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eigentlichen Sinne des Worts mit der Einführung Gretchens. Der Gang der Handlung iſt in den folgenden Scenen leicht zu erkennen, und ich unterlaſſe es, dieſelbe hier bis zum Ende des Stücks(be⸗ ziehungsweiſe des erſten Theils) fortzuführen. Nur auf das Verhältnis Fauſts zu Mephiſtopheles wollen wir einen kurzen Blick werfen. Jener geräth auch in den Momenten des höchſten Entzückens mit ſich und ſeinem Gefährten in Zwieſpalt. Mephiſtopheles hat alſo ſeinen Zweck nicht erreicht: der Teufel hat Fauſten nicht geholt. Es konnte ihm nicht gelingen, dieſen Geiſt von ſeinem„Urquell“ abzulenken und auf ſeine Teufelswege mit herabzuziehen. Man erinnere ſich des Pactes, den Fauſt mit Mephiſto⸗ pheles abgeſchoſſen:
„Kannſt du mich ſchmeichelnd je belügen,
„Daß ich mir ſelbſt gefallen mag,
„Kannſt du mich mit Genuß betrügen:
„Das ſei für mich der letzte Tag!
„Die Wette biet' ich!“
Mephiſtopheles konnte keinen günſtigern Anlaß ſchaffen als eine Liebſchaft, um ſeine Wette zu ge⸗ winnen. Indem er die heftigſte, die ſtärkſte Leidenſchaft der menſchlichen Natur entzündete, muſte es ſich bewähren, ob Fauſt nicht zu fangen war. Doch wie ein Aal entwiſcht dieſer dem Teufel jederzeit: ſeine Klagen, ſein Ueberdruß kehren immer wieder. Mephiſtopheles hat alſo die Wette verloren.
Wenn der Dichter mit dem tragiſchen Abſchluß jenes Liebesverhältniſſes ſein Drama zu Ende führt, ſo iſt die in der ganzen Anlage desſelben begründete Entwickelung noch nicht abgeſchloſſen; denn wie viele Situationen ſind dann noch gedenkbar, in denen Mephiſtopheles ſeine Künſte weiter verſuchen kann! Wenn indeſſen in jener wirkungsreichſten, die überhaupt denkbar war, Fauſts Geiſt ſich nicht völlig ver⸗ irrte, wenn er ſich gleich blieb— abgeſehen von dem Frevel jener ſataniſchen Genoſſenſchaft— ſo war er vor der Höllenfahrt nach dem Tode bewahrt, und wir vermiſſen eigentlich nicht eine Ergänzung oder Erweiterung des Dramas in einem zweiten Theile, da wir nach dem Eindruck des erſten uns zu dem Schluſſe berechtigt halten, daß auch in allen weitern Lebenslagen der Held des Stückes ſeiner Natur noch weniger untreu werden knne. Wenn gleichwol der Dichter dieſe Fortſetzung verſucht und noch in den letzten Lebensjahren dieſe Ideen in ſich herumgetragen und zum Ausdruck gebracht hat, ſo beweiſt dieß einerſeits allerdings, wie mächtig, wie unauslöſchlich dieſelben ihn ergriffen hatten, andererſeits aber hat dieſer zweite Theil des Fauſt— abgeſehen von der Schwierigkeit des Verſtändniſſes— im Ver⸗ gleich zu jenem Fragment, welches ich meiner Betrachtung zu Grunde gelegt, eine untergeordnete Be⸗ deutung, und kann wenigſtens von pädagogiſchem Standpunkte aus völlig unberückſichtigt gelaſſen werden.
Einer beſondern Aufhellung ſcheint mir yier nur noch der Umſtand zu bedürfen, daß Fauſt von Mephiſtopheles während ſeines Liebesabenteuers mit Gretchen in der Walpurgisnacht auf den Blocksberg geführt wird. Ich begnüge mich mit einer kurzen Andeutung der poetiſchen Motivierung. Offenbar hat Mephiſtopheles hierbei keinen andern Zweck, als neue Liebesglut in Fauſt durch ſeine Teufelskünſte anzufachen, weil er bisher es nicht hatte bewirken können, ein„dauerndes Behagen“ bei ihm zu erwecken. Ich hebe eine charakteriſtiſche Stelle aus. Inmitten der Kobolde zaubert ihm Mephiſtopheles plötzlich das Bild Gretchens mit überirdiſchen Reizen hervor, ſo daß Fauſt ausruft:
„Welch eine Wonne! welch ein Leiden! „Ich kann von dieſem Blick nicht ſcheiden. „Wie ſonderbar muß dieſen ſchönen Hals
„Ein einzig rothes Schnürchen ſchmücken, „Nicht breiter als ein Meſſerrücken!“
Worauf Mephiſtopheles entgegnet:


