6) Ueber die S-laute im allgemeinen und über 3 im besonderen.
0ö hat mit s und ss seinem Ursprunge nach nichts gemein, auch seiner Aussprache nach ist es früher von s ganz verschieden gewesen, und im mhd. reimten beide Laute nur ganz ausnahmsweise(Grimm Gr. I, 165; 167; 414). Noch bis auf den heutigen Tag wird in manchen Gegenden Deutschlands das 0 anders gesprochen und gehört als s. Die spirans s lautet sanft, 6 zischend und ähnlich dem französischen c vor e und i.
Mit der Entstehung des verhält es sich folgendermaßen. Es ist als Aspirate(Grimm Gesch. d. d. Spr. 395) aus goth. t hervorgegangen, und t entspricht ihm noch bis auf den heutigen Tag im englischen und niederdeutschen. Im griechischen und lateinischen erscheint an seiner Stelle die med. Ein Paar Beispiele mögen diese Verhältnisse veranschaulichen: goth. it-an(eßen), engl. eat, ndd. öt-en, gr. 26-1, lat. ed-o; goth. väit(weis), engl. wit und wot, gr. fold-«, lat. vid-i; goth. vat-ò(Wader), engl. wat.er, gr. 6— O(v= 7.).
Aus dem goth. t hat sich übrigens nicht nur das weichere 0, sondern auch das härtere z entwickelt, nämlich im Anlaut, wo niemals stehen kann, nach den liquid. l, n, r und an der Stelle des goth. tt und ti, z. B. goth. tam-jan, nhd. zähm-en, gr. dax‿ν, lat. dom-are; goth. hairt-o, engl. heart, nhd. Herz, gr.*α⁶-⸗-a, lat. cor für cord; goth. salt, engl. salt, nhd. Salz; goth. skatts, nhd. Schatz. So kommt es, dad manchmal bei einem und demselben Worte oder bei Wörtern gleicher Abstammung der weichere und härtere Laut sich neben einander finden, z. B. sitzen, sad(= goth. sitjan, sat); Schweih und schwitzen; nad und netzen; reiden, reizen und ritzen; beigen, beizen und bitzeln; heiꝰ, heizen, Hitze; schieden und Schütze; gleiden und glitzern. Das merkwürdigste Beispiel dieser Art ist das eben angeführte sitze, sad, insofern sitze in derselben Weise aus einem goth. sitja erwachsen ist, wie Erον, das bekanntlich für G0εοαα steht, aus 5610.
So viel über den Ursprung, die Natur und Verwandtschaft unseres 3 und z. Mit s ver- hält es sich ganz anders. Dieses findet sich im gothischen, wie im griechischen und lateinischen als dasselbe s wieder, z. B. goth. ist, nhd. ist, gr.&0ν⁷, lat. est; goth. salt, nhd. Salz, gr. dlg für dαee, lat. sal...
Organische Gesetze, wie die eben entwickelten, darf kein Volk missachten oder gar zerstören, wenn es nicht der Willkühr Thür und Thor öffnen will. Schon diese Rücksicht verlangt gebieterisch, dad der 6 Laut wieder in seine vollen Rechte eingesetzt werde. Aber auch noch ganz andere Gründe, Gründe praktischer Natur, fordern died. Die gewöhnlichen dem geltenden Regeln sind an sich haltlos, inkonsequent und verwirrend. Die am meisten herrschende, der auch in der hann. Anweis.§. 18 noch das Wort geredet wird, lehrt, dad man nach langem Vocal stets 0 beibehalten solle; nach kurzem Vocal nur im Auslaute und vor einem Consonanten, vor einem Vocale aber solle es in ss verwandelt werden. Während man also schaff, schafft, schaffen; Krach, kracht, krachen schreibt, soll Hab, hadt, hassen stehen. Nach einem vernünftigen Grunde dafür sieht man sich vergeblich um. Die Lünge und Kürze des Vocals ist von dem 3 ganz unabhängig, die ruht auf ihm selber, und besonderer Andeutungen derselben bedarf er eben so wenig als vor ch. Jedermann kennt die Quantität des a in Sache und Sprache, in schwach und Sehmach; so darf ihm auch zugemuthet werden, daß er wihe, wie Gaßde und Straße, beßer und größer auszusprechen ist. Zudem reicht
jene Regel für diesen Zweck bei weitem nicht aus. Denn wir haben Schog neben Schôb, 2*


