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gern; welches auch allein ihn ſogar zur richtigen Würdigung der ihm überlieferten höhern Heilswahr⸗ heiten befähigt, indem ja doch nur in ſo weit dieſe Ueberlieferungen einen bleibenden Werth und ſegens⸗ reiche Wirkung haben, als ſie mit dem natürlichen, uns angeborenen religiöſen Bedürfnis im Einklang ſtehen?
In dieſem Sinne ſpricht Göthe:„Ich wünſche Glück denen, die ihre Augen nach dem Altertum wenden, wo ganz allein für die höhere Menſchheit und Menſchlichkeit reine Bildung zu hoffen und zu erwarten iſt“, und in dieſem Sinne nannte ich oben die altelaſſiſchen Studien ein unübertreffliches Correctiv für Verkehrtheiten aller Art, die dem Streben des menſchlichen Geiſtes hienieden ein Hemmnis bereiten. Die Anſichten über dieſen Punkt ſind aber getheilt, und von verſchiedenen Seiten hat der Gymnaſial⸗Unterricht Anfeindungen, die zum Theil oben angedeutet worden ſind, zu beſtehen, ſo daß ſelbſt die Schüler mitunter dadurch in ihrem Streben irre geleitet und gelähmt werden 1). Es iſt alſo ein wohl berechtigtes Bemühen, wenn der Schulmann ſich nach neuen Stützen jener Humanitäts⸗ Studien umſieht, damit nicht das einſeitige Geſchrei von den Fortſchritten der Neuzeit auf dem Gebiete geiſtiger Beſtrebungen und von dem„überwundenen Standpunkte der ſeither eingeſchlagenen Bildungs⸗ wege“ überhand nehme und auch in den Kreiſen unſerer Jüngern, die noch in der höhern Bildung begriffen ſind, ein Echo finde.
Hierbei kommt es lediglich darauf an, ſolche Bildungselemente als Stützen der altelaſſiſchen Huma⸗ nitäts⸗Studien ausfindig zu machen, welche nicht bloß das Typiſche der Menſchen⸗Natur in gleicher Weiſe wie die Schriften der alten Griechen und Römer erkennen laſſen, ſondern auch unſerer modernen Denk⸗ und Anſchauungsweiſe nahe ſtehen, einestheils weil ſolche Dichtungen von tieferer Einwirkung ſind ²), und anderntheils damit der lernende Jünger ſich davon überzeuge, daß im Moraliſchen kein ſpecifiſcher Unterſchied zwiſchen Alten und Neuen beſtehe, ſondern daß die großen Geiſter aller Jahrhunderte in dieſem Punkte übereinſtimmen. Wenn der junge Mann, der eine höhere Ausbil⸗ dung ſeines Geiſtes zu gewinnen ſucht, gewahr wird, daß die Eindrücke, die er aus ſeinem Homer in ſich aufgenommen hat, dieſelben ſind, welche ihm aus Shakspeare und Göthe entgegentreten, dann laſſen ihn
¹) Man erwäge, wie Göthe im Geſpräche mit ſeinem Freunde Eckermann in dieſer Beziehung ſich äußert(S. 267): „Es iſt ſeit Jahrhunderten ſo viel Gutes in der Welt, daß man ſich billig nicht wundern ſollte, wenn es wirkt und wieder Gutes hervorruft“.„„Es iſt nur das Ueble““, ſagte ich,„„daß es ſo viele falſche Lehren gibt, und daß ein junges Talent nicht weiß, welchem Heiligen es ſich widmen ſoll.““„Davon haben wir Proben“, ſagte Göthe,„wir haben ganze Generationen an falſchen Maximen verloren gehen und leiden ſehen und haben ſelber darunter gelitten. Und nun in unſern Tagen die Leichtigkeit, jeden Irrtum durch den Druck ſogleich allgemein predigen zu können! Mag ein ſolcher Kunſtrichter nach einigen Jahren auch beſſer denken, und mag er auch ſeine beſſere Ueberzeugung öffentlich verbreiten, ſeine Irrlehre hat doch unterdes gewirkt und wird auch künftig gleich einem Schlingkraut neben dem Guten immer fortwirken. Mein Troſt iſt nur, daß ein wirklich großes Talent nicht irre zu leiten und nicht zu verderben iſt.“
²) Das eigentlich Wirkſame iſt die Gegenwart, und ſo wie die viva vox des Lehrenden nachhaltiger wirkt als alle ſchriftliche Ueberlieferung, eben ſo laſſen wir auch und beſonders die Jugend uns vorzugsweiſe durch ſolche Autoritäten imponieren, die dem jetzigen Jahrhundert angehören.(Eben deshalb ſind ja auch die Hypotheſen eines Carl Vogt, der im Materialismus förmlich„macht“, hinſichtlich ihres Eindrucks auf die Zeitgenoſſen keineswegs zu unterſchätzen.) Wenn alſo der Verſuch gemacht wird, durch Hinweiſung auf Göthe, den wol nicht leicht jemand als„abgethan“ hinzuſtellen wagen dürfte, den Beſtrebungen, die auf Sicherſtellung der Humanitäts⸗Studien gerichtet ſind, eine feſtere Grundlage zu geben, ſo kann von vorn herein einem ſolchen Verſuche als ſolchem ein günſtigeres Prognoſticon geſtellt werden als wenn man es unternehmen wollte, aus dem Altertum ſelbſt direct die Fundamente nachweiſen zu wollen, auf denen unſere jetzige höhere Bildung aufgebaut iſt. „Ti- pd9 d0⁴⁶ꝙ*αιαρα‿dον εmr‿de eoν eω˙ν σσσοο „H Tig duouονιιεμισ⁴σι voordry d giaa»r i.“. (Hom. Od. I, 351 sd.) 1*


