Aufsatz 
Über consul und consulere nebst einem Anhang über famulus und familia / Johann Heinrich Hainebach
Entstehung
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7 aus censere in dem Sinne von schätzen, beurtheilen entstehen zu lassen. Warum Schweizer- Sidler, Zeitschr. für Vgl. Spr. 14, 149 das scharfsinnig nennt, verstehe ich nicht.

Ganz andere Gedanken hat Eschmann über die Entstehung und Bedeutung der Wörter consulere, consul, exsul, praesul. In der Ztschr. f. Vgl. Spr. 13, 106 sagt er:Ich behaupte, daſs eigentlich consulere zusammen sitzen heiſst und gleichermaſsen das sul in consul, exsul und praesul nichts anderes als sitzend oder Sitzer.

Die Wurzel sal, lat. sol mit dem Sinne der Wurzel sad(lat. sed) verräth manches Lebenszeichen, vielleicht ist sie bloſs ein Auswuchs der letzteren, da bekanntlich d gern in 1 übergeht.

S. 110 heiſst es:Was den Namen consul angeht, so will dieser sagen, dals seine beiden Träger auf den curulischen Stühlen zusammensitzen.

Allerdings giebt es eine weitverbreitete und viel verzweigte Wurzel sal, im Lateinischen meist in der Gestalt von sol auftretend, aber die Bedeutung sitzen ist ihr vollständig fremd. Alles, was E. beibringt, um sie zu stützen, wie goth. saljan(habitare), griech. εαμα, oeulg, 0*.*α⁶eςσ, das mit sedare verglichene solari, selbst solium beweist nichts für sie, was aus dem Verfolge dieser Abhandlung erhellen wird. Der Schwäche seiner Stützen scheint er sich selbst bewuſst und darum geneigt zu sein, sal gleichsam als eine Abart von sad anzusehen. Demnach hätte diese Wurzel nicht bloſs die verba sidere, sedere und sedare erzeugt, sondern auch ein solére. Die Römer sind zwar, ganz anders als die Griechen, nicht sehr schonend und glimpflich mit dem leiblichen Elemente ihrer Sprache umgegangen, sie haben was ihrem Organ und ihren Ohren widerstrebte weggeworfen oder geändert, freilich nicht regellos; aber von einer derartigen Entstellung und Verwischung der Wurzelgestalt ist mir kein Beispiel bekannt. Aufserdem widerstreben jener Annahme zwei Dinge. Erstens geht im Lateinischen ein wurzelhaftes älteres e in keinem Wurzelverbum, was solére doch ist, in o über. Sodann wäre jener Uebergang des d in 1 ohne gleichen. Denn d geht nur in einigen wenigen abgeleiteten Wörtern in l über und zwar entweder im Anlaute oder zwischen zwei Vocalen stehend, nicht im Auslaute und nicht vor einem Consonanten. Consul, praesul, exsul, consultum ständen daher ganz abnorm. Auch das würe unbegreiflich, daſs die ursprünglichen Formen consudo, consudui u. s. w. sollten spurlos verschwunden sein, während in allen andern derartigen Fällen das frühere d noch irgendwie erhalten ist. Ueberhaupt aber glaube ich nicht, daſs das d der Wurael sed in irgend einem lateinischen Worte sich in l verwandelt habe, wenn nicht ein Lautgesetz dieses nöthig machte wie bei sella für sedla. Die Wurzel sad ist eine sehr weit verbreitete, sie findet sich mit einer Masse von Sproſsen im Sanskrit, Deutschen, Griechischen und Lateinischen, ja selbst im Semitischen, wo sich unter anderen das hebr. 410, söd(consessus, ααιeοο) in völliger Ueber- einstimmung mit Sanskr. sadas(conventus) zeigt, aber nirgendswo sehe ich ihr d in l über- gegangen.

Nicht beſser als die Form des Wortes consul ist dessen Sinn von E. erklärt. Haben denn die beiden Männer, welchen die Römer für ein Jahr die Leitung des Staates und namentlich die vollziehende Gewalt anvertrauten, ihre wesentlichen Geschäfte auf den curulischen Stühlen verrichtet? Oder ist das Sitzen auf solchen Stühlen etwas die Consuln Auszeichnendes und Characterisierendes gewesen? Haben nicht auch andere Beamte auf curulischen Stühlen gesessen? Dalſs der praesul der Salier zum praeses gemacht wird, davon will ich nicht reden.

Auch Doederlein Synon. u. Etym. 5, 344; 6, 78 ist geneigt consulere als eine Nebenform von considere anzusehen. Zugleich kommt ihm aber Handb. der lat. Etym. S. 43 noch ein