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dem Pfarrer der Gemeinde vorgenommen wurde und die größte Aehnlichkeit mit den Leichenfeierlichkeiten hatte. Der„Malzige“ erhielt eine Wohnung vor der Stadt, ein leicht kenntliches Kleid von ſchwarzer oder grauer Farbe; ein weißes Band an dem ſchwarzen Hute oder zwei auf die Bruſt aufgenähte weiße Hände bezeichneten den Grad der Krankheit. Damit der Ausſätzige auch in der Finſterniß ſeine An⸗ näherung kund thun könne, gab man ihm eine Schelle oder eine Klapper und befahl ihm zu ſchellen und zu klappern und dadurch die Vorübergehenden zu warnen. So lebte er in ſeiner einſamen Wohnung, ausgeſtoßen von aller Welt; bürgerlich todt, ſtand er außerhalb des weltlichen Geſetzes. Eine Hilfe für das Leiden gab es nicht, denn das Glück, eine reine, ihr Leben freiwillig zu opfern bereite Jungfrau zu finden, wie dieß dem armen Heinrich Hartmanns von der Aue widerfuhr, ward nur wenigen zu Theil, und die meiſten ſiechten dahin, die einen Gott und die Welt verfluchend, die andern den Herrn in in⸗ brünſtigem Gebete um eine Heilung anflehend, welche die Kunſt nicht gewähren konnte.
Daß ein ſolches Verfahren einen nachtheiligen Eindruck auf das Gemüth und den Charakter der Leproſen ausüben müſſe, ſahen zuerſt die Diener der Kirche ein. Darum ſtellten ſie es als ein Gott wohlgefälliges Werk hin, die Ausſätzigen zu beſuchen und zu verpflegen, und gerade die Gründer der erſten Hoſpitäler nehmen ſich ihrer beſonders an. Der Abt Otmar von St. Gallen reinigt mit eigenen Händen ihre Köpfe und Füße, ſäubert ihre eiternden Wunden und reicht ihnen die nöthige Nahrung ¹s), wie ſich auch Ansgar und der Erzbiſchof Otto von Bremen nicht ſcheuten, die Kranken perſönlich zu be⸗ dienen ⁴⁹). Das Beiſpiel der Prieſter erweckte Nachahmung ſelbſt in den höchſten Ständen, und je ekel⸗ hafter der Kranke, für deſto verdienſtlicher galt ſeine Pflege. Was in dieſer Beziehung die heilige Eliſa⸗ beth leiſtete, iſt von wenigen übertrofſen worden, obgleich nicht bloß einzelne, ſondern ganze Genoſſen⸗ ſchaften die Pflege der Ausſätzigen übernahmen und dazu die Beſtätigung des Papſtes erhielten 5⁰). Selbſt die Johanniter und deutſchen Ritter widmeten ſich der Wartung dieſer und anderer Kranken, und wenn auch letztere ſchon früh ihre Beziehung zu den Kranken aufgaben, ſo gehörte doch der Spittler ſtets zu den bedeutendſten Beamten des Ordens.
Neben den Hoſpitälern für die Leproſen, welche ſich der Anſteckung halber immer außerhalb der Städte befanden, gab es noch eine große Anzahl anderer, in denen Arme und Kranke jeder Art eine Zuflucht fanden. Derartige Anſtalten beſaß das Alterthum nicht, obſchon ſie bei den Hindu, Mexikanern und andern Völkern nicht unbekannt waren. Erſt das Chriſtenthum veranlaßte ihre Errichtung, und Kaiſer und Könige folgten bald dem Beiſpiele, das die chriſtlichen Sendboten gegeben. Ueberall entſtan⸗ den daher Hoſpitäler in ſo großer Zahl, daß Klagen in dieſer Beziehung laut wurden, welche zurückzu⸗ weiſen der Biſchof Otto von Bamberg für nöthig fand. Diejenigen, ſagt er, welche meinten, daß zu viele Herbergen ſeien oder gegründet würden, glaubten nicht in der Fremde, ſondern in der Heimath zu ſein. Wenn ſie aber von Räubern überfallen, beraubt, geſchlagen, verwundet, halbtodt liegen gelaſſen worden ſeien, ſo würden ſie gegen ihren Willen erkennen, wie viel beſſer es wäre, daß eine Herberge in der Nähe ſich befinde, als fern. Denn wie könne man ſie nach der Herberge bringen, wenn dieſelbe fern ſei, und wie könne man viele Kranken aufnehmen, wenn es wenige Herbergen gäbe 5¹). Daß jedoch durch den Mangel einer einheitlichen Organiſation große Mißſtände herbeigeführt würden, ſah die Kirche bald ein und bemühte ſich deshalb, die Hoſpitäler unter die Aufſicht einzelner, von ihr dazu autoriſirter
4s) Leben des Abtes Otmar von St. Gallen 2.
⁴⁹) Adam von Bremen I, 32; II, 27.
*0, Die Ritterſchaft des heiligen Lazarus in Jeruſalem übernahm neben der Bekämpfung der Ungläubigen als Haupt⸗ pflicht die Pflege der Ausſätzigen und gründete die erſten Lazarushäuſer.
⁵¹) Herbords Leben des Biſchofs Otto von Bamberg I, 18.


