Aufsatz 
3 Abhandlungen a) Über die hannövrischen orthographischen Regeln, ein Referat, b) Deus und Theos, c) Lucus / Johann Heinrich Hainebach
Entstehung
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Ausgegangen ist divus, dius, deus von der div, die sich noch im Sanskr. findet und leuchten bedeutet. Deus ist demnach, ganz wie das oben erwähnte sanskr. deva(s. Bopp Vgl. Gr., 253), der leuchtende, oder abstrakt ausgedrückt das Licht, die Quelle alles erfreuenden, wohlthätigen, guten. Welch eine bedeutende Rolle das Licht bei den italischen Völkerschaften in der Benennung der höchsten Gottheit spielt, zeigt auch das oskische, von lucere abgeleitete Lucetius für Jupiter(Mommsen Unterit. Dial. p. 274; Corssen Krit. Beitr. p. 472; Festus ed. Müller p. 114), Jupiter selbst, dessen erster Bestandtheil ju für dju steht(vgl. das alte Djovis für das spätere Jovis, Mommsen Unterit. Dial. p. 255) und mit sanskr. dju(lux) übereinstimmt, das S. 16 berührte Dispiter und Diespiter*), drei composita, die sämmtlich Lichtvater, Vater des Lichts bedeuten.

Wir gehen nunmehr zur Frage nach dem Verhältniss des lat. deus zu griech. εες über. Ist deus, wie wir gesehen haben, aus der 7 div(leuchten) gefloéen, so steht es wohl mit dem erwühnten Aig und dessen gen. Aifde, mit d †ε, d7ο**), mit d'⁴οα(serenus, euyννο), mit 2»⁶og(meridianus), mit difadog, diadog(qœeeo Hes.), mit deifedog, deledog(lucens, ardens), mit 26εte4**)(late conspicuus, arduus) in naher Verwandtschaft, aber nicht mit edg. Denn abgesehen von dialektischen Besonderheiten geht im griechichen weder ein wurzelhaftes d in ϑ noch auch ein wurzelhaftes 1 in e über. Den ersten Punkt hat Curtius(Grz. II, 95) hinlänglich erörtert, so daß ich nicht nöthig habe, noch etwas weiteres darüber zu sagen. Den zweiten Punkt jedoch berührt derselbe nur flüchtig. Er erblickt darin zwar eine Schwierigkeit, aber keineswegs eine solche, über die man sich nicht auch hinwegsetzen könnte. Dieò thut er nämlich selbst, indem er(Grundz. I?², 213) aus der def die Verbalformen déarat, déœro entstehen läßt, ohne jedoch ein Beispiel für diesen Uebergang eines in e zu bringen. Ich kann aber jene Ableitung unmöglich gelten lagen und zwar um so weniger, als es ein einfaches Mittel gibt, jene Formen zu erklären, ohne ein feststehendes Gesetz der griechischen Sprache zu verletzen. Die Entwicklung meiner Ansicht wird mich zwar von dem Gegenstande, mit dem ich es zunächst zu thun habe, etwas weit abführen; jedoch glaub' ich mich derselben nicht

*) Dies hat hier seine ursprüngliche Bedeutung(lux) bewahrt. Der Begriff Tag ist der abgeleitete, was wir auch bei lux sehen. Beiläufig will ich noch bemerken, daß dies in Diespiter nicht Genitiv ist, wie ältere und neuere Grammatiker annehmen(s. Schneider lat. Gr. II, 2, 356; Krüger lat. Gr. p. 209; Varro 1. I. ed. Müller§. 66), da ein wirkliches compos., als welches sich Diespiter durch den Uebergang des a von pater in i ausweist(vgl. sinciput), nicht mit einem gen. gebildet wird. Eben so wenig aber gehört das auslautende s von dies zum Stamme, wie Corssen will(Auspr. II, 476; Beitr. p. 391). Dies ist vielmehr als Nominativ zu piter, geschwächt aus pater, getreten und mit ihm zu einem compos. verwachsen, ganz in derselben Weise, wie Marspiter oder Maspiter, gen. Maspiteris oder Maspitris(vgl. Priscian Hertz p. 229;3 Macrob. Sat. I, 19; Varro I. l. ed. Müller VIII, 33; IX, 75). Diespiter und Maspiter laßen sich vergleichen mit alteruter, gen. alterutrius, mit unserm jedermann, gen. jedermanns.

**) Daß man, im Hinblick auf das oskische ei in deivai(s. o.) und auf das sanskr. 6(d. i. a i) in déva, an der Stelle des i erwarten sollte, hab' ich bereits oben angedeutet. Die Bedeutung von dog wird meist am besten getroffen durch unser hehr, dessen ursprünglicher Begriff ebenfalls leuchtend gewesen ist(vgl. Grimm Gr. 12, 121 A.).

**) Dieses Wort verhält sich zu deielog, dessen substantivisch gebrauchtes fem. dellν(vgl. unten dalog für Saε⁴eςσ, ετ:oàdg für Gruεs und Etym. M. 261, 27) von dem heißesten Theile des Tages, vom Nachmittage, ge- braucht wird, wie arduus zu ardere, von welchem dieses eben so wenig getrennt werden kann als assiduus von assidere, nocuus von nocere. Brennen und leuchten sind verwandte Begriffe, wie ardere selbst und unser brennen beweist, eben so leuchtend und hoch, wie wir dieß bei fastus und fastigium(Corssen Krit. Beitr. p. 197), bei aepepatvενο⁹ (Hom. Od. 5, 476; II. 13. 179) und bei dem eben erwühnten hehr sehen, das mhd. und ags. auch hoch bedeutet (s. Benecke mhd. Wörtb. I, 663; Graff ahd. Spr. IV, 899). Vgl. auch hebr. und.

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