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freilich, so klagt J. Grimm(Gr. I3, 120), sind harthörig oder nachgiebig genug, um beide Vocale im Reime zu verbinden.
Das eine dieser e, der Umlaut des a, ist vollkommen identisch mit dem ä, und je nach- dem uns die Entstehung des e aus a näher oder ferner liegt, wenden wir ä oder e an, z. B. Hände, behende; älter, Eltern; Vater, Vetter. Die Aussprache jenes ä und dieses e ist meist dieselbe und es ist falsche Affectation, sagt J. Grimm(Gr. I*, 219), den Vocal in Wände anders als in wenden lauten zu laßen.
Dieò, denk' ich, wird genügen, um das Verhältniss der beiden verschiedenen e unter sich und zu dem ä ins rechte Licht zu setzen. Was darüber in den Reg., namentlich in 2 a. b. c steht, ist theils unverständlich theils unrichtig. In 2 a heidt es, e wäre Schwächung der Vocale a, i, o, u; in c wird es als Umlaut des a aufgeführt. Aber das umgelautete e ist ja nichts anderes als eine Schwächung des a(Grimm Gr. I, 138). Sodann muß ich noch bemerken, daß das betonte e, von dem hier einzig und allein die Rede ist, nie aus einem o oder u her- vorgeht. Dieses geschieht nur bei dem tonlosen e der Bildungs- und Flexionssilben, z. B. helf:e(ahd. hilf-u), Nam-e(ahd. nam-o), Ath-em(ahd. at-um).
Im einzelnen mud ich noch folgendes bemerken:
§. 14, 4. In den angeführten Wörtern steht ä allerdings unrichtig für e. Aber jedem, der den Grund nicht vorher schon weid, wird dieß unverständlich sein, wenn nicht gesagt wird, daß diesen Wörtern eigentlich jenes e zukäme, das aus i hervorgegangen ist. Falsch steht in ihrer Mitte erwähnen(mhd. ge-wahen und ge-wachenen) und bewähren, welches von wahr abgeleitet wird(Grimm Wb.). Die Schwäre für der Schwären ist wohl nur niederdeutsch. Weggeladen ist beschälen, wägen, gäschen neben gischen und rächen, das früher wie brechen gieng und nicht von Rache abgeleitet ist.
5. Seule ist nicht minder gut als Säule, neben Grsnel und greulich ist auch Gräuel und gräulich zulägig(Weig. Wb.).
7. Leugnen ist beder als läugnen, weil wir uns des zu Grunde liegenden a nicht mehr bewust sind. Aehnlich ist es mit Ereugniss, ereugnen, das mit Auge und dem goth. augjan (ostendere) zusammenhängt und vor Augen kommen, erscheinen bedeutet(Grimm Gr. I3, 226), und wofür jetzt noch meist das falsche ereignen gebraucht wird.
9. Emsig, echt, Ernte, Schemel werden zu den Wörtern gezählt, in denen das ä um deswillen falsch sein soll, weil das e nicht aus Umlaut(des a) entstanden sei. Bei emsig, Ernte, Schemel ist dieß aber unzweifelhaft, bei echt wahrscheinlich. Ueber emsig, welches das Wörterverz. selbst mit Ameise zusammenstellt, vgl. Grimm Gr. II, 221; Ernte ist ahd. arnôt; Schemel ahd. scamil(lat. scamillus), über echt vgl. Weig. W. und Grimm Gr. II, 206. Uebrigens bin ich nicht der Meinung, dad man diese Wörter mit ä schreiben solle. In Heher und Schweher, in welchen das e aus i hervorgegangen ist, steht ä allerdings falsch.
Wie bleuen(mhd. bliuwen= schlagen), so sollte man auch teuschen(mhd. tiuschen), verleumden(mhd. verliumden) schreiben.
Noch hätte bemerkt werden sollen, das sich bei einigen Wörtern ö statt e eingeschlichen hat, wie Hölle, Löwe, Möwe, schöpfen, schwören, löschen, ergötzen. Die zwei letzten finden sich auch jetzt noch vielfach richtig mit e geschrieben, nicht minder Möwe.


