Aufsatz 
Betrachtungen eines Schulmanns über Goethes Faust / Ferdinand Anton Beck
Entstehung
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In demProlog im Himmel erſcheint das Princip des Böſen, Mephiſtopheles, mit den Engeln vor dem Throne des Höchſten, der ſich bei den himmliſchen und hölliſchen Dämonen nach dem Weltlauf

periode bezüglichen Stelle heißt es:Beethoven war eben bereits perſönlich in Berührung mit jenen Kämpfen getreten, die gegen tauſend überkommene Wirklichkeiten der freie Gedanke um ſein Exiſtenzrecht ſeit ein paar Menſchenaltern bei uns begonnen hat. Göthes Fauſt, der hier zuerſt dem allgemeinen Bewuſtſein das treffende Wort lieh, hatte auch eine unge⸗ bändigte Titanen⸗ Natur wie Beethoven nur innerlich vorbereitet gefunden zur Aufnahme der neuen frohen Botſchaft von der Freiheit des Geiſtes. So ſind denn auch dieſe Kämpfe das eigentliche Gährungs⸗ und Zeugungselement in Beet⸗ hovens Schaffen, und ſie bewahren ſeinen ſonſt in wahrhaft Shakspeare'ſcher Realkraft ſtrotzenden Bildern unſers Lebens jenen eigentümlich ſchimmernden Lichtſchein, der von oben ſtammt, von den Höhen des ſeiner ſelbſt ſich bewuſt werdenden Menſchengeiſtes. Dieß aber war wie bei der geſamten geiſtigen Welt des 19. Jahrhunderts ſo auch bei Beethoven offen⸗ bar vorwiegend das Werk Göthes und namentlich ſeines Fauſt. Es ſcheint, daß überhaupt erſt damals mit vollem Sonnen⸗ ſchein Göthe in Beethovens Ideenkreis eintrat. Denn außer der Compoſition der ſchönſten Lieder, die Beethoven überhaupt geſchrieben,Mignon,Neue Liebe neues Leben,Wonne der Wehmuth u. ſ. w. entſtand eben damals die Muſik zumEgmont. Vor allem aber muſte der Fauſt, das poetiſche Evangelium des modernen Geiſteslebens, auch für ihn eine Art Brevier werden. Denn er fand hier zum erſtenmal deutlich die urſprüngliche Autonomie des Geiſtes wieder, die in ihm ſelbſt lebte und wirkte, und von da an ſtand durchs ganze Leben als letztes Ziel ſeines künſt⸗ leriſchen Strebens vor ihmeine Muſik zu Göthes Fauſt zu ſchreiben. Nun eine Muſik zu Göthes Fauſt hat er zwar nicht geſchrieben, aber wenn irgend jemand, er wahre Fauſtmuſik und zwar nach wie vor der Bekanntſchaft mit unſerm deutſchen Dichterkaiſer! Von denSonaten wollen wir ſchweigen, in denen ſich jener Geiſt regt, der auch den Fauſt dictierte. Schon diePathetique hallt dieſen hohen Götterhain wieder, der mit kühner Gewalt über die uns geſteckten Grenzen und den irdiſchen Jammer Herr werden will. Und wie manches andre Werk der nachfolgenden Epoche bildet den weithin ſchallenden Vorlaut dieſes einen mächtigen Urlauts, der die geſamte moderne Menſchheit durchtönt. Mit dieſem einmal erwachten Gefühl ſeiner urewigen Eigenart und Berechtigung aber tritt der nicht mehr zu bannende Keim des Zweifels und Widerſtands in ſeine Seele, und es beginnt ein Kampf auf Tod und Leben um das Recht jener höhern geiſtigen Exiſtenz des Menſchenweſens. Denn was anders iſt es, was uns aus derC⸗Moll⸗ Symphonie entgegenhallt?Der Menſch iſt frei, und