Aufsatz 
Über consul und consulere nebst einem Anhang über famulus und familia / Johann Heinrich Hainebach
Entstehung
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deditus. Ausgegangen von dem Begriffe besitzen, ist es ursprünglich so viel als possessus, angehörig.

Das ist auch der Begriff von famulus, welches für fagmulus steht wie stimulus für stigmulus. Den Wegfall des g vor m sehen wir ebenfalls bei jumentum, frumentum, sumen, examen. Wie aus dem davon abgeleiteten familia und familiaris hervorgeht, muls es ursprünglich die Angehörigkeit und Dienstbarkeit in allen Beziehungen ausgedrückt haben, die natürliche wie die rechtliche, die gezwungene wie die freiwillige, den Dienst der Hände wie der Herzen, ähnlich wie die pron. meus, tuus, suus, noster, vester. Vollkommen entspricht ihm das mhd. eigen, welches nicht nur den Sinn von proprius, sondern auch von cliens(leibeigen) hat. Während aber das deutsche eigen diesen Begriff verloren hat, ist er dem famulus allein verblieben. Diese Auseinandersetzung zeigt uns zugleich, daſs der famulus, schon nach der in dem Worte liegenden Bedeutung, wenigstens anfänglich eine viel mildere Stellung in der Familie einnehmen mulste als der servus, der Gebundene. Ich zweifle nümlich nicht daran, dals servus, der durch Kriegsgefangenschaft zum Sklaven Gewordene, von sero abgeleitet ist und seinen Namen davon hat, daſs der zum Gefangenen gemachte Feind, wie bei den alten Deutschen, von dem Sieger gebunden wurde. So ist auch doοog, das aus dεlog contrahiert und aus d hervorgegangen ist wie droπoo aus Wurzel uen(νεαππιτιομαασι)'nf zu verstehen, eben so 8*0s00s(Hom. Od. 8, 529), welches Hes. mit dovleia erklärt. Jene günstigere Stellung des famulus verräth auch der Um- stand, daſs diesem das mildere herus, der Besitzer, dem servus das gebieterische dominus, der Herr, gegenübersteht. Denn herus, das, wie der Kundige weiſs, zu dem deutschen Herr in keiner verwandtschaftlichen Beziehung steht, hat, wie heres, zur Wurzel her, welche dem sanscr. hri oder vielmehr har entspricht, und dieses bedeutet nehmen, in Besitz nehmen, sei es durch Gewalt sei es durch Erbschaft. Herus hat also ganz den Sinn von possessor, Eigner, während famulus so viel ist als possessus, proprius, eigen.

Familia hat, wie schon angedeutet, den Begriff der Angehörigkeit in der grösten Aus- dehnung bewahrt. Es umfalst Alles, was dem selbständigen freien Römer, dem civis romanus, angehört, Alles, was er an liegendem Grunde, an fahrender Habe und an Leuten besitzt, mochten es Weib und Kind oder Leibeigne sein. Ulpian Dig. lib. 50, tit. 16 de verborum sigui- ficatione fr. 195 drückt dieses kurz also aus: Familiae appellatio... et in res et in personas diducitur(andere haben deducitur, was ich für falsch halte). In dem Sinne von famuli, Dienerschaft, Gesinde, kommt es in der gewöhnlichen Sprache nicht gerade häufig vor. Das bekannteste Beispiel der Art findet sich bei Caesar B. G. 1, 4 Orgetorix ad judicium omnem suam familiam, ad hominum milia decem, undique coëgit. Dazu will ich noch zwei andere fügen Cic. Ep. ad Quint. fr. 2, 6 Dedit cuidam non familiari negotium, qui sine suspicione emeret eam familiam a Catone, und bald darauf Tabulam proscripsit, se familiam Catonianam ven- diturum. Cato R. R. 5 Vilicus familiam exerceat, consideret, quae dominus imperayverit, fiant. In dem Sinne von Eigenthum ist es fast ganz auſser Brauch gekommen und an seine Stelle res familiaris getreten, jedoch hat es die juristische Sprache in gewiſsen Fällen immer beibehalten. Momms. J. L. 197, 12 Sei quis magistratus multam inrogare volet, quei volet, dum minoris partus d. i. partis familias taxsat, liceto. Lex Rubria(ebendas. 205, 55) Quei de familia erceis- cunda deividunda judicium sibei darei reddei ve... postulaverint. Cic. Or. 1, 56§ 237 Qui, quibus verbis herctum cieri oporteat, nesciat, idem herciscundae familiae causam agere non possit. Lex XII tab. 5, 4 Si intestato moritur, cui suus heres nec escit, adgnatus proximus familiam habeto. Ebendas. 5, 5 Si adgnatus nec escit, gentiles familiam habento. Liv. 3, 55