Aufsatz 
Über Roose's Charakter als Mensch und Verdienste als Lehrer / Wilhelm Ludwig Zimmermann
Entstehung
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) gegen die Fortſchritte der neueren Aeſthetik ab wiewohl einem Mann von ſo claſſiſchem Geſchmack, wie Roos, der Myſticismus der neu⸗ aͤſthetiſchen Kraftbarden, ſo wie ihre Gedichte, worinn alles in Ton⸗ harmonie verklingeln will, nicht behagen konnte. Betrachten wir ihn als Gelehrten und Schriftſteller: ſo verſcherzte er ſich durch poly⸗ graphiſche Fertigkeit nicht den Ruf eines ſolideren Gelehrten. Meh⸗ rere ſeiner Schriften ſind mit Auszeichnung bekannt, und wer ſie be⸗ trachtet, wird in den meiſten das Durchdachte und Gehaltvolle nicht verkennen, und geſtehen muͤſſen, daß es ihm eben ſo wenig an Reich⸗ thum der Ideen, als an gluͤcklicher Feſthaltung und Ausfuͤhrung eines Gedankens fehlte. Dieſer Geiſt offenbart ſich vorzuͤglich in ſeinen hi⸗ ſtoriſch⸗critiſchen Schriften. Seinem Streben, nichts Gemeines zu lie⸗ fern, fehlte auch nicht die bildende Ruhe und dauernde Kraft. Dieß beweiſen einige Ueberſetzungen, worin er ſeine vorzuͤgliche Gewandheit durch die Uebertragung der Horaziſchen Oden und Terenzens Luſtſpiele darlegte. Iſt gleich die erſtere dieſer Ueberſetzungen kein eminentes Kunſtwerk: ſo zeichnet ſie ſich doch gewiß vor den meiſten ihrer unme⸗ triſchen Mitſchweſtern ſehr vortheilhaft aus. Die andere aber iſt, nach einſtimmigem urtheil der Kunſtrichter, eine ſehr gelungene Arbeit, und unter den Ueberſetzungen dieſes Dichters, noch immer die beſte. Die

liebenswuͤrdige Einfalt und Anmuth, verbunden mit reicher Weltkennt⸗ niß, Laune und Phantaſte, welche das Ganze des Originals durch⸗ ſtroͤmt, wuſte er treflich wieder zu geben, und ſo eignet ſich dieſe Ueberſetzung wohl noch lange zu einem Muſter in ihrer Art. Seine

philo⸗