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Jenes alte conso, von dem Schoemann redet, hat seit vielen Jahren eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Schon J. G. Vossius nimmt in seinem etymologicum unter consentia ein solches an. Grotefend Hall. Littz. 1834 N. 74 adoptiert dasselbe, um consulere daraus zu erklären und bringt es in Verbindung mit censere. Dasselbe thut Henning Leipz. N. J. 7 Suppl.-Bd. S. 278. Ja sogar in die Schulwörterbücher hat es Aufnahme gefunden als Grundlage von consul und consulere, mit allerlei Bedeutungen ausgestattet. Aber es ist weiter nichts als ein Phantasiegebilde, das aller Wirklichkeit entbehrt. Zwar sucht man es durch consentes, ja sogar durch den Gott Consus zu stützen, aber wie mag man consentes von consum trennen, wenn man ein praesens und absens von praesum und absum hat und an das griechische œeudyreg, Geαννοοσσεα denkt? Das dunkle Consus, dem vielleicht die Wurzel sa(vgl. sa-tum) seine Entstehung gegeben hat, wie dem condus die Wurzel da, ist natürlich eben so wenig im Stande, jenem conso Realität zu verleihen. Aber wenn es auch ein solches gäbe, so könnte consulo daraus nicht hervor- gegangen sein, da es der dritten Conjugation angehört, und diese, mit Ausnahme einiger auf uo, welche einen zweisilbigen Stamm haben wie statuo, nur unabgeleitete verba enthält. Zudem wilsen wir, daſs die verba, in welchen ul Suffix ist oder dazu gehört, sämmtlich nach der 1. conjug. gehen, wie folgende Beispiele zeigen mögen: simulo, maculo, coagulo, bajulo, ambulo ⁶), vapulo ⁷), copulo ³), ustulo, pustulo, postulo, petulo wovon petulans, fistulo 9) wovon fistulatus und fistulator, jugulo, pullulo, tabulo ¹⁰), stimulo, tumulo, cumulo, jaculor, speculor, epulor, circulor, joculor, modulor, gratulor, vitulor(vgl. 7τ οάG⁶), nidulor, stipulor, fabulor, pabulor, stabulor, aemulor, famulor. Hiermit fällt natürlich auch der von L. Meyer Vergleich. Gramm. 2, 70 gemachte Versuch, consulere aus consuljere, dieses aus consul, consul hinwiederum
6) ambulo setzt ein adject. ambulus voraus, welches sich in funambulus noch erhalten hat, und dieses ist aus ambio in derselben Weise hervorgegangen wie garrulus aus garrio.
²) Um, wo möglich, etwas dazu beizutragen, dals endlich väãpulo als verbum mit activer Form, aber passiver Bedeutung aus den Grammatiken verschwinde, will ich versuchen es zu erklären. Wir haben ein goth. vöp-jan (clamare), ahd. wuofan(flere), dessen Wurzel mit der des lat. vapulo übereinstimmt. Ich möchte daher annehmen, daſs vãp-ulo den Sinn von weinen habe und ganz so wie das griech. Aaic und 011εο gebraucht werde. Vapulare a ist zu erklären wie interire a. Störend in der Sache ist nur eins, dafs nämlich das Gesetz der Lautverschiebung verletzt ist, da ein lat. p im goth. ein f verlangt. Doch einen ganz ähnlichen Fall führt Grimm Gesch. S. 432 an. Ich verweise noch auf sapa, angels. sap, ahd. saf. Darf man dem jau ein f zuschreiben, dem kaum etwas im Wege steht, so ist man berechtigt auch dieses hierher zu ziehen und dem goth. vöp-jan(clamare) zur Seite zu stellen. Noch muls ich auf eine Stelle bei Festus S. 372 M. verweisen, wo es heilst Aelius vapula positum esse ait pro dole, Varro pro peri.
8) copulo ist von copula abgeleitet, und dieses aus coipula wie cogo aus coigo, promo aus proimo zusammen- gezogen. Zu Grunde liegt ihm die Wurzel ap, deren a in i übergegangen ist, mit der Bedeutung fügen(vgl. aptus). Ganz ähnlich gebildet ist decipula, excipula, muscipula. Wie copula aus coipula, so ist wohl auch copia aus coipia entstanden und nicht aus coopia, wie man gewöhnlich annimmt, da co mit einem folgenden o nicht contrahiert wird, und schon in den ältesten Inschriften(Momms. 195; 206, 113) copia erscheint. Gebildet ist es wie desidia, inedia, vindiciae und seine Bedeutung Zusammenfügung, Sammlung, dann das Gesammelte, der Haufe(vgl. congeries, strues).
²) fistula und fistulo ist auf das ursprüngliche part. fistus für fissus zurückzuführen, zu dem es sich verhält wie das alte comestus(Struve Lat. Decl. und Conj. S. 230) zu dem daraus gewordenen comessus(Ritschl Prol. Pl. S. 102) und comesus. Die Pfeife ist also genannt vom öffnen, durchbohren(vgl. Momms. U. D. S. 309), wie das hebr. 5,07 die Flöte, Pfeife.
¹⁰) tabula und tabulo, verglichen mit fabula und fabulor, weisen auf ta als wurzelhaften Bestandtheil, der sich auch in taberna und tabernaculum findet und im griech zeivc(ré-ra-za) enthalten ist(vgl. Curtius Et. Gr. ² S. 196). tabula ist also vom Ausdehnen, Ausbreiten genannt, wie unser deutsches Bret in naher Verwandtschaft zu breit und goth. braidjan(extendere) steht.


