze, wovon er einige bereits ausgearbeitete der Preſſe anvertrauen wollte. Mehrere darunter werden gewiß, wenn ſie anders noch im Druck erſcheinen ſollten, als Fundgruben origineller und noch nicht erſchoͤpfter Ideen, ſich kenntlich machen.

Wir betrachten ihn jezt in verſchiedenen Situationen eines Lehrers. Sein Vortrag war angenehm, lebendig, herzergreifend. Vorzuͤglich war ſein Vortrag der Geſchichte lebhaft und bluͤhend. Mit aller Ge⸗ walt der Sprache und Gewandtheit des Ausdrucks fuͤhrte er die Cha⸗ raktere und Begebenheiten maleriſch vor den Augen voruͤber, und hielt er eine oͤffentliche Rede an die Schuͤler, ſo war ſie voll Wuͤrde und Gehalt, und ihr Inhalt drang um ſo viel maͤchtiger in die Seele, je mehr ſie mit auſſerordentlichem Nachdruck und Feuer begleitet war. Seine eigne Weiſe die alten Schriftſteller zu erklaͤren, war aͤuſſerſt in⸗ tereſſant, und legte gewiß der freien, aͤſthetiſchen Darſtellung keine Feſſeln an; denn nicht chaotiſche Gelehrſamkeit ausbreitend, oder Kleinigkeiten einſammlend, ſuchte er nur den Geiſt des Schoͤnen und Guten, aus jenen reinen, ewigen Muſtern zu entfalten. Vortreflich war auch ſein Religionsunterricht; wie ſehr in die Seele redend, wie belebend und ſtaͤrkend! Wie ſchnell wuſte er doch die Ideen⸗ und Em⸗ pfindungsloſe Kaͤlte, erzeugt durch das gedankenloſe Leſen und Aus⸗ wendiglernen der gewoͤhnlichen Catechismen, wieder zur Liebe des Ed⸗

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