wär' er in Ketten geboren! hatte Schiller ge⸗ ſungen, und Göthe hatte dann aus dieſem Satz auch innerlichen Ernſt gemacht, hatte für den Geiſt dieſe Freiheit behauptet und zum erſtenmal auch den allergreifenden Ausdruck für das allergreifende Wünſchen und Sehnen der Zeit gefunden. Beet⸗ hoven aber verkündet bereits in dieſem früh concipierten ſymphoniſtiſchen Werke mit dem vernehmlichen Pochen der innern Ueberzeugung und mit dem faſt trotzigen Behaupten des beſtrittenen Glaubens dieſes Axiom der modernen Menſchheit. Von da an blieb dieſes reinere Menſchheitsideal hoffnungsreich und fruchtbringend vor ſeiner Seele ſtehen. Es gab ihm, wie er ſelbſt ſagt,ein höheres Ziel als was die Welt um ihn erkannte, gab ſeiner Bruſt ſtets von neuem männlichſte Kraftlaute, um die Erfüllung dieſes Sehnſuchtswunſches der Zeit zu rufen, gab ihm innere Stärke für ſich perſönlich den Kampf um geiſtige Selbſtändigkeit gegen zerrende Tagesvorurtheile und kleinliche Beſchränkt⸗ heit ſtets wieder aufzunehmen und für ſein Theil glücklich zu Ende zu führen. Aber leicht ſollte es ihm nicht werden mit dieſem Siege. Vielmehr faſt ein halbes Menſchenalter der bitterſten Leiden und Kämpfe ſollte darüber vergehen, ehe der Anſtoß, den hier ſeine innerſte Menſchen⸗Natur zur Befreiung und Erhebung ihrer ſelbſt erlangt hatte, wirkſam für ihn ward und er in den reellen Beſitz dieſer geiſtigen Errungenſchaft geſetzt wurde. Zwiſchen derC⸗Moll⸗Symphonie und derNeunten Symphonie liegt in Wahrheit eine Welt von Kämpfen, wie an krampfhaften Zuckungen und ſchmerz⸗ lichem Selbſtüberwinden nur wenige unſerer Großen ſie in gleichem Maße durchgemacht haben.Ich will dem Schickſal in den Rachen greifen, ganz niederbeugen ſoll es mich gewiß nicht! hatte der Titane ausgerufen, als zuerſt vernehmlich das Schickſal an ſeine Pforte geklopft und ihm eben die Töne jenerC⸗Moll⸗Symphonie eingegeben hatte, die voll Mannes⸗ mark und Widerſtand ſind. Dann aber, gar bald darauf, als ihm eben dasſelbe Schickſal auch den einzigen und letzten Troſt, den er vom Leben noch für ſich perſönlich erſehnte und erhoffte, ein aufrichtig liebendes Herz an ſeiner Seite zu haben, grauſam geraubt hatte, da iſt es, als wenn auch ihm, dem kräftig Großen, im furchtbaren Nothkampf um die natürliche Daſeinsfreude und das perſönliche Bedürfen plötzlich Muth und Hoffen ausgienge wie dem Kleinſten der Erdgeborenen. Die dem unmittelbaren Verkehr mit dem Allumfaſſenden entfremdete oder doch nicht gewohnte Seele will mit der Gewalt des tiefſten Bedürfniſſes den befriedigenden Urquell wieder ſuchen und die Wiedervereinigung mit dem Ewigen herſtellen. Es beginnt unverkennbar und mit ſtets wachſender Entſchiedenheit in ihm eine religiöſe Strömung, die anfangs nur ganz allgemeiner und bloß natura⸗ liſtiſcher Art iſt, bald aber auch die Grenzen beſtimmter Religionslehren berührt und in ſeinem Schaffen ſogar mehrmals eine concretere Färbung des Ganzen von einem beſtehenden Cultus entnimmt, deſſen Erſcheinung ſich ſeiner Jugend tief