Aufsatz 
Über Roose's Charakter als Mensch und Verdienste als Lehrer / Wilhelm Ludwig Zimmermann
Entstehung
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ſo fehlte es ihm auch nicht an Kraft ihn auszufuͤhren, der, ohne dieſe Macht ſich in That zu verwandlen, ohnehiu nur ein Schattenſpiel iſt. So hatte er ſich auch jenen freien Geiſt errungen, der ſich leicht uͤber die⸗ oft ſehr flachen, Urtheile der Menſchen erhebt, und nur in ſeinem Bu⸗ ſen Lob und Tadel findet. Sein humaner Sinn aber entrettete ihn dem ſo leicht ergreifenden Pedantismus, ſo wie dem jeder Facultaͤt eigenen Zunftſinn, und dieſer feſſelt doch oͤfters den beſten Gemuͤthern Herz und Haͤnde. Was ſeine Beſchaͤftigung anbelangt: ſo vergnuͤgte er ſeinen Geiſt am liebſten mit den Kunden der Vorzeit, den reinen Vorbildern der Griechen und Roͤmer. Aber in fruͤheren Jahren hat⸗ ten die claſſiſchen Schriften der Deutſchen, Englaͤnder und Franzoſen, fuͤr ihn einen hohen Reiz, und Klopſtock, Ramler, Shakes⸗ ſpeare, Voltaire ec. blieben ſtets ſeine Buſenfreunde. Man ta⸗ delt es, daß er ſo wenig Geſchmack an Naturwiſſenſchaften, beſon⸗ ders der neueren Naturphiloſophie gehabt habe. Dieß iſt gegruͤndet! Unſtreitig ſchreckte ihn aber das Laͤrmen und die an Verirrung eines Fiebertraums graͤnzenden Hypotheſen von der neueren lebendigen Anſicht der Natur ab. Doch verdammte er ſie nicht mit ſo manchen Andern, welche eingeroſtet in die enge Sphaͤre ihrer oft ſehr un⸗ bedeutenden Wiſſenſchaft allen Sinn fuͤr das Erhabenſte und ein⸗ zig Schoͤne verlohren zu haben ſcheinen, wofuͤr ſie wohl nie ein Organ hatten! Nur eine daurende Beſchaͤfftigung mit Geſchichte und Spra⸗ chen hatte das gleichſtarke Intereſſe fuͤr jene heiligen Wiſſenſchaften aus ſeinem Herzen verdraͤngt. Aus gleicher Quelle leite ich ſeine Kaͤlte

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