Aufsatz 
Weg und Ziel des Gymnasiums : 1605 - 1955 ; Festrede / Karl Glöckner
Entstehung
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8001, 1Aov.xoꝓο 0556 0'[ ſs Tpiv E.†vGy, THio Tävt ävdr S*ναφςαα‿ςεα. Ja, aus dem Dunkel der Jahrtausende holen wir diese Szenen heraus, denn in ihnen tritt die Sonne aus dem Gewölk und leuchtet über die seelischen Urgründe des menschlichen Daseins und deren schlichte, und doch feierliche Größe. Wir hören die Stimmen unserer geistigen Urahnen; sie klingen uns nahe, ver- traut, und doch lauschen wir ehrfürchtig, als riefen sie uns aus einer anderen, reineren Welt. Das Metaphysische haucht uns an. Selbst die letzten steinernen Uber- reste dieser Welt gehören zu den Heiligtümern der Menschheit, wo die Begeg- nung von Vergänglichkeit und Ewigkeit uns erschüttert. Man er- zählt, daß dem großen Meister und Lehrer J. Burckhardt im Baseler Hörsaal bei der Besprechung der alten Kunstdenkmäler bisweilen vor innerer Bewegung die Stimme ihren Dienst versagte. Dann ward eine tiefe Stille, und man hörte von drüben das Rauschen des Rheins. In solchen Augenblicken vernimmt auch unsere Jugend eine Stimme, ähnlich der aus dem brennenden Dornbusch: Zieh deine Schuhe aus, denn der Boden, auf dem du stehst, ist heiliges Land. So sind Ferne und Nähe durch eine fruchtbare Spannung zusammengebunden.

Freilich, der Weg, der zur GrößBe führt, ist nicht leicht. Er führt nur über die klassischen Sprachen, und es wäre eine Täuschung, wenn wir ihre Beherrschung für entbehrlich oder für leicht halten wollten. Aber ist es nicht eine wichtige Lebenser- fahrung für unsere Jugend, daß alles Große erarbeitet, meist sogar hart er- arbeitet werden muß? Wir tun unserer Jugend Unrecht, wenn wir ihr diese Tatsache verheimlichen wollten. Zudem ist die Sprache an sich nicht bloß ein notwendiges UÜbel. Die sprachlichen, grammatischen und psychologischen Zusammenhänge zu durchdenken, den Sachverhalt bohrend zu ergründen, Sache und Ausdruck anein- ander zu messen, das Fremde ins Heimische zu übertragen und nach dem besten Wort und Ton suchen, ist eine Ubung, die im Niedergang der Sprachkultur doppelt wichtig ist ganz abgesehen von den Vorteilen, welche die Kenntnis der klassi- schen Sprachen und Kulturen beim Studium aller neueren bietet.

Ubrigens ist nicht nur das Lernen, sondern auch das Lehren und das Studium der klassischen Sprachen schwierig. Nur die vom wissenschaftlichen und pädagogischen Eros wirklich Berufenen wenden sich diesem Zweig der philologischen Studien zu. So verschafft uns die Schwierigkeit der Sprachen die treffliche altphilologische Kerntruppe unserer Lehrer. Ich, der ich nicht zu ihrem engeren Kreise gehöre, darf diesen immer übersehenen Segen der Sprachenschwierigkeit um so eher hervorheben, als ich dabei nicht in den Verdacht des Eigenlobs komme. Ganz Ahn- liches gilt auch von unseren Schülern. Latein und Griechisch umziehen als gefährlich breite Gräben die Feste des Gymnasiums. Wer schwach auf den Beinen ist und einen bequemeren Weg vorzieht, den schicken Vater und Mutter nicht zu uns. Latein Gund Griechisch natürlich auch die Mathematik sind unbestechliche Examinatoren. Sie treffen ihre Auslese besser als ein ausgeklügeltes Prü- fungsverfahren, und oft schon bevor unser Schultor sich öffnet.

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