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nun hier eine Sittenſchilderung ein VI, 11—28. VI, 11 erſter Satz wird überſetzt: Cäſar will ſchildern: 1) mores Gallorum, 2) mores Germanorum, 3) quo inter se differant, den Unterſchied zwiſchen beiden. Wir wenden uns zunächſt den mores Germanorum 21—28 zu.
Es folgt die Darbietung(Ueberſetzen, Erklären von Wort und Satz u. ſ. w.).
Bearbeitung(bezw. Vertiefung, z. T. Anwendung).
c. 21. rebus divinis ¹)— Gottesdienſt, venationibus— Jagd, studiis rei militaris-Kriegsdienſt, duritiae—Abhärtung ²).
c. 22. agriculturae—Ackerbau, victus— Lebensunterhalt, agri-—Ackerverteilung, causas—Gründe hierfür ³). Der victus lehrt, daß die G. Viehzucht, Weidewirtſchaft treiben; alſo Wieſen und Wälder (c. 11, Jagd); Vorbereitung für c. 25 u. die Feldzüge des Druſus, Varus u. a.(Sehen, anſchauendes Denken).
c. 23. solitudines, proprium virtutis, tutiores-— ſie ſchaffen künſtliche Einöden um ſich herum 1) des Ruhmes, 2) der Sicherheit wegen; bellum, magistratus in pace— Behörden im Kriege und im Frieden: Einigkeit im Kriege, Zuſammenhangsloſigkeit im Frieden, Rechtsſprechung (Gaugerichte ꝛc.); Anwendung zunächſt bei Arminius und Varus(führt römiſches Recht und römiſche Rechtspflege ein), dann im Verlaufe der weiteren deutſchen Geſchichte bis in unſere Zeit. latrocinia— Raubzüge, qui sequi velint, profiteantur—Heeresfolge; Anwendung: Daran wird der cheruskiſche Bund entwickelt: Armin durchflog das Land und hielt concilia ab, die Germanen leiſteten Heeresfolge, gelobten ſich zur That, weil ſie causam probabant et ducem; Segeſtes und wenige andere billigten ducem nicht, wegen perſönlicher Feindſchaft, causam nicht, weil ſie verblendet, verführt vom fremden Weſen das Heil im Anſchluß an die Römer ſahen.— Zugleich ethiſcher Gewinn aus dem Satze: qui ex his etc. und hospites: germaniſche Ehre und Treue.
c. 24. Bei aller Vorſicht, mit der die Angaben dieſes Kapitels aufzunehmen ſind, kann der Grund, den Cäſar anführt, warum die Germanen zu ſeiner Zeit tapferer waren als die Gallier, betont werden: 1 Die Germanen ſind einfach geblieben, die Gallier verweichlicht 4).
c. 25. Hercyniae silvae— d. Herkyn. Wald, latitudo, pertinet ad, magnitudo-— Breite, Aus⸗ dehnung(Anfang und Ende), Größe, genera ferarum— beſondere Tierarten. Geographie: Das deutſche Waldgebirge(vgl. die heutigen Namen: Schwarzwald, Odenwald u. a.); feſtſtehende Punkte: Helvetii, Danuvius, dann(sinistrorsus) Böhmen(Boiohaemum ſpäter bei den Markomannen und Marbod nötig); infolge der Wälder Sümpfe(vgl. Varus im Teutoburgerwalde).
c. 26. bos cervi figura— Renntier; c. 27. alces— Elche; c. 28. uri. cc. 26, 27 im ganzen Märchen; in c. 28 Alles wahr: Trinkhörner, Jagd(labor c. 21).
¹) Stichwörter, welche der Schüler in ſeinem Exemplar unterſtreicht,„Überſchriften“ vgl. Schiller, H. d. pr. P. S. 391.
²) Der Schluß von Qui diutissime an bleibt weg, er kann in Prima bei dem berühmten Satze: sera iuvenum venus, eoque inexhausta pubertas, Tac. G. 20, nachgeholt werden.
³) Es wird ſich kaum empfehlen, dieſe vielgedeutete Stelle über die jährliche Ackerverteilung mit dem Tertianer näher zu beſprechen, vgl. Freytag, S. 60 ff.; doch kann man wohl darauf hinweiſen, daß es ſich nicht etwa um ſchwankende Grund⸗ eigentumsbegriffe handelt, als ſtünden die Germanen noch auf einer Mittelſtufe zwiſchen Nomaden und Feſtanſäſſigen, ſondern nur um„demokratiſche Einfügung des Wirtes in die Dorfflur“, die ſelbſt als Gemeindeeigentum feſtgehalten wird, ebenſo wie der Gau und der ganze Stamm ſein Eigentumsrecht auf die heimiſchen Äcker mit großer Zähigkeit wahrt.
⁴) Folge der provinciarum propinquitas und transmarinarum rerum notitia; Gedanke, der immer wiederkehrt, vgl. über die Belgier I, 1: zerſtörender Einfluß des Luxus auf die natürliche Tapferkeit bei jäher Berührung; daher Verbot der Einfuhr des Weins, von Waaren überhaupt, quae ad effeminandos animos pertinent,— rerum ad luxuriam pertinentium bei den Nerviern II, 15 ꝛc.; vgl. ferner IV, 2.— Bei dem„Dahinſchmelzen der Germanen an der Sonne Italiens“ im Geſchichtsunterrichte während der Völkerwanderung zu gebrauchen! vgl. auch„Kulturgeſchichte“ und„Volkswirtſchaft“.


