Aufsatz 
Über consul und consulere nebst einem Anhang über famulus und familia / Johann Heinrich Hainebach
Entstehung
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Sehen wir zuvörderst, in welcher Gestalt famulus und das davon unzertrennliche familia in den italischen Sprachen erscheint, und welche Form als die älteste angenommen werden muſs. Paulus Diaconus S. 87 M. sagt Famuli origo ab Oscis dependet, apud quos servus famel nominabatur, unde et familia vocata. In einer neapolitanischen Inschrift aus der Kaiserzeit (Mommsen J. N. 6305, 2; Corssen Ausspr., 255) lesen wir famola für famula. Hält man dieses mit jenem aus famelos abgestumpften oscischen famel zusammen und vergleicht man damit das oscische zicel..(Tab. Bant. 7) neben zicol-om(ebendas. 14; 17), so mülſsen wir famolos als lateinische Grundform annehmen. Von familia wird uns als ältere Form famelia über- liefert(Momms. J. L. 166), osc. famelo(Momms. U. D. S. 308), umbr. famerio?(Aufr. u. Kirchh. U. D. 2, 337). Wenn aber famolus älterist als famelus, famel, so darf man auch dem davon abgeleiteten famelia als Grundform famolia unterlegen, woraus familia in derselben Weise hervorgegangen ist, wie exsilium aus exsolium ¹6). Formell verhält sich familia zu famulus wie Sicilia zu Siculus. Sein Begriff kann, da es mit dem Suffix ia von einem adjectivum abgeleitet ist, ursprünglich nur ein abstracter gewesen sein wie vicinia, barbaria. Wie leicht aber solche Substantive concret werden, zeigt eben dieses vicinia(vgl. unser Nachbarschaft) und barbaria, das ebenfalls für barbari vorkommt(Cic. Cat. 3, 10§ 25; pro Arch. 8§ 19). Aehnlich ist es mit clientela, servitium, dovlelc, mit delectus= delecti, mit exercitus= exerciti.

Die Quelle, aus welcher famulus gefloſsen, läſst sich auf lateinischem Boden nicht auf- finden. Wir mülsen uns daher anderswo nach ihr umsehen. Vorhanden ist sie noch am lautersten im Sanscrit unter der Gestalt von bhag, welches einem lateinischen fag entspricht. Die Bedeutungen alle anzuführen, welche Boehtlingk-Roth in dem Petersb. Wb. und Westergaard in seinen radices linguae Sanscritae dieser Wurzel beilegen, muſs ich schon um deswillen unter- laſsen, weil ihre Aufzühlung mehr verwirren als aufklären würde. Offenbar ist jenen Lexico- graphen der Grundbegriff und der leitende Faden in dem Labyrinthe der Bedeutungen entgangen.

Als Grundbegriff muſs genieſsen im ausgedehntesten Sinne angenommen werden, und daraus ist besitzen, bewohnen hervorgegangen. Nimmt man noch dazu die causativen Begriffe von genieſsen und besitzen(vgl. S. 21), so ist es nicht schwer, sich zurecht zu finden. Die Bedeutung genieſsen zeigt sich zumeist bei dem abgeleiteten bhaks, aber auch bei bhag selbst, von dem es in Bochtlingk-Roth's Wb. unter 4 heiſst:In der älteren Sprache auch etwas zu genieſsen haben. Das adj. bhäg' übersetzt Lassen Anthol. S. 277 mit fruens, possidens(vgl. Bochtlingk-Roth unt. d. W.). Den Sinn von incolere und possidere so wie den causativen dare legt Westergaard dem Wurzelverbum bhag bei. Nicht unwichtig ist Bochtlingk-Roth's Angabe in Bezug auf das erwähnte bhaks:Genieſsen, verzehren, freſsen, in der älteren Sprache gewöhnlich von Flüſsigkeiten, seltener von festen Speisen.

Sehen wir uns nach Analogien für die besprochene Begriffsentwicklung um, so sind sie unschwer zu finden. Das geeignetste Beispiel möchte das griech. εκα⁴αα sein, welches die sämmtlichen oben angegebenen Bedeutungen in sich vereinigt. Zum Ueberfluſs will ich von jeder einen Beleg geben Soph. Phil. 706 0d Qooßν ieod v 0r60Oν, Ob* d³αυνε³αάαυν τιν ⁴⁴μ³ν α̈ςᷣ dοοτα. Hom., II. 12, 313 val rε⁵⁴μενοσ ve2εει. ς μινπα dνϑοο παeς

¹6) Als der erste Bogen bereits gedruckt war, fand ich eine willkommne Bestätigung meiner S. 4 A. 5 aus- gesprochenen Vermuthung bei Cassiodor ed. Garet. 2, 576, wo es heiſst Exsilium cum s(ex solo enim ire est) quasi exsolium, quod Graeci ssοριιφιαν dicunt. Antiqui exsoles dicebant.