Aufsatz 
Über consul und consulere nebst einem Anhang über famulus und familia / Johann Heinrich Hainebach
Entstehung
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berechtigt, als ursprüngliche Form exsolis anzunehmen, welche die Endung is eingebülst hat wie vigil subst. neben vigilis adj., mugil neben mugilis(vgl. Schneider L. Gr. 2, 152; Bücheler lat. Decl. S. 8; Ritschl Opusc. Phil. 2, 331). Es läuft natürlich auf dasselbe hinaus, wenn man wie bei scobs, bloſse Syncope des i annimmt, welche dann den Wegfall des s wie bei sal zur Nothwendigkeit machte. Wenn Corssen(Nachtr. S. 284) die Ableitung von solum deshalb nicht gelten lassen will, weil solum niemals den Sinn von terra hätte, so brauche ich zur Wider- legung dieser Behauptung nur eine Stelle aus Festus anzuführen, wo es S. 298 M. heiſst: Solum, terram. Ennius(Ann. 3, 151 Vahl.): Tarquinio dedit imperium simul et sola regni. An einer andern Stelle(S. 351) sagt ebenderselbe: Solum quin significet locum, quis dubitet? Solum, von dessen Entstehung später die Rede sein wird, ist Land, Grund, Boden. Daſs es auch für den vaterländischen Boden, für solum patriae, gebraucht worden ist, geht deutlich hervor aus der Redensart solum mutare oder vertere, was so viel ist als in exsilium ire, den heimischen Boden verlassen. Auf ganz ähnliche Weise verbindet Curtius 3, 18 Z., nur anders construierend, mutare mit patria sedes in dem Satze: Exsilium patria sede mutaverat. Auch wir gebrauchen Land für Vaterland z. B. auſser Landes sein, und eben so der Franzose pays z. B. je retournerai au pays. Es scheint mir daher keinem Zweifel zu unterliegen, daſs exsul nichts anderes bedeutet als extorris 4) und unser ahd. uzlenti(exsul, Graff ahd. Sprachsch. 2, 239) d. h. der auſser Landes Seiende. So sahen auch die Römer selbst die Sache an, wie wir aus folgenden Stellen abnehmen können: Liv. 5, 30 Ne exsulem, extorrem populum Romanum ab solo patrio ac diis penatibus in hostium urbem agerent. Cic. Parad. 4§ 31 Omnes... quos leges exsilio adfici volunt, exsules sunt, etiam si solum non mutarunt. Festus S. 351 M. Exsules dicuntur loco patriae suae pulsi. Nonius S. 7 G. Exules dicuntur extra solum. Vgl. auch Weissenborn Alterthw. Jahrg. 1836 S. 1184. Aus exsul ist exsulare und exsilium 5⁵), das aufser Landes Sein, die Verbannung, in derselben Weise hervorgegangen, wie vigilare, vigilium(per- vigilium) aus vigil.

Wir sehen, daſs sul in exsul ein ganz anderes ist als in praesul, und daſs es in beiden Wörtern nichts gemein hat mit dem, welches Niebuhr annimmt. Es fragt sich nun, wie es

4) Extorris ist regelrecht aus terra gebildet, nur daſs e wieder vor r in o übergegangen ist. terra selbst steht für tersa und ist das fem. eines Adjectivums, dessen neutr. terum für terrum oscisch mit demselben Sinne vorkommt (Momms. U. D. S. 299; Osc. St. 85). Seine Bedeutung ist das Trockne, wie aridum(Caesar B. G. 4, 24; 26; 29) und r*αασρέραςρα(Hom. II. 14, 308; Od. 20, 98) im Gegensatz zu vyga(ebendas. und Od. 1, 97; 4, 709), dem feuchten Elemente. Dasselbe Adjectivum mit dem Umlaut o überliefert uns Festus S. 355 M. mit den Worten Torum, ut significet torridum, aridum, per unum quidem r antiqua consuetudine scribitur, sed quasi per duo r scribatur, pronuntiari oportet. In merkwürdiger Weise stimmt dieses torrus, welches für torsus steht, mit dem goth. thaursus (aridus) überein. Die dem Worte zu Grunde liegende Wurzel ist bekannt und zeigt sich nicht bloſs im griechischen r49Goαι, sondern auch in den andern indogermanischen Sprachen, ja selbst in den semitischen. Im Lateinischen erscheinen die Bildungen fast alle mit dem Umlaut o wie torreo, torrens, torris, torvus, welches für torrvus steht und so zu deuten ist wie auoryος, G622%ς, engl. dry. Darauf will ich noch aufmerksam machen, daſs im Lateinischen ein wurzelhaftes rs stets in rr übergeht.

5) Gewöhnlich nimmt man an, dals exsilium durch den Einfluſs des folgenden i aus exsulium hervorgegangen sei. Aber da ich sehe, daſs so viele u in derselben Stellung, wie aucupium, augurium, conjugium, refugium unver- ändert geblieben sind, so scheint es mir viel wahrscheinlicher, dafs dasselbe aus der ursprünglichen Form exsolium entstanden ist, wie domicilium aus domicolium, welches eigentlich Bergung in einem Hause(s. unsre Abh. über feg und àς) bedeutet, in ühnlicher Weise wie mhd. seldenherberge(Grimm Gr. 3, 427), eine Zusammensetzung aus herberge und selde(habitatio). Der Uebergang des o in i ist nichts weniger als selten. Hier einige wenige Beispiele: Ille aus olle, inquilinus von incolo, Apollinis aus Apollonis(4A 644*g), illico aus in loco(Ritschl Prol. Plaut. 123; ders. Auslaut. d S. 84). Was ich hier von exsilium gesagt habe, gilt natürlich auch dem consilium.