Qui tribunis plebis, aedilibus, judicibus, decemviris nocuisset, ejus caput Jovi sacrum esset, familia ad aedem Cereris, Liberi Liberaeque venum iret. Später erhielt das so gebrauchte familia meist pecuniaque zum Begleiter. Mit diesem Zusatz versehen findet sich die angeführte Lex XII tab. 4 bereits bei Cic. Invent. 2, 50§ 148 Si pater familias intestato moritur, familia pecuniaque ejus agnatum gentiliumque esto, vgl. Auct. ad Herenn. 1, 13§ 23. Ebendaselbst heilst es in einem anderen Gesetze Pater familias uti super familia pecuniave(Cic. Invent. 2, 50 pecuniaque) sua legassit, ita jus esto(vgl. Lex XII tab. 5, 3). Die Verbindung beider Wörter kommt übrigens schon in der Mancipationsformel bei Gajus 2, 104 vor Familiam pecuniamque tuam endo mandatam tutelam custodelamque meam recipio. Gell. 1, 9, 12 Omnes simulatque a Pythagora in cohortem illam disciplinarum recepti erant, quod quisque familiae pecuniaeque habebat, in medium dabat(vgl. das. 16, 10, 11). Daraus ist aber nicht der Schluſs zu ziehen, daſs familia nicht das gesammte Eigenthum und dals pecunia den Viehstand bezeichne. Familia und pecunia sind in dieser Stellung gleichbedeutend, und pecunia ist zu familia getreten, ent- weder um das Wort, welches in dem Sinne von Vermögen auſser Brauch gekommen war, zu erklären, oder um den Begriff in seiner Vollständigkeit auszudrücken, zu welchem Zwecke oft zwei synonyma verwandt werden z. B. cupio optoque(Cic. Phil. 14, 1§ 2), spoliatus expilatus- que(Cic. Verr. 4, 27§ 63). Was pecunia eigentlich bedeutet, darüber belehrt uns in sehr klarer und bestumnten Weise Hermogenianus Dig. lib. 50, tit. 16 fr. 222 Pecuniae nomine non solum numerata pecunia, sed omnes res, tam soli, quam mobiles et tam corpora quam jura continentur. Dazu stimmt Fest. S. 245 M. Omnis res familiaris, quam pecuniam dici- mus etc. Selbst pecus muſs ursprünglich diesen Sinn gehabt haben, den es, wie das hebr. Npy· vollständig verloren hat. Die Gründe, die mich veranlaſsen, der allgemein adoptierten Meinung, daſs der erste Begriff von pecus und pecunia Vieh sei, entgegenzutreten, sind folgende. Pecus, das man im Lateinischen auf keine Quelle und keinen Begriff zurückzuführen vermag, entspricht dem goth. faihu, ahd. fihu. Nun steht zwar im Althochdeutschen unser jetziger Begriff von Vieh bereits fest, aber das Gothische kennt ihn noch nicht. Hier übersetzt faihu riεαœ(Ev. Marc. 10, 12), xειιαρ◻αα(Marc. 10, 23; 24; Luc. 18, 24), d νυοοονν(Marc. 14, 11) und in allen com- positis ohne Ausnahme hat es diesen Sinn. Wir mülſsen daher schon um dezwillen annehmen, daſs die frühere Bedeutung des Wortes Besitz gewesen sei. Dazu veranlaſst aber auch seine Entstehung. Denn es ist aus der Wurzel fah(Grimm Gr. 2, 28 Nr. 309) hervorgegangen, die in unserm fahen noch erhalten ist, und wie nah sich capere und possidere stehen, haben wir bei herus(S. 24) gesehen. Selbst unser deutsches haben ist nichts anderes als das lat. capere(vgl. Grimm Vorr. zu Schulze'’s Goth. Glossar S. 13), und in goth. haban steht b für f wie in haubith = caput. Wie aus dem allgemeinen Begriffe Besitz der specielle Vieh sich entwickelt, zeigt auch xri, vrεα(Hom. Od. 17, 471), von Wurzel α(vgl. S. 23), ahd. nôz= engl. neat, das erwähnte hebr. pppn, auſserdem S'yp oRop. In Ostfriesland wird noch heut zu Tage good (bonum) für Vieh gesagt z. B.'t goot moot upp de stall, das Gut muls in den Stall(Stürenberg Ostfr. Wb. S. 73), eben so im Bremischen z. B. Dat good geit nog buten, das Gut ist auf der Weide(Bremisch-Niedersaechs. Wb. 6, S. 88). Auch die Holsteiner gebrauchen Gut für Rinder, wie Gesenius in seinem hebr. Wb. unter oy bemerkt.
Das aus familia hervorgegangene familiaris hat selten den Sinn von famulus, es bezeichnet gewöhnlich den, der einem mit dem Herzen angehört, den innigen, treuen Freund, den Vertrauten.
An den Begriff besitzen, welcher dem famulus und familia zu Grunde liegt, schlieſst
sich auch das bis jetzt übel erklärte osc. faamat= habitat(Mommsen U. D. S. 308) leicht an. 4


