III. Consonantenverdopplung nach kurzem Vocal.
Schon sehr frühe macht sich in unsrer Sprache das Bestreben geltend, die Kürze des Vocals, auf welchen einfacher Consonant folgt, durch dessen Gemination anzudeuten, und die- ses Bestreben hat von Stufe zu Stufe größere Dimensionen angenommen. Im nhd. findet diese Gemination überall Statt, nur nicht bei der aspir.(ch). Auch die med. erleiden die Ge- mination im Auslaute nie, im Inlaute nur bei wenigen Wörtern, meist durch niederdeutschen Einflug. Diese sind: Widder zum Unterschiede von wider, Roggen neben Rocken(Grimm Gr. I, 528), Robbe, Sabbat, Egge, flügge, Flagge, Dogge, Troddel, Ebbe, Krabbe, krabbeln, kribbeln, kibbeln, wabbeln(engl. wabble, mhd. wabelen), rabbeln statt rappeln, schmuggeln (engl. smuggle).
Die hann. Anw. läßt auch den Hoch- und Tiefton hier eine Rolle spielen und ordnet ihre Regeln unter diese zwei Gesichtspunkte. Dieses Verfahren ist aber durchaus zu ver- werfen. Denn der Hoch- und Tiefton hat auf die Consonantenverdopplung und Unter- laßung derselben nicht den geringsten Einflug. Fall behält seine zwei l in Unfall ebenso wie in Verfall. Nur das läßt sich sagen, daß der auslautende Consonant wirklicher oder vermeint- licher Bildungssilben nach kurzem Vocal gewöhnlich nicht verdoppelt wird. Daher Eid-am (Grimm Gr. II, 150), Brosram(Grimm Gr. II, 148), rathsam. Wenn Bräutigam(§. 8, 3) kein doppeltes m bekommt, so rührt es wohl daher, daß man das gam(mhd. gome= homo) nicht mehr verstanden und für eine Bildungssilbe gehalten hat. Aehnlich ist es mit Leichnam. Uebrigens findet die Gemination auch nicht immer in hochtonigen Silben Statt, z. B. Bret (neben Brett), barfud, April, Damhirsch, Hambutte, Singrün, Walfisch, Walnuß.
§. 7, 2 heidt es, Rad, Stab, Weg entbehrten der Verdopplung, weil die verlängerten Formen Rades, Stabes, Weges langen Vocal hätten. Zu verstehen sind diese Worte nur, wenn wir uns die Aussprache der Hannoveraner und anderer Norddeutschen vergegenwärtigen, welche Rad, Stab, Weg, Tag geschärft sprechen, wie auch wir noch guten Tag als Wunsch- formel. Die Sache erledigt sich aber einfach damit, dab im Auslaute die med. nie verdoppelt werden.
§. 7, 2. In Herr haben die zweier ihren Grund nicht in der Kürze des e. Denn das Wort ist der Comparativ von her(hehr), ahd. heriro, herro, mhd. herre und bedeutet eigentlich der erhabenere.
§. 7, 3. Nicht Schmidt, sondern Schmid ist die richtige Schreibung(Grimm Gr. I, 213; Graff 6, 826).
Nach§. 7, 4 soll die Silbenbrechung vor tz und ck Statt finden, also si-tzen, Stö-cke. Da tz für zz und ck für kk gilt und die Gemination nur die Kürze des vorhergehenden Vocals bezeichnet, so'läièt sich gegen diese Silbentheilung nichts sagen, vorausgesetzt dad man unsre übliche Weise billigt, die verlangt, daß innerhalb eines einfachen Wortes jede Silbe mit einem Consonanten anlaute. Aber eben diese Weise, die innig verbundenes auseinander reidt, die oft zur Unmöxglichkeit wird, z. B. bei fangen, gienge, enge, ist zu unnatürlich, als dab man nicht an ihre Beseitigung denken sollte. Auch ist es ein Irrthum, zu glauben, dad ein solcher zu dem folgenden Vocal gezogener Consonant in der Aussprache auf dessen Seite falle. Werden lautet anders als wer den. J. Grimm nennt unsre neuhochdeutsche Silbentheilung ge-ben, Na-me, bin-den statt geb-en, Nam-e, bind'en geradezu eine falsche(Gr. I, 331).


