Aufsatz 
3 Abhandlungen a) Über die hannövrischen orthographischen Regeln, ein Referat, b) Deus und Theos, c) Lucus / Johann Heinrich Hainebach
Entstehung
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§. 11, 3 heidt es mit Recht, daß Beredsamkeit mit einem einfachen d zu schreiben sei. Nur hätte der Grund angegeben werden sollen. Das Wort wird nämlich nicht von beredt, sondern von bereden(persuadere, suadere) abgeleitet(Grimm Gr. II, 686), bedeutet die Gabe zu überreden und entspricht dem Sinne nach dem lat. suada und griech. 7rεε⁴³.

Nach§. 11. 4 wäre gescheit die richtige Schreibung. Aber auch diese ist falsch. Dem Worte kommt nur ein d zu(Grimm Gr. II, 986; Is, 176). Im mhd. heidt es geschide und es ist ein adj., gebildet von scheiden, wie gefüge von fügen, getreu von trauen, und bezeichnet zunächst einen, der zu unterscheiden, zu urtheilen versteht.

3) g und ch.

Das Verhältniss des g und ch bietet wenig Schwierigkeit. Dadò der Endung ig ein g, der Endung lich ein ch zukommt, ist allgemein bekannt. Nur in einigen Fällen kann Zweifel darüber entstehen, ob das l'zu der Endung gehöre oder nicht, ob man z. B. allmäh-lich oder allmählig schreiben solle. Hierüber giebt die Geschichte der Sprache bestimmte Auskunft. Daher wigen wir denn, dad allmählich, adelich, billich, völlich, unzählich, tadelich, zweifelich, heikelich, buckelich zu schreiben ist. Denn im mhd. heidt es: adel-lich, biklich, voklich, unzal-lich(Grimm Gr. II, 305). Ich meine, dab man sogar die zwei l wieder einführen und eben so gut adellich als Edelleute schreiben könnte.

Hiermit ist schon im voraus das erledigt, was ich über§. 12, 3. 4. 5 zu sagen habe.

Alles übrige in diesem Paragraph veranlaßt mich nicht zu besondern Bemerkungen. Nur hätte bei 10, wo es heißt:Von mögen ist das praet. mochte, nicht mogte der Grund ange- geben werden sollen, dah nämlich bei vorhergehendem kurzen Vocal g in ch verwandelt wird. Daher Schlacht von schlagen, Tracht von tragen, Macht von mögen(ich mag), Bucht von biegen, Gewicht von wiegen.

Beiläufig will ich zu l, a noch bemerken, das kuning nicht mhd., sondern ahd. ist.

4) ai.

ai statt des mhd. ci findet sich nur in wenigen Wörtern, die meist entlehnt oder durch ai einen dem Auge wahrnehmbaren Uuterschied von andern erhalten sollen, z. B. Kaiser, Mai, Bai; Saite wegen Seite, Waise wegen Wweisn. Laib wegen Leib, Raiter(Rechner) wegen Reiter, Rain wegen rein.

5) ä und e.

Hier thut es vor allem Noth, sich einen klaren Begriff von der doppelten Natur unseres e zu bilden. Es schließt dieses nämlich zwei nach Ursprung und Aussprache ganz verschiedene Laute ein. Dem einen liegt ein früheres a, dem andern ein i zu Grunde. Jenes, der Umlaut des a, wird spitz und hoch, dieses, durch Brechung des i entstanden, wird breit und tief gesprochen. Man vgl. regen(goth. ragjan) und Regen(goth. rign); legen(goth. lagjan) und gelegen(goth. ligans). Wie ganz anders lautet das e von wehen(goth. vaian) und von Feder (goth. fithra?) in dem Satze: Von dem Tschako weht die Feder. Das i, aus welchem das eine dieser e entstanden ist, kehrt in der Ableitung und Flexion oft wieder, z. B. Erde irden; Berg Gebirge; ich gebe du gibst.

Der Grundverschiedenheit dieser beiden Vocale blieb sich das mhd. völlig bewußt und die Dichter jener Zeit lieden sie nur ausnahmsweise mit einander reimen. Die heutigen Dichter

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