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Die folgende Scene verſetzt uns in Fauſts Studierzimmer. Mephiſtopheles erſcheint hier und gibt ihm den guten Rath, die Narrenpoſſen bei Seite zu ſetzen, nicht länger mit ſeinem Gram zu ſpielen, und nun in Gemeinſchaft mit ihm den Lebensgenuß in vollen Zügen zu ſchlürfen. Er erbietet ſich, auf Erden ihm als ſein Knecht die Begierden aller Sinne zu befriedigen, wofern er im Jenſeits ſich zu ſeinem Dienſte verbinden wolle. Fauſt, von heißen, ſinnlichen Trieben angereizt, fragt nichts mehr nach dem Jenſeits. Aber ſofort erfaßt ihn wieder das Vollgefühl ſeiner Menſchenwürde und ſeiner eigenſten unabweisbaren Geiſtesrichtung:
„Was willſt du armer Teufel geben?
„Ward eines Menſchen Geiſt in ſeinem hohen Streben „Von deinesgleichen je gefaßt?“
Und er zweifelt, daß es dem Mephiſtopheles gelingen würde, dauerndes Behagen am Genuſſe in ihm
zu bewirken:„Werd' ich zum Augenblicke ſagen:
„Verweile doch, du biſt ſo ſchön! „Dann magſt du mich in Feſſeln ſchlagen, „Dann will ich gern zu Grunde gehn!“
Und er übergibt ſich unter dieſer Bedingung der ewigen Knechtſchaft des Teufels: „Wie ich beharre, bin ich Knecht.“ Nach geſchloſſenem Bunde, den er durch ſein Blut beſiegelt, ruft er aus:
„Der große Geiſt hat mich verſchmäht, „Vor mir verſchließt ſich die Natur. „Des Denkens Faden iſt zerriſſen, „Mir ekelt lange vor allem Wiſſen. „Laß in den Tiefen der Sinnlichkeit „Uns glühende Leidenſchaften ſtillen! „In undurchdrungnen Zauberhüllen „Sei jedes Wunder gleich bereit! „Stürzen wir uns in das Rauſchen der Zeit, „Ins Rollen der Begebenheit!
„Da mag denn Schmerz und Genuß, „Gelingen und Verdruß,
„Mit einander wechſeln, wie es kann; „Nur raſtlos bethätigt ſich der Mann.“
Im Begriff, zur Teufelsreiſe ſich anzuſchicken, erſcheint ein Student, der bei ſeinem naiven Er⸗ kenntnisdrang von Mephiſtopheles als verkleidetem Doktor Fauſt ſehr geiſtreich zurecht gewieſen wird— eine Epiſode voll treffender Bemerkungen über die Grenzen des menſchlichen Wiſſens.
Die Methode, welche Mephiſtopheles zu befolgen gedenkt, um bei Fauſt ſeinen Zweck zu erreichen, bezeichnet er in einem Monologe, der dieſem Geſpräche mit dem Schüler vorangeht:
„Ihm hat das Schickſal einen Geiſt gegeben,
„Der ungebändigt immer vorwärts dringt,
„Und deſſen übereiltes Streben
„Der Erde Freuden überſpringt.
„Den ſchlepp' ich durch das wilde Leben,
„Durch flache Unbedeutenheit,
„Er ſoll mir zappeln, ſtarren, kleben,
„Und ſeiner Unerſättlichkeit
„Soll Speiſ' und Trank vor gier'gen Lippen ſchweben; „Er wird Erquickung ſich umſonſt erflehn,
„Und hätt' er ſich auch nicht dem Teufel übergeben, „Er müſte doch zu Grunde gehn!“


