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II.
Am hieſigen Gymnaſium ſind für den Zeichenunterricht in der erſten Vorſchulklaſſe eine Stunde, in VI, V und IV je zwei, in UIII und OIII je eine Stunde wöchentlich vorgeſehen. In Secunda und Prima iſt der Unterricht mit 1 ½ Stunden facultativ. Es fehlt alſo an dem von uns als wünſchens⸗ wert bezeichneten Lehrplan: eine Stunde für die Tertien und die Umwandlung des facultativen Unter⸗ richts in den oberen Klaſſen in einen obligatoriſchen. Bevor wir nun dazu übergehen, was bei dieſer Stundenzahl in möglichſter Annäherung an die oben aufgeſtellten Grundſätze geleiſtet wird, müſſen wir uns einer Frage zuwenden, von deren Löſung die richtige Handhabung des Zeichenunterrichts am Gymnaſium gradezu abhängt, der Modellfrage.
1) Die Vlodelle.
Da alles vom Körper abgezeichnet werden ſoll, ſo iſt die Beſchaffung der nötigen Modelle von der höchſten Bedeutung. Sie bilden das Lehrobject, an ihnen muß ſich der Faden des Unterrichts abſpinnen, ſie begleiten die Einführung in die Kunſtgeſchichte und ſie ſtellen die Verbindung mit den übrigen Unterrichtsfächern her. Von der richtigen Auswahl der Modelle hängt die Teilnahme des Zeichen⸗ unterrichts an der Konzentration der Lehrfächer ab.
Wir ſind der Anſicht, daß ſich eigens für das Gymnaſium eine feſtſtehende, allgemeine einzu⸗ führende Modellſcala herausbilden muß; ebenſo wie für den ſprachlichen Unterricht ein feſtſtehender Kanon von Schriftſtellern vorhanden iſt, die in ihrem ſachlichen Gehalt und in ihren ſprachlichen Schwierigkeiten eine Stufenfolge bilden. Ebenſo ſicher iſt, daß eine ſolche Modellſcala für das Gym⸗ naſium bisher noch nicht geſchaffen iſt, und daß uns die Lehrmittelinduſtrie zunächſt im Stiche läßt. Zwar für die unterſten Stufen iſt geſorgt. Die Holz⸗Körper und Drahtmodelle ſind in reichlicher Aus⸗ wahl zu beziehen; nur müßten ſie, wie oben angedeutet, größer ſein. Dasſelbe gilt von den Gypsorna⸗ menten, Pflanzen⸗ und Blumen⸗, Tier⸗ und Geſtaltmodellen. Aber das genügt noch nicht; beſonders für den Unterricht von Quarta ab. Das fortgeſetzte Zeichnen nach ſtereometriſchen Holzmodellen langweilt den Schüler auf die Dauer, und für die Verbindung mit anderen Unterrichtsfächern kommt dabei gar nichts heraus. Man kann die perſpectiviſchen Geſetze viel beſſer an Hausmodellen klar machen. Wir ſchlagen hier zunächſt folgende Modelle vor, die zum größten Teile an hieſiger Anſtalt ſchon vorhanden ſind und noch weiter ergänzt werden: ein griechiſcher Tempel, etwa nach Art des Parthenon, ein römiſches Wohnhaus, eine Testudo.— Eine gotiſche Kirche, eine romaniſche Kirche, ein Renaiſſance⸗Wohnhaus. — Die Induſtrie läßt den Lehrer bislang hier im Stich, und er iſt genötigt, ſich dieſe Modelle zum größten Teil ſelbſt herzuſtellen.— Weiter giebt es kaum einen Gegenſtand, an dem man das Zeichnen runder Körper beſſer lernen koͤnnte, und der zugleich das Intreſſe der Gymnaſialſchüler höher in An⸗ ſpruch nimmt, als die Haus⸗ und Kriegsaltertümer der Alten und der Germanen. Hier kommt uns das römiſch⸗germaniſche Centralmuſeum in Mainz in dankenswerteſter Weiſe entgegen. Von der genannten Anſtalt ſind farbige Modelle in genauer Nachahmung der Originale aus Holz, Blech und Eiſen von der römiſchen und fränkiſchen Bewaffnung hergeſtellt und käuflich zu haben. Außer⸗ dem haben wir Standbilder des römiſchen Legionärs und des fränkiſchen Kriegers in farbiger Gyps⸗ maſſe in Lebensgröße, und in der Höhe von 54 Centim. ¹1). Es möge genügen, hier darauf hingewieſen zu haben. Eine Auswahl von Bewaffnungsſtücken ſollte in keiner Lehrmittelſammlung eines Gymnaſiums
¹) Zu beziehen durch Prof. Dr. L. Lindenſchmit in Mainz.


