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Hauptaugenmerk richtet er auf die Heranbildung tüchtiger Aerzte und verfügt deshalb in constitutionum regni Siciliae lib. II, tit. 64, wie folgt 4³):
„Wer von nun an heilen vill, ſtelle ſich unſern Beamten und Richtern vor, um ſich ihrer Prüfung zu unterwerfen. Wenn er es auf eigene Fauſt ſich unterſtanden hat(scil. mederi), ſo ſollen ſeine Güter eingezogen und er in das Gefängniß geworfen werden. Denn dieß iſt vorgeſehen, damit nicht die Unter⸗ thanen unſers Reiches in Folge der Unwiſſenheit der Aerzte in Gefahr gerathen.“
Titel 65.„Wir befördern den Nutzen des Einzelnen, wenn wir für die allgemeine Wohlfahrt unſerer Unterthanen Sorge tragen. Indem wir daher den ſchweren Verluſt und unerſetzbaren Schaden in das Auge faſſen, welcher aus der Unerfahrenheit der Aerzte entſpringen könnte, befehlen wir, daß in Zukunft niemand, der den Titel eines Arztes in Anſpruch nimmt, zu practiciren oder heilen wage, wenn er nicht, nachdem er zuerſt zu Salerno in öffentlicher Verſammlung durch das Urtheil der Lehrer für fähig be⸗ funden worden, mit amtlichen Zeugniſſen von ſeinen Lehrern ſowohl als auch von unſern Beamten über ſeine Ergebenheit und genügende wiſſenſchaftliche Befähigung vor unſere Augen oder, in unſerer Ab⸗ weſenheit, vor die Augen desjenigen tritt, welcher an unſerer Stelle im Reiche zurückgeblieben iſt, und von uns oder von jenem die Erlaubniß zu heilen erhält, bei Strafe der Einziehung der Güter und Gefängniß von einem Jahre für diejenigen, welche gegen dieſen Erlaß unſerer Hoheit zu practiciren gewagt haben.“
Wie die geforderten Kenntniſſe zu erlangen ſeien, und welches Honorar der Arzt für ſeine Dienſte in Anſpruch zu nehmen habe, wird Titel 46 des dritten Buches feſtgeſetzt. Es heißt dort:
„Weil die Wiſſenſchaft der Medicin niemals begriffen werden kann, wenn man nicht vorher etwas von der Logik verſteht, ſo beſchließen wir, daß niemand Medicin ſtudiren ſoll, der nicht vorher wenigſtens drei Jahre Logik ſtudirt hat, und daß er nach Ablauf dieſer drei Jahre, wenn er will, zur Medicin über⸗ gehen kann. Hierauf verwende er 5 Jahre, und zwar ſo, daß er die Chirurgie, welche einen Theil der Medicin ausmacht, innerhalb der angegebenen Zeit dazu lerne. Nach dieſer Zeit, aber nicht früher, ſoll ihm die Erlaubniß zu practiciren ertheilt werden, nachdem er vorher die verordnungsmäßige Prüfung beſtanden und nichtsdeſtoweniger ein amtliches Zeugniß über die vorgeſchriebene Zeit des Studiums bei⸗ gebracht hat. Dieſer Arzt wird den bis dahin üblichen Eid ſchwören, mit dem Zuſatze, daß, wenn zu ſeiner Kenntniß gelangt iſt, daß irgend ein Apotheker ſchlechte Waare liefere, er ihn der Behörde anzeigen und daß er Armen umſonſt ſeinen Rath ertheilen wird.“
„Dieſer Arzt wird ſeine Kranken wenigſtens zweimal des Tags und auf Verlangen des Kranken einmal in der Nacht beſuchen, von welchem er, wenn er für ihn die Stadt oder den Flecken nicht zu ver⸗ laſſen braucht, nicht über einen halben Goldtarenus 4⁴) empfangen ſoll. Von einem Kranken aber, den er außerhalb der Stadt beſucht, ſoll er, wenn er auf Koſten des Kranken reiſt, nicht über 3 Tareni er⸗ halten, oder nicht über 4 einſchließlich ſeiner Auslagen. Er ſoll keine Geſchäftsverbindung eingehen mit den Apothekern und niemand zu einem feſtgeſetzten Preiſe unter ſeine Fürſorge nehmen und wird auch ſelbſt keine eigene Apotheke haben ⁴⁵). Die Apotheker aber werden die Arzneien zu feſten Preiſen nach
⁴³) Der Überſetzung liegt der Text zu Grunde, welchen gibt Huillard-Bréholles, Historia diplomatica Friderici II, Paris 1854, tom. IV, pars I, pag. 149. 150. 151. 166. 167. 236.
4⁴) Nach dem glossarium ad scriptores mediae et infimae latinitatis von Dufresne iſt der tarenus eine in Apulien und Sici⸗ lien gangbare Goldmünze von 20 Gran Schwere. Da nun nach Raumers Geſchichte der Hohenſtaufen III, 541 der aus Gold geprägte Auguſtalis im Gewichte von 108 Gran einen Werth von 3 Thalern 12 Groſchen bis 4 Thalern hat, ſo würden 5% Tareni auf einen Auguſtalis gehen und folglich die Münze einen ungefähren Werth von 19 bis 22 Silbergroſchen jetzigen Geldes haben.
4⁵) Die Stelle lautet:'non contrahat societatem cum confectionariis nec recipiat aliquem sub cura sua ad ex- pensas pro certa pretii quantitate, nec ipse etiam habebit propriam stationem. Confectionarii vero facient confectionem expensis suis cum testimonio medicorum juxta formam constitutionis nostre, nec admittentur ad hoc, ut teneant con- fectiones nisi prestito juramento, omnes confectiones secundum predictam formam facient sine fraude.“


