20 um deswillen aus einander zu reiſsen, weil das Verständnis der Begriffe nicht auf der Ober- fläche liegt. In Bezug auf das Lateinische und Griechische hat der Grundsatz, daſs in etymo- logischen Dingen die Form malsgebend sein müſse, noch immer seine volle Anerkennung und Geltung nicht gefunden. Wie mancher klassische Philologe würde lachen, wenn jemand sagte, malus und melior müſsen aus einer Quelle gefloſsen sein, und doch vereinigt schlecht, wie wir eben gesehen, bei völliger Gleichheit der Form die Begriffe gut und schlecht.
Somit hätte ich Alles besprochen, was zur Wurzel sol im engeren Sinne gehört. Ihre frühere Gestalt sal und die daraus hervorgegangenen Bildungen können hier nicht in genauere Betrachtung kommen. Nur so viel will ich darüber sagen, daſs, wie ich glaube, mit der S. 13 aufgestellten Grundbedeutung aufrichten der Schlüſsel zu ihrem Verständnis gegeben ist. Zu Hülfe nehmen muſs man die nahestehenden Begriffe erheben, bewegen, welche alle auch in doyunut liegen. Salio ist= 50»uc, saltus theils= 6½ theils= 5009, salvus= 609(9 d. i. der Aufgerichtete, Gesunde im Gegensatze zu jacens, asilevog, dem Darniederliegenden, Kranken. Salebra, gebildet wie vertebra, latebra, bedeutet Holper d. i. eine kleine Erhöhung auf dem Wege. Salix Weide hat ihren Namen wohl von den beweglichen, schwanken Aesten. Salum und salus(Nonius S. 152 G.) ist das bewegte Element, das wabende Walser, wie Fischart im Gar- gantua das Meer nennt, ähnlich unserm Woge, goth. vegs(motus, fluctus) und unserm See, dem ebenfalls ein Verbum mit dem Sinne bewegen zu Grunde liegt(Grimm Gr. 2, 99; Weigand Wb. unt. See). Sal verhält sich der Form nach zu salum wie vas zu vasum. Während aber diesem der ursprüngliche Begriff See verblieben ist, hat sich bei jenem wesentlich der abge- leitete Seesalz, dann Salz überhaupt festgesetzt, d. h. der Name des Elementes ist dem daraus gewonnenen Produkte zu Theil geworden. So ist cerasus der Kirschbaum und die Kirsche, ficus der Feigenbaum und die Feige, fagus die Buche und die Buchel(vgl. ꝙyyòg), S⁴νασ die Eiche und die Eichel, 1ʃ„o, wie linum und unser Lein, die Leinpflanze uud die Leinwand. Im griech. dlg sind die beiden Bedeutungen See und Salz eingeschloſsen, jedoch durch das Geschlecht aus einander gehalten. Das deutsche Salz, goth. salt für sal-at lehnt sich genau an die Form dlag,&lar-og an. Wenn nun im sanscr. sara m. an der Stelle des l sich r zeigt, so mulſs dieses wieder als Trübung des ursprünglichen Verhältniſses angesehen werden(vgl S. 9), zumal man mit sara nichts anzufangen weiſs und auſser Stande ist es zu erklären.
Im Griechischen stimmen diejenigen der Wurzel sal entsproſsenen Wörter, welche das a bewahren, wie αοs, αeενα, αddοασσ, dag, dlun mit den entsprechenden lateinischen über- ein, und es macht sich auch bei ihnen der Begriff der Bewegung geltend, sowie bei sscr. sal (moveri). Derselbe zeigt sich auch bei dem umgelauteten ³οα, das wie Sdaos von Wurzel„α gebildet ist und etwas Geschwungenes ausgedrückt..μ⁵α bezeichnet etwas Aufgerichtetes, Aufgestelltes wie solium(S. 18). Beider Begriffe vereinigt ahd. stuol(Graff ahd. Sprsch. 6, 663).
Nicht so rasch darf ich über das Deutsche hinwegeilen, schon aus dem Grunde nicht, weil ich eine nicht unbedeutende Stütze für meine Erklärung von consul und consulere daher genommen habe, und jenes suljan auch in seinem Zusammenhange angeschaut werden will. Zur Wurzel hat es sal(Grimm Gr. 2, 54 Nr. 561) und diese bedeutet possidere. Davon leitet Grimm ab goth. saljan(habitare, divertere, offerre), alh. sal(domus), seljan, sellan(tradere, vendere), salic(dives, beatus), goth. selja(bonus). Hält man dieſs alles mit gasuljan(fundare) zusammen, so kommt man auf folgende einfache Begriffsentwicklung: sich aufrichten, nieder- laſsen, wohnen, besitzen, reich sein, und aus besitzen geht der causat. Begriff zu eigen geben hervor. Ueber sich aufrichten, niederlaſsen, wohnen vgl. consistere(Caes. B. G. 7, 3), franz.


