Aufsatz 
Über consul und consulere nebst einem Anhang über famulus und familia / Johann Heinrich Hainebach
Entstehung
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11 Begriffes sitzen mit springen angenommen wird, ist nicht von der Art, daſs ich länger dabei ver- weilen müſste, und es ist Zeit, daſs ich zur Entwicklung meiner eigenen positiven Gedanken schreite.

Wenn es sich um die Etymologie eines Wortes handelt, ist es vor Allem nöthig, seine Wandlungen im Laufe der Zeiten zu verfolgen und besonders seine älteste Gestalt ausfindig zu machen. Denn diese muſs zum Ausgangspunkte genommen und zu Grunde gelegt werden. Glücklicher Weise sind wir, was consul und consulere anbelangt, durch eine nicht unbedeutende Anzahl alter Inschriften in den Stand gesetzt, diese mit Sicherheit zu kennen. Sie ist consol und consolere. Zweimal consol und einmal cosol neben cesor für censor haben die Grabdenk- mäler der Scipionen(Momms. J. L. 30; 31; 32), von denen der ältere 456 nach Gründung Roms Consul war, und so haben alle Inschriften bis 673, wo in der Lex Cornelia de XX quaestoribus(Momms. J. L. 202) zum erstenmal consul auftritt. In der Lex Antonia de Termessibus vom Jahre 683(Momms. J. L. 204) taucht noch einmal consolibus neben consulibus auf. Consolere scheint mit consol gleichen Schritt gehalten zu haben. Im Sen. Cons. de Bacchanalibus vom J. 568 tritt diese Form viermal auf. Nur dann, wenn auf l der Con- sonant t folgt, also im part. praet., zeigt sich der Uebergang des o in u schon etwas früher, nach dessen bekannter Neigung(vgl. cultus, vultis). Daher consultum in der Lex repetundarum vom Jahr 631 oder 632(Momms. J. L. 198, XVIII) und consulto in der Genueser Tafel vom J. 637(Momms. J. L. 199, 5). Die einzelnen Formen, welche o bewahrt haben, und die Inschriften, in welchen sie vorkommen, sind folgende: Consol Momms. J. L. 30; 32; 40; 195; 200, XXIV; 530; 531; 539; consolibus 204, I, 16; cosol 31; 41; consoluerunt 196, 1; consoleretur 196, 7, 9, 18; consolto 548.

Daſs consolere als starkes Verbum nicht von consol abgeleitet sein kann(vgl. S. 6), daſs es aufserdem mit con zusammengesetzt sein muſs, insofern solche verba auch im Latei- nischen nur einsilbige Wurzeln haben, darf ich als unzweifelhaft ansehen. Das ihm zu Grunde liegende einfache Verbum mufs solo, solui, sultum gelautet haben, übereinstimmend mit colo, colui, cultum; molo, molui, molitum ¹¹); volo, volui,(vultum) ¹²). Von diesem mit Sicherheit

¹¹) Das supin. molitum, verglichen mit cultum und consultum, begründet eben so wenig einen Unterschied in der Formation als ab-olitum verglichen mit ad-ultum oder alitum mit altum. Der Grund, weshalb man bei molitum den Bindevocal i hat eintreten laſsen, liegt zu Tage. Man wollte dadurch das Adjectiv multus vor einer Verwechs- lung mit dem Participium bewahren. Aber genau besehen, ist multus eigentlich eben so wohl part. praet. von molo wie molltus. Die Grundbedeutung von molere ist zermalmen und das Zermalmte, wie Staub, Sand, Asche, ist das Unzählige, Unermelsliche. Wie leicht diese Begriffe an sehr viel oder viel anstreifen, weils jeder. Am meisten verwenden die Franzosen ihre adjectiva innombrable, immense, infini in dieser Weise, da ihnen die Möglichkeit fehlt ihr beaucoup zu steigern. Aehnlich wird im Lateinischen innumerabilis gebraucht z. B. Cic. Verr. Act. 1, 5§ 13 Innumerabiles pecuniae ex aratorum bonis novo nefarioque instituto coactae. Und multus selbst drückt hie und da bei weitem mehr aus als viel z. B. Cic de Rep. 1, 36§ 56 Multi testes, siquidem omnes multos appellari placet. Zu dieser Auflalsung des adj. multus stimmt auch das, was Nonius S. 302 G. sagt Multum infinitum est. Bemerkens- werth ist, daſs die deutsche Wurzel mal(Grimm Gr. Nr. 69 und 560), welche dem lat. molere entspricht, zwei Sub- stantive mit dem Begriffe erzeugt hat, welcher so oft dazu dient, das Unermefsliche, Viele auszudrücken, nämlich goth. mulda(pulvis) und goth. malma(arena) ahd. melm(pulvis). Wie häufig im alten Testament Sand und Staub ein Bild des Unermeſslichen sind, ist bekannt. Nur ein Beispiel will ich daraus anführen Psalm 78, 28 Er lieſs Fleisch auf sie regnen wie Staub, und Vögel wie Sand am Meer. Auch den Grichen war diese Ausdrucksweise nicht fremd. Homer sagt II. 9, 385 ou6 e! 1104 rödα doin ddoα Edανος re z6*18 Te.

¹2) Abgesehen von allem andern, drüngt uns zur Annahme dieses Supinums das subst. vultus, das sonst nirgendswo untergebracht werden kann. In der Willensrichtung zeigt sich des Menschen Gesinnung und diese in seinem Gesichte. Trefflich erläutert diesen Gedanken Cic. de Leg. 1, 9§ 26 und 27 Natura speciem ita formavit oris (humani), ut in ea penitus reconditos mores effingeret. Nam et oculi.... quemadmodum animo adfecti sumus, locuntur,

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