12 Schloß neben schlôß; Faß neben Ma, laß neben sàß und mAß, Nuß, Schuß, Muß neben Gruü, Fü, müßt neben grüßt u. s. w. Freilich, wer hat nicht schon manches dieser Wörter aus Missverstand falsch sprechen hören? Wo also 3 berechtigt ist, darf es unter keinen Umständen in ss verwandelt werden.
ss kommt überhaupt nur wenigen deutschen Wörtern zu. Sie sind: Hlass Blässe und Blesse(frons alba), Brassen oder Bressem(Graff III, 283), Sasse(niederdeutsch für Sachse), prassen, Esse, Hesse, Kresse(Fisch und Pflanze), Spessart, Messing, dessen, wessen, gewiss(ahd. kiwis, gen. kiwisses, vgl. Grimm Gr. III, 516) und die davon abgeleiteten Wörter, wozu aber Gewißen nicht gehört; ferner hissen, missen und miss, die Endung niss, Iltiss, Ross, Tross, Drossel, Kuss und küssen, Küssen(ahd. kussin), vgl. noch Riss und Prass(statt Rist und Prast) in Weigand's Wörterb. Dazu kommt noch eine Anzahl Fremdwörter, als Ass, Bass, crass, grassieren, Pass, passen, unpass, passieren, Spass und spassen(aus dem ital. spasso, Diez Wörterb. S. 437), Kassel(castellum vgl. Graff V, 562, IV, 524), brassen(fr. brasser), Klasse, Kasse, Masse, Tasse, Rasse, Grimasse, Atlass, Kompass, Kürass, Sarass, Kellerassel, Prinzess, Prozess, Kongress, express, Presse, Tresse, Interesse, Messe, Kirmess, Lichtmess, Messner, Professor, Assessor, Mission, Firniss, Gross, Koloss, Glosse, Karosse, Posse, Possa- mentier, bosseln(künsteln) u. a. m.
Es kann nun noch in Frage kommen, ob man im Auslaute nicht lieber s statt ss setzen solle. Ich sehe nicht ein, warum man Ross nicht eben so gut mit ss schreiben könne als Stoff mit ff. Wenn es im mhd. nicht geschah, so liegt der Grund einfach darin, daß man den Consonanten im Auslaute nicht verdoppelte. Wir aber schreiben Fall eben so wohl mit II wie Falles. Demnach werden wir auch die Bildungssilbe niss mit ss zu schreiben haben. Wenn der Tiefton, wie es§ 17, 2, a heißt, dem entgegen stehen sollte, dann müßte man auch ungewiss mit einem s schreiben, dessen letzte Silbe sich in nichts von-niss in Hinderniss unterscheidet. Auch die Engländer setzen in solchem Falle ss, z. B. wilderness Wildniss, prin- cess Prinzess, compass Kompass, congress Kongress, gross Gross.
Nun möchte es noch am Orte sein, einige Worte über das an die Stelle des 6 getretene s zu sagen. Dahin gehört zuvörderst das neutrale s im nom. und acc. sing. der adj. und pron., z. B. gutes(mhd. guotez), was(mhd. waz), das(mhd. daz), dessen wahre Gestalt in dem nunmehr völlig davon geschiedenen das ersichtlich ist. Ferner wird s statt 0 geschrieben in emsig(Grimm Gr. II, 221), Obst, Samstag, Worms(ds. 214), Krebs, Bims(ds. 220), Erbse (ds. 222), Gemse(ds. 999), Binse, Gesimse(Benecke mhd. Wb.), bis, aus neben außen, außer, feist(ds. 230), Ameise(ds. 221), verweise(mhd. verwize), Kreis(mhd. kreiz), Los(mhd. loz), Schöps(mhd. schopez). Mehrere von diesen, namentlich Los und Kreis, findet man bereits oft richtig mit 3 geschrieben.
Eben so findet von Tag zu Tag mehr Aufnahme in dieß(ahd. und mhd. diz, ndd. dit), welches mit dem erst mehrere Jahrhunderte später erscheinenden dieses formell nichts zu schaffen hat, in gleißen(mhd. glizen), das von gleisen(mhd. gelichesen= simulare) ganz verschieden ist, in weißagen(ahd. wiz-akén), das nicht mit sagen zusammengesetzt ist, sondern von dem ahd. adj. wiz-ac(sagax, praescius) kommt(Grimm Gr. I, 171; II, 290, 292. 296).
Umgekehrt hat sich einigemale an die Stelle von's gesetzt. Dahin gehören die gen. deß, weß und die damit zusammengesetzten Wörter, Geidel(flagellum) zum Unterschiede von Geisel(obses). Die richtige Schreibung des, wes kommt bereits sehr viel in Anwendung. Einer Unterscheidung zwischen Geisel(flagellum) und Geisel(obses) bedarf es eben so wenig als


