9 Attribut der Consuln, es kam dieses auch dem prätor, dictator, magister equitum zu(Cic. Leg. 3, 4§ 10; Momms. J. L. 201; 202). Am allerwenigsten aber kann ich mich befreunden mit der Annahme einer lateinischen Wurzel sar, welche die Bedeutung gehen, flieſsen gehabt und sich in sal, sol gewandelt hätte. Allerdings giebt es eine lat. Wurzel sar, deren a, wie gewöhnlich vor r(vgl. fero), in e übergegangen ist, erhalten in sero, serui, sertum. Diese hat aber weder den Begriff gehen, flieſsen noch zeigt sie irgendwo l an der Stelle des r. Ich stelle sogar in Abrede, daſs überhaupt ein wurzelhaftes r im Lateinischen in l übergeht, so nah auch die beiden Laute in den ableitenden Bestandtheilen der Wörter sich stehen mögen, wo namentlich euphonische Gründe sich geltend machen z. B. moralis dagegen molaris, periclum dagegen sepulcrum. Sollte jemand meinen, daſs meiner Behauptung Parilia neben Palilia im Wege stände, so wäre das mehr als ein einfacher Irrthum. Sicherlich ist Palilia, abgeleitet von Pales, die ältere Form, also r aus l hervorgegangen. Auch scheint Varro(L. L. S. 79 M.) die Form Parilia noch nicht zu kennen, da er sie nicht erwähnt. Vermuthlich hat die spätere Zeit in dem Bedürfnis, dem dunklen Worte eine Deutung zu geben, die Umwandlung in Parilia vor- genommen, nicht aus einem euphonischen Grunde, da man ja auch lilium, pilula, pullulus, culullus, cellula, sellula sagte. Auch ist das l in Palilia und somit das daraus gewordene r ableitend. Denn Pales, gebildet wie fe-les,(vgl. fe-cundus), hat zur Wurzel paã, die wir auch in pasco, pabulum und sonst sehen, und stimmt überein mit sanscr. päla, Hüter. In naher Verwandtschaft mit ihm steht palari Hirte, Nomade sein, schweifen. Ueber eine ganz ähnliche Begriffsentwicklung im Deutschen sieh Grimm Gesch. d. deutsch. Spr. S. 29. Corssen hat zwar in seinen Krit. Beitr. S. 377 und Ausspr. 1², 222 fgg. eine Menge Fälle zusammengestellt, in denen wurzelhaftes r in l übergegangen sein soll, aber für erwiesen oder auch nur wahr- scheinlich kann ich keinen einzigen halten, so lange nicht jemand den Beweis liefert, daſs das Sanscrit eine Art von Ursprache oder die reine Mutter der entarteten europäischen Töchter- sprachen ist, welcher diese sich unbedingt unterordnen und fügen müſsten. Ich meinestheils bin vielmehr der Ansicht, daſs in den Fällen, in welchen die Identität einer Wurzel im Sanscrit und Lateinischen eine unzweifelhafte ist und an der Stelle eines lateinischen l im Sanscrit r erscheint, die Entartung auf dem Boden des Sanscrit vor sich gegangen ist. Diese Behauptung, mit der ich nicht bloſs Corssen, sondern einer vielverbreiteten Meinung entgegentrete, darf ich nicht ganz ohne Rechtfertigung laſsen, und ich glaube sie am leichtesten erzielen zu können, wenn ich ein Paar der sichersten und bekanntesten Beispiele, wie luceo und clueo, auswähle und daran meine Bemerkungen knüpfe. Die Wurzeln dieser beiden Verba erscheinen auch im Sanscrit in der Gestalt von rué, Sru(= c), und mit derselben Bedeutung, nur dafs Sru den activen Sinn audire, clueo dagegen wie so viele verba der zweiten Conjug. passiven oder vielmehr intransitiven hat. Zugleich finden sich dieselben auch im Griechischen und Deutschen. Dort haben wir Asux-g, A-G, hier goth. liuh-ath(lux), ahd. hlüt(sonorus, clarus) in völliger Uebereinstimmung mit lat. clutus(Festus S. 55 M.), mit griech. luròg und sanscr. Srutas. Nun hat sich die lateinische, griechische und deutsche Sprache jede unabhängig von der andern entwickelt. Wie läſst sich da annehmen, daſs bei der Uebereinstimmung der drei andern Sprachen in Bezug auf das l das Sanscrit die ältere Gestalt jener Wurzeln bewahrt habe? Daſs das Sanscrit in diesem Punkte nicht mafsgebend sein kann, geht auch aus andern Erscheinungen hervor. Da sich nämlich r und l in dieser Sprache offenbar viel näher stehen als im Lateinischen, Deutschen und selbst im Griechischen, so ist es nicht selten, daſs sich
eine und dieselbe Wurzel oder der wurzelhafte Bestandtheil eines Wortes bald mit r bald mit 1 2


