gegengesetzten Begriffe auch äuſserlich anzudeuten, ist natürlich, und wenn man es nicht streng durchgeführt hat, so mag der Grund darin liegen, daſs eine Collision derselben im Lateinischen nicht möglich war, weil sollus oder sölus ganz, abgesehen von einigen Zusammensetzungen, wo eine Verwechslung mit sölus allein nicht Statt finden konnte, den Oscern verblieb und nicht in's Lateinische übergieng. Analogien für die hier besprochenen Erscheinungen zu finden, fällt nicht schwer. Wir haben jetzt ein wider und ein wieder, ein das und ein daſs, ein schlicht und ein schlecht, ein höfisch und ein hübsch, je zwei verschiedene Gestalten eines und desselben Wortes. Den guten Menschen sucht der Franzose von dem einfältigen theils durch die Schreibung theils durch die Betonung zu unterscheiden. Jener ist le bon homme, dieser le bonhomme, in einem Worte geschrieben und mit weit kürzerer Aussprache und geringerer Betonung des bon. Unser adj. schlecht wird von dem Volke der Umgegend auf zwei ganz verschiedene Weisen gesprochen, je nachdem sie es in Beziehung auf die Sittlichkeit oder in Beziehung auf den Ver- stand gebrauchen. In letzterem Falle lautet das e viel breiter und gedehnter. Dieses eben erwähnte Adjectiv schlecht mag zugleich denjenigen einen heilsamen Wink geben, welche es vielleicht für ein eitles Unterfangen halten, sollus und sölus in Einklang bringen zu wollen. Gewiss stand das oscische sollus dem lateinischen sölus begrifflich nicht ferner, als das mittel- hochdeutsche schlecht dem neuhochdeutschen. Es bedeutete nämlich gut, also gerade das Gegen- theil von unserem jetzigen schlecht. Selbst Luther konnte noch sagen Jes. 26, 7. Des Gerechten Weg ist schlecht, und noch bis auf den heutigen Tag sagen wir schlecht und recht. Willkühr oder Zufall ist so was natürlich nicht, und alle derartigen Erscheinungen haben ihren guten Grund, der freilich nicht immer so leicht zu entdecken ist, wie bei unserm schlecht. Im alh. und mhd. bedeutete schlecht(= schlicht) so viel als planus, rectus, simplex und aus dem Begriffe planus, humilis entwickelte sich das Gegentheil von bonus, rectus(vgl. Grimm Gr. 3, 605). Diese kurze Dirgession möge meinem Versuch sollus ganz und söôlus allein als ein und dasselbe Wort darzustellen, als Einleitung dienen.
Das Ganze, das, in seinen Bestandtheilen angesehen, eine Vielheit darstellt, bildet in seinem Zusammenhange zugleich eine Einheit. Diese zwei verschiedenen Gesichtspunkte machen sich hier und da bei Verben, ganz besonders aber bei Adjectiven und Adverbien geltend. Man vergleiche νυ mit ⁴νο, das goth. ga-ainan(desolare) mit unserm vereinen, man erwäge besonders das mhd. vereinen, welches nicht nur verbinden, vereinigen, sondern auch trennen, vereinsamen bedeutet. Man vergleiche ferner unã(vgl. 6⁴ο) und universus(eigentlich in eine Einheit verwandelt) mit unus, simul, umbr. sumel?(Aufr. und Kirchh. U. D. 2, 385) mit semel, welchen beiden Adverbien die alte Form semol(Ritschl Mon. Epigr. tria S. 15 zu Grunde liegt), semper, das, wie parumper gebildet, wohl aus semum-per(vgl. did πσπ⁶ς) abgestumpft ist, mit simplex, simplus, singulus, similis(einerlei, gleich), sincinia(cantio solitaria Fest. S. 337 M.). Wie in diesem sem, getrübt sim, bald der Begriff des Ganzen bald des Einzelnen liegt, so auch in dem entsprechenden griechischen dē, èu, ox&, aus Gαmι, ε, ααα hervorgegangen. Dem dãu« steht gegenüber els in odd-- α= o0d-Sig, dem dxαs das aller Wahrscheinlichkeit nach aus èug,&yg entstandene elg(Curt. Et. Gr. 2. Ausg. S. 352; 477). Dazu halte man goth. sama(unus, idem), sanscr. sama(omnis) und sima(totus). Nirgendswo aber liegt dieses Verhältnis klarer am Tage als in dem hebräischen Zahlwort o(unus) und dem Adject. r (unicus, solus), beide hervorgegangen aus Verben, die verbinden, vereinigen bedeuten, während ein Verbum desselben Sinnes, nämlich conjungo, dem cunctus seine Entstehung gegeben hat. Diese Unter- suchung mag zugleich zeigen, wie sehr man sich zu hüten habe, der Form nach Zupam nenpehöriges


