c) Lucus.
Es ist nicht meine Absicht, für die aus alter Zeit überlieferte, sprichwörtlich gewordene Deutung des Wortes lucus a non lucendo in die Schranken zu treten. Aber so aberwitzig, wie man gewöhnlich meint, ist diese Ableitung denn doch nicht. Es hat sie sogar ein Mann adoptiert, der auf dem Gebiete der Sprachen eine Einsicht hatte, wie wenig Menschen, ich meine J. Grimm, der es,(Gesch. der deutsch. Spr. 409) mit lucere zusammenstellt, freilich ohne ein erklärendes Wort beizufügen. Vermuthlich nimmt auch er Negation des eigentlichen Begriffes an, eine Erscheinung, über die er sich Gr. II, 79 ausspricht. Ohne diese Auffaßung zu theilen, muß ich darauf aufmerksam machen, wie häufig dasselbe Wort oder ganz nah verwandte Wörter hell und dunkel bedeuten. Ich erinnere an alσς, εν†, atldeig(ful- gens, niger), an das von(luceo) unzertrennliche audg(pallidus, fuscus), an νιοσ (pallidus, niger) und aνQαοο(candidus), an dd⁵ος(didνοl Hes.) gegenüber dem sehr nabe stehenden daοsς(uεας, uαeνεos id.), an Aeuxde(lucidus, albus, pallidus) und Auνmρσαάο = 0169„), an pullus(purus, sordidus), an mhd. brün(fulgens, fuscus, vgl. auch Grimm Wb. unter braun), an mhd. bleich(eigentlich fulgens, dann albus, pallidus, vgl. Benecke I, 205) gegenüber dem identischen angels. blac(pallidus, niger, vgl. Grimm Gr. II, 16, N. 181; Graff III, 244), an mhd. schime(splendor, umbra, obscuritas). Diese Thatsache zu erklären, gibt es zwei Wege. Entweder mud man annehmen, daß glänzend, weid allmählich in fahl, dann in dunkel übergegangen ist, oder daß ein Wort mit der Bedeutung brennen zu Grunde liegt, woraus sich jene entgegengesetzten Begriffe leicht entwickeln konnten, nach der Wirkung des Feuers, welches alles, was es nicht berührt, erleuchtet, dagegen das, was es ergreift, verkohlt und schwärzt. Ueberhaupt aber ist es nicht sehr selten, daß ein Wort die entgegen- gesetzten Begriffe entwickelt oder einschliet, wenn seine Bedeutung die entgegengesetzten Wirkungen oder Beziehungen zuläßt. Altus und„)tœrog ist hoch und tief, sub in Zusam- mensetzungen hinauf und hinunter, proximus künftig und vergangen, caput Quelle und Mün- dung, valetudo Gesundheit und Krankheit, rεονμα und dæ Anfangs- und Endpunkt wie mhd. ort, conficere und dydety verfertigen und vernichten wie fr. achever.
Dennoch möchte ich diese Wahrnehmung bei lucus nicht geltend machen, weil ich bei lucere keinen festen Haltpunkt für das Umschlagen des ursprünglichen Begriffes ins Gegentheil


