3 15 daſs dies unumgänglich nötig wäre. An demselben Verse wird den Schülern ebenfalls mit Zurückgreifen auf ihre Umgangssprache der Abfall des m vor vokalisch anlautenden Wörtern klar gemacht. Die Neigung unserer Volkssprache einen die Endung schlieſsenden Konsonanten, z. B. ein n im raschen Verlaufe des Sprechens ungehört zu lassen ist einem jeden bekannt, der Schüler sagt im Verkehre mit seinen Kameraden nicht: sie kommen an, sondern: sie komm e a'. Demnach wird ihm auch causlam] intulit keine Schwierigkeit des Verständnisses mehr bereiten.
Sind auch diese Thatsachen gehörig eingeprägt worden, so geht man noch einen Schritt weiter, zu der Möglichkeit über, den Jambus durch den Tribrachys, den für den Jambus eingetretenen Spondeus durch den Anapaest oder Daktylus zu ersetzen. Zu diesem Zwecke läſst man Vers 2:
s1ti ecömpülsi süpörlör stäbät lüpüs
von einem Schüler skandieren. ¹ Ist der Schüler im Takte 3 an der Silbe sü- angekommen, so findet er, daſs die Silbenfolge s1 su=- ¹ im jambischen Verse nicht stehen darf. Hier greift nun der Lehrer mit der Frage ein, welcher Takt, wie schon erlernt, anstatt des Jambus eintreten dürfe, und erhält die Antwort: der nur 3 ½ Zeiteinheiten wertige Spondeus. Nun ist aus dem Rechenunterrichte her bekannt, daſs anstatt 1 Ganzen 2 Halbe, 4 Viertel, 8 Achtel u. s. w. gesetzat werden dürfen, ohne dals dadurch eine Wertänderung herbeigeführt würde. Ferner weiſs der Schüler aus dem Unterrichte im Gesang, dals er, um eine halbe Note zu singen, die Hälfte der Zeit braucht als zur Hervorbringung einer ganzen Note u. s. w., dals also
u. s. w. gesetzt werden darf.(Wird angeschrieben.) Aehnlich wie wir, um eine ganze Note zu singen, die doppelte Zeit brauchen als zur Hervorbringung einer halben, haben wir oben zur Aussprache eines langen Vokals die doppelte Zeit als zu der eines kurzen angesetzt, und ebenso bedürfen wir hier, um eine lange Silbe hervorzubringen, die doppelte Zeit als zur Aus- sprache einer kurzen. Wir werden also ohne eine Aenderung im zeitlichen Werte herbeizu- führen—=— setzen dürfen. Löst man nun die zweite Länge des Spondeus auf, so findet der Schüler selbst die Taktform—*, den Daktylus. Auch daſs der Ton nur auf der ersten Kürze liegen darf, ist der Klasse unschwer klar zu machen. In dem anstatt des Jambus ein- getretenen Spondeus hatte die zweite Länge, d. h. die dritte und vierte Zeiteinheit, den Ton; es waren also bis dahin von dem etwa 3 ½ Zeiteinheiten messenden Spondeus bereits etwa 1 ½ ausgesprochen. Demnach muſs der Ton im Daktylus mindestens nach der langen Silbe ein- treten. Wollte man aber die letzte Kürze betonen, so wären nicht, wie verlangt, 1 ½ Zeit- einheiten, sondern deren schon 2 ½ vorüber: also ist die erste Kürze Tonträgerin. Wie man ersieht, lälst sich auch die am schwierigsten erscheinende Thatsache aus dem bereits im Besitze
¹ Dem jambischen Rhythmus entsprechend wäre es theoretisch richtiger, zuerst den Tribrachys, dann den Anapaest und an letzter Stelle den Daktylus zu behandeln; allein didaktische Gründe lassen es, wie man leicht er- sehen wird, bei dieser Fabel rätlicher erscheinen, mit dem Daktylus zu beginnen.


