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Sich entwappnete der Degen, ſich ſelbſt er erſt verband, Ein heilkräftig Kräutlein nahm er in die Hand
Und eine kleine Büchſe: ein Pflaſter war darinnen.
Da fand der Heilkunſt Meiſter viel zu thun umher, Sollt' er ſich Gut verdienen im großen Kriegesheer,
So könnten es Kameele nicht von der Stelle tragen 15).“
In den Stürmen der Völkerwanderung unterdrückte die Roheit der Zeit jede menſchliche Regung, und der geſchlagene Gegner wurde ohne Barmherzigkeit vernichtet, bis endlich die Wogen ſich gelegt und das Chriſtenthum veredelnd auf die Gemüther der Barbaren zu wirken begann. Es befahl den Feind zu lieben, weshalb denn auch die chriſtlichen Sendboden und Prieſter die erſten ſind, welche ſich der Ver⸗ wundeten annehmen und durch ihr Beiſpiel andere zur Nachahmung veranlaßten. Trotzdem wurden in den nächſten Jahrhunderten die Beſiegten noch mit einer Grauſamkeit behandelt, welche unſer Herz er⸗ ſtarren macht. Was ſoll man dazu ſagen, wenn 585 in Comminges, wohin ſich Gundobald, der an⸗ gebliche Sohn Chlothars I, vor ſeinen Gegnern Gunthramm und Childebert geflüchtet, die in die Stadt eindringenden Sieger alles niedermachten, ſo daß kein männliches Weſen übrig blieb(ut non remaneret mingens ad parietem), und dann, die Stadt ſelbſt in Brand ſteckend, nur den nackten Boden zurück⸗ ließen ²6)? Selbſt Karl der Große war nicht menſchlicher und demüthigte die eingedrungenen Normannen ſo kräftig, daß er auch Kinder und Knaben nach dem Schwerte zu meſſen befahl und alle, welche größer als dieſes Maß befunden wurden, zu tödten gebot 7ꝛ7). Mit dieſen Beiſpielen der Grauſamkeit, deren Zahl ſich noch ſehr vermehren läßt, ſtehen andere Handlungen der Menſchlichkeit in grellem Widerſpruche. So ſtellte, wie Widukind in ſeiner Sachſengeſchichte I, 9 berichtet, der Franke Thiadrich nach der Be⸗ ſiegung des Thüringers Irminfried im Jahre 532 die Verfolgung ein und ſchlug zur Heilung der Kranken und Verwundeten ein Lager auf. Das Gleiche geſchah nach der Schlacht von Fontenaille. Dort war Lothar von ſeinen Brüdern Ludwig und Karl geſchlagen und ein fürchterliches Blutbad unter den Flüch⸗ tigen angerichtet worden, bis die Sieger, von chriſtlicher Barmherzigkeit getrieben, dem Morden Einhalt thaten und die Biſchöfe beauftragten, die Verwundeten nach beſten Kräften zu pflegen und die Todten zu beſtatten 1⁵). Menſchliche Geſinnung bewieſen auch die Sachſen, welche nach einer Niederlage Heinrichs IV die Gefangenen pflegten, wenn ſie verwundet waren, und dann mit Waffen und Kleidern anſtändig ver⸗ ſehen in ihre Heimath zurückſandten**). Heinrich dagegen hatte 1075 gegen das gemeine Fußvolk der Sachſen gewüthet, als ob er Vieh vor ſich hätte, ſeinen eigenen Verwundeten aber ließ er am folgenden Tage alle Sorge angedeihen und diejenigen, deren Verletzung Kriegsuntauglichkeit nach ſich zog, zur Pflege den Angehörigen nach Hauſe ſchicken ⁵0).
Von einem geordneten Sanitätsdienſte war alſo keine Rede; Aerzte zogen zwar mit in das Feld, widmeten ihre Sorge aber vorzugsweiſe den Führern und kümmerten ſich wenig um den gemeinen Mann, der im Falle ſchwerer Verwundung ſeinem Schickſale überlaſſen blieb. Welche Einrichtungen in den Heeren der Kreuzfahrer getroffen waren, wiſſen wir nicht; die Zahl der ſie begleitenden Aerzte war jedoch
²⁵) Gudrun, überſetzt von Simrock, 8. Buch, V. 526 ff.
⁶) Gregor von Tours VII, 35.
77) Mönch von St. Gallen II, 12.
¹⁸) Nithards 4 Bücher Geſchichte III, 1. Jahrbücher von St. Bertin II, zum Jahre 841. ²⁹) Brunos Sachſenkrieg 123.
3⁰) Lamberts Jahrbücher zum Jahre 1075.


