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nicht gering, darunter viele Juden, zu deren Kenntniſſen man das größte Vertrauen hatte. Auf Rück⸗ zügen ſchleppte man die Verwundeten auf Laſtthieren mit oder ließ ſie, falls ihre Zahl zu groß war, zurück oder ſchlug für einige Tage ein Lager auf, um ſie wenigſtens nothdürftig verbinden zu können 81). Daß die Anſtalten ſehr mangelhafter Art waren, zeigen die furchtbaren Verluſte der Kreuzheere, veranlaßt mehr durch Krankheiten als durch das Schwert der Feinde. Nicht beſſer war bei den Römerzügen für die Geſundheitspflege geſorgt. Mehr als einmal wurden die Feldherrn durch plötzlich auftretende Seuchen zur Einſtellung ihrer Operationen gezwungen, und von den in friſcher Kampfesluſt aus Deutſchland aus⸗ gezogenen Heeren kamen nur dürftige Reſte in die Heimath zurück, nachdem ſie den an Ruhr, Diar⸗ rhoen u. ſ. w. geſtorbenen Kameraden auf dem Boden Italiens ein einſames, von den Welſchen gemie⸗ denes Grab bereitet. Der Krieg war alſo in dem Mittelalter noch männermordender, als zu andern Zeiten, da bei dem Mangel jeder ſtaatlichen Fürſorge für die Kranken und Verwundeten der Zufall es war, der in dem einen Falle eine Hilfe gewährte, die er in dem andern verſagte.
Nur langſam beſſerten ſich dieſe Zuſtände, wozu die geiſtige Revolution des fünfzehnten Jahrhun⸗ derts nicht wenig beigetragen hat. Wie die Peſt als Würgeengel die Menſchengeſchlechter vernichtet, ſo zerſtörten die neuen Lehren alle ſeither über Kirche und Staat geltenden Anſichten, aber aus dem Sturze des Alten erwuchs neues Leben. Der Geiſt erwachte aus ſeiner Erſtarrung und warf die Feſſeln ab, die bisher ſeinen Flug gehemmt, der Einzelne machte ſeine Rechte geltend und erreichte, daß der Staat im eigenen Intereſſe dem bis dahin wenig geachteten Bürger und Bauern eine höhere Stellung anwies und neben ſeinem geiſtigen auch für ſein leibliches Wohlbefinden ſorgte. Freilich geſchah in den nächſten Jahrhunderten immer nur das, was das nächſte Bedürfniß verlangte, und viele Forderungen, welche Menſchlichkeit und Wiſſenſchaft zu machen gezwungen ſind, blieben unerfüllt und mußten unerfüllt bleiben, weil die Regierenden allein ihnen nicht zu genügen vermochten. Die Erkenntniß, daß der Staat nur im Vereine mit einſichtsvollen und theilnehmenden Männern aus allen Ständen die Aufgaben löſen könne, welche die öffentliche Geſundheitspflege an ihn ſtellt, iſt ein Verdienſt der neueſten Zeit, das auf keinem Ge⸗ biete erfreulichere Früchte getragen hat, als bei der Pflege der Verwundeten und Kranken im Kriege. Wenn nun auch manches von dem, was in dieſer Beziehung die Humanität fordern zu müſſen glaubt, in den Leidenſchaften des Kriegs unausführbar erſcheint, ſo hat man doch Grundſteine gelegt, welche ein zum Heile der Menſchheit zu errichtendes Gebäude zu tragen im Stande ſind, deſſen Ausbau zu vollenden künftigen Geſchlechtern beſchieden ſein möge.
³¹) Arnolds Chronik V, 5. Größte Jahrbücher von Köln zum Jahre 1217.


