Aufsatz 
Über consul und consulere nebst einem Anhang über famulus und familia / Johann Heinrich Hainebach
Entstehung
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wahren Bedeutung kaum mehr gefühlt wird, nämlich Berather d. h. Helfer, Versorger. Im 17 Jahrhundert viel gebraucht, findet es sich noch selten bei Dichtern z. B. Bürger II. 3 St. 2 Rh. Es ziemet dem Berather, dem ein Heer vertraut ist, der sorgen soll, nicht nächtelanger Schlaf (vgl. Hom. II. 2, 24); Rückert Ged.(Auswahl des Verf.) 1841, S. 147 O lieber heil'ger Christ, Nicht Mutter und nicht Vater Hab' ich, wenn du's nicht bist. O, sei du mein Berather, Weil man mich hier vergiſst. Auch im Griechischen giebt es mehrere derartige Wörter, nämlich 4⁴σ uεdéν und 4⁴mτνο, letzteres von uu, d-oαα gebildet wie florco von fid. Der ihnen zu Grunde liegende Begriff ist noch erhalten in dem verwandten goth. mitan und miton meſsen, ermeſsen, überlegen, sinnen. Im griech. 4⁴οσρ⁴α und 1εν⁶6ονα ist die erste Bedeutung verloren gegangen, dagegen entwickelte sich, wie bei consulere, sorgen, lenken, walten. Mit dem griech. ⁴ε⁴αω im Einklange steht, nach Form und Begriff, das oscische medix(Momms. U. D. S. 278; Ose. Stud. S. 77), abgestumpft aus medicus wie tutix aus tuticus(Momms. U. D. S. 229; 304; Aufr. und Kirchh. U. D. 2, S. 49, 75, 168). Das dem medicus zu Grunde liegende medeor verhält sich zu meditor wie polliceor zu pollicitor, und während meditor den früheren Begriff überlegen bewahrt hat, bedeutet medeor sorgen, helfen, heilen. Diesen Hergang veranschaulichen auf's deutlichste das verwandte 1εα⁴οωαν und das lat. curare. Da nun tuticus ein von osc. tuto Ge- sammtheit(= goth. thiuda) gebildetes Adjectiv ist(Aufr. und Kirchh. U. D. 2, 48), so bedeutet medix tuticus so viel als procurator reipublicae(vgl. Cic. de Rep. 2, 29§ 51), also dasselbe, was consul. Einen Titel gleiches Sinnes führte bekanntlich Cromwell, protector of the com- monwealth.

Erst als ich dieses niedergeschrieben hatte, kam mir Schömann's Abhandlung De vocibus Meddix Tuticus in dessen Opusc. Acad. 3, 411 zu Gesiclit und ich fand hier schon den medix mit dem consul verglichen. Zugleich ersche ich aus derselben, daſs Schömann wie Pott(S. 10) für das Wort consul den Begriff postuliert, den ich entwickelt habe.

Damit wäre ich an das Ziel meiner nächsten und wesentlichsten Aufgabe gelangt. Nun bleibt mir noch eine andere, untergeordnete zu lösen übrig. Soll die etymologische Untersuchung eines einzelnen Wortes volle Befriedigung gewähren, so ist es nöthig, alles das, was gleiche Abstammung verräth, mit ihm in Einklang zu bringen. Davon kann ich mich schon um des- willen nicht befreien, weil der Beweis für meine Behauptung, daſs im Lateinischen für die Wurzel sol befestigen als Grundbegriff angenommen und alle ihr entsproſsenen Wörter auf diesen zurück- geführt werden mülfsten, noch zu liefern ist. Aus derselben Quelle, aus welcher consulere, sind geflossen söleo, sölor, sölidus, sollus, sölum insula, sölox, sölea, sölium, sölus. Exsul ist schon früher besprochen, zusammen mit dem nicht hierher gehörenden praesul(S. 3). Von dem subst. sol kann hier um deswillen nicht die Rede sein, weil es andern Ursprunges ist. Denn dessen 1 ist nicht wurzelhaft, sondern ableitend, wie wir aus dem übereinstimmenden goth. sauil abnehmen können, welches altn. söl lautet, ganz wie das lat. sol(Grimm Gr. 2, 111). Wie das Wort zu erklären und zu verstehen ist, kann ich hier nicht auseinander setzen. Dals ich übrigens nicht die Meinung derjenigen theile, welche es aus einer Sanskrit-Wurzel svar oder sur entstehen laſsen, geht theils aus dem eben Gesagten hervor, theils aus der S. 9 entwickelten Ansicht.

Söleo und solor will ich zusammenfaſsen. Beide verhalten sich zu dem Wurzelverbum sölére wie sédeo und sédo zu sidere. Dalſs sölére transitive, sidere ¹4) intransitive Bedeutung hat,

¹4) Sido ist aus der reduplicierten Form sisedo entstanden, indem das wurzelhafte e, wie bei gigno, schwand, und dann s vor d abfiel, wie bei idem für isdem, judex für jusdex, dido für disdo, tredecim für tresdecim. Das griechische lgo ist eben so zu erklüren und steht für 6idερμ, 16, 10½0.