Aufsatz 
Über consul und consulere nebst einem Anhang über famulus und familia / Johann Heinrich Hainebach
Entstehung
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anzunehmenden solo ist noch eine Spur vorhanden, die uns Festus S. 351 M. aufbewahrt hat, und die ganz anders hätte berücksichtigt und gewürdigt werden sollen, als es geschehen ist. Hier heiſst es: Solino idem(Messala augur) ait esse consulo. Dasselbe sagt Paulus Diaconus S. 350 M. Solino intelligitur consulo. Diese Glosse um deswillen anzutasten, weil Festus uns die erste Person überliefert, während solche Bildungen mit n sich fast ausschlieſslich in der 3. Plur. des praes. finden, wie ferinunt, danunt, inserinuntur, prodinunt, redinunt, nequinunt, obinunt, explenunt, solinunt statt solent, dazu ist durchaus keine Berechtigung vorhanden. Sicher hat Festus diese erste Person Sing. vorgefunden, da er ja sonst immer die 3. Plur. dieser Bildung erwähnt. Und was hat sie denn so Auffallendes? Wir haben delino neben deleo (vgl.&Æαααεκεςαό), fruniscor neben fruor, pono hervorgegangen aus posino, posno und vieles andere der Art(vgl. Corssen Ausspr., 420) und wir sollten an jenem solino Anstoſs nehmen?

Aus soltre ist consolere und dann consulere ganz so hervorgegangen wie occolere, occulere aus colo, dessen früheste Bedeutung sicher keine andere gewesen ist als sich bergen (vgl. unsre Abhandlung über feg und g S. 5). Dals occulere, das man unbegreiflicher Weise noch immer mit cölare in directe Verbindung bringt, trotz der unvereinbaren Vocale é und ü und trotz der heterogenen Conjugation, früher ebenfalls o an der Stelle des u gehabt hat, geht deutlich aus der Form oquoltod d. i. occulto hervor, welche uns das Senatus consultum de Bacchanalibus(Mommsen J. L. 196, 15) überliefert. Consulere stimmt demnach in jeder Beziehung mit occulere und den daraus hervorgegangenen Bildungen. Man vgl. consulo, con- sului, consultum, consulere mit occulo, occului, occultum, occulere, consulto mit occulto, con- sultatio mit occultatio.

Was den Uebergang eines vor l stehenden o in u anbelangt, so ist er nichts weniger als selten. Es zeigt ihn tolerint(Momms. J. L. 208), detolerit(das. 198), Hercoli, popolus, tabola, vincola, singolei(Ritschl Mon. Epigr. tria S. 15), semol(Ritschl Prol. Plaut. S. 97), pocolom (Momms. J. L. 43; 44; 45; 46; 47; 48; 49; 50).

Eine augenscheinliche Bestätigung findet jenes erschloſsene solére im Deutschen. Wir haben nämlich ein goth. ga-suljan, ein compos. von suljan, das als simplex ebenfalls nicht vor- kommt. Sehr merkwürdig ist nun, daſs den oben genannten Verben colere, molere, velle, welches aus volre ¹³) entstellt ist, ein goth. u. ahd. huljan bergen, verbergen, ein ahd. muljan mahlen, ein goth. viljan wollen, dessen i aus u entartet scheint, gegenüberstehen. Es ist demnach nicht zu bezweifeln, daſs auch jenes solére dem suljan entspricht und consolere dem ga-suljan, da das goth. ga gleich dem lat. con, co(vgl. cosol) ist(Grimm Gr. 2, 751), vorausgesetzt daſs die

et is, qui appellatur vultus, qui nullo in animante esse praeter hominem potest, indicat mores. Damit vgl. Cic. Or. 3, 59§ 221 Imago animi vultus est. Dalfs Wille und Gesinnung verwandte Begriffe sind, zeigt voluntas(Cic. Cat. 4, 8§ 17) und mos, wie nahe sich Character und Aussehen stehen, beweist das griechischeog. Diese Erörterung glaube ich nicht beſser schlieſsen zu können als mit einer Stelle aus Dante's Div. Com. 28, 43, die, nach der Uebersetzung des Philalethes also lautet: O schönes Weib, das an der Liebe Strahlen sich wärmt, wenn ich dem Angesicht darf trauen, das Zeugnis von dem Herzen pflegt zu geben.

¹3) Es scheint mir unzweifelhaft, daſs die ursprüngliche Form des Infinitivs volere gelautet hat, daſs daraus mit Weglaſsung des Bindevocals volre wie ferre für ferere, sodann durch Uebergang des o in e und Assimilation des Ir, welches keine lateinische Lautverbindung ist, velle entstanden ist. Das bei volo auftretende e mufſs als Trübung des o angesehen werden, da auch sonst bei vorangehendem v das o älter ist als e, vgl. voster(Momms. J. L. 201, 8, 9, 13), advortit(das. 201, 4), vorsus(das. 197, 17), vorrere, votare(Ritschl Prol. Plaut. S. 95), convollere (Cassiodor. ed. Garet. 2, 576). Bopp vgl. Gr. 3 S. 271 läſst velle aus velse entstehen. Velse würde nicht in velle übergegangen sein, da ls im Inlaute eine ganz gewöhnliche Verbindung ist vgl. celsus